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Auslandsstudium mit Kind

Silvana Kiefer ist 22 Jahre alt, studiert an der Universität Bamberg im 4. Fachsemester Wirtschaftsinformatik und hat sich für ein zweisemestriges Auslandsstudium auf Malta entschieden – mit Kind!

Im Interview erzählt sie, warum man unbedingt während des Studiums die Möglichkeit nutzen sollte ins Ausland zu gehen und, dass es gar nicht so viel Mut dafür bedarf.

 

Gab es Ihrerseits besondere Gründe dafür, einen Auslandsaufenthalt während Ihres Studiums einzuplanen?

Ich brauchte einen Tapetenwechsel und sah in einem Auslandaufenthalt eine gute Möglichkeit für mich, mein Studium dennoch weiter fortzusetzen, gleichzeitig aber einfach mal hier raus zu kommen.

Hatten Sie denn keine Angst davor gerade mit Kind ins Ausland zu gehen?

Angst ist nicht das richtige Wort. Natürlich hatte ich Bedenken in Bezug darauf, wie sich die Betreuung für meinen 4-jährigen Sohn im Ausland gestalten wird. Außerdem hatte ich Bedenken, wie  er sich mit der fremden Sprache zurechtfindet und ob er sich schnell in einer neuen Kindergruppe integriert. Da macht man sich anfangs schon Sorgen, welche Auswirkungen diese Umstellungen auf das Kind womöglich haben werden.

Wer hat Ihnen bei der Planung Ihres Auslandsaufenthalts geholfen? Von wo kam Unterstützung?

Das Akademische Auslandsamt hat mir sehr bei der Studienorganisation geholfen. Allerdings nicht bei der Kinderbetreuung vor Ort. Die musste ich vorab selbst übernehmen. Im Nachhinein hat sich jedoch rausgestellt, dass die Partneruni auf Malta eine interne Kita hatte. Diese Information hätte ich eigentlich schon erwartet.

Aus finanziellen Aspekten war der Auslandsaufenthalt auch nur möglich, da ich ein Erasmus-Stipendium bekommen habe und zusätzlich Auslands-BAföG erhielt. Über die DAAD habe ich zudem noch einen Kinderzuschlag erhalten. Andernfalls wäre so ein Aufenthalt auch nur schwer möglich.

Wo ergaben sich besondere Schwierigkeiten mit Kind ins Ausland zu gehen?

Wie schon gesagt, war die Suche einer geeigneten Kinderbetreuung etwas schwierig. Letztlich habe ich aber dann doch eine Tagesmutter für meinen Sohn auf Malta gefunden.

Wer hat Ihnen während Ihres Aufenthalts auf Malta geholfen? Wer hat Sie vor Ort unterstützt?

Die Tagesmutter, die ich vorab schon von Deutschland aus gefunden habe, hat mich anfangs sehr unterstützt. Sie hat mir die Uni gezeigt und mir auch bei der Wohnungssuche bzw. einem späteren Wohnungswechsel geholfen. Außerdem gab es an der Uni auch Ansprechpersonen, die bei Fragen zu Prüfungen und Studienorganisation zur Verfügung standen. Aber auch meine Kommilitonen auf Malta haben mich sehr unterstützt und ab und zu abends auch mal auf meinen Sohn aufgepasst.

Wie sah die Betreuungssituation auf Malta genau aus?

Wie schon erwähnt, wurde mein Sohn anfangs von einer Tagesmutter betreut. Allerdings wollte er da nicht so gern hin und ich musste mich, wohl oder übel, erneut auf die Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit machen. Ich habe schließlich einen Platz in einer Kita bekommen. Dort war mein Sohn dann auch sehr gerne.

Und wie waren Sie auf Malta untergebracht? Wie haben Sie gewohnt?

In den ersten vier Wochen habe ich in San Giljan in einem „inoffiziellen“ Studentenwohnheim gelebt. Allerdings habe ich für den Weg erst zur Tagesmutter und danach zur Uni fast 2 ½ Stunden gebraucht. Das war mir auf lange Sicht zu weit. Zudem habe ich für das Einzelappartement ohne Internet schon 500€ gezahlt. Die Tagesmutter meines Sohnes hat mir dann eine private Wohnung vermitteln können. Sie war wesentlich günstiger und lag auch näher an der Uni. Da konnten wir dann gut – wenn auch nicht den deutschen Verhältnissen entsprechend –  leben.

Welches gemeinsame Erlebnis mit Ihrem Kind während Ihres Aufenthalts auf Malta ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?

Das war auf jeden Fall unser erster gemeinsamer Besuch am Strand. Ich konnte meinem Sohn das Meer zeigen und er war begeistert davon. Und außerdem das Gefühl trotz oder besser gesagt mit Kind so toll unter den anderen Studierenden integriert zu sein. Ich hatte nie das Gefühl, anders behandelt zu werden, nur weil ich ein Kind habe. Im Gegenteil, für die meisten war es eine Selbstverständlichkeit – auch in der Art und Weise wie sie mit meinem Sohn umgegangen sind.

Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie auf Ihr Auslandsstudium mit Kind zurückblicken?

Ich kann nur sagen: „Gut, dass ich’s gemacht habe!“. Ich habe keine Sekunde bereut, den Schritt zu wagen, für zwei Semester in ein anderes Land zu gehen.  Vielleicht war es mutig, aber ich finde, so viel Mut braucht es gar nicht, um diese Entscheidung zu fällen. Besonders kleine Kinder finden sich in fremden Situationen sehr schnell zurecht – im Gegensatz zu uns Erwachsenen.

Was würden Sie Eltern raten, die ebenfalls ein oder mehrere Semester im Ausland in Betrachtziehen?

Es auf jeden Fall zu tun…! Wenn die Kinder noch klein und nicht schulpflichtig sind, ist es wirklich die passendste Zeit, ins Ausland zu gehen. Außerdem fällt den Kindern die Anpassung an eine neue Sprache und neue Menschen nicht so schwer.