Geistes- und Kulturwissenschaften

Evangelische Theologie

Forschungsziele

Die Forschung dieses Promotionsschwerpunktes verfolgt zum einen das Ziel, durch experimentelle medizinische und psychologische Untersuchungen vorwiegend an Gesunden, aber auch an Patienten und Tieren, neue Erkenntnisse über kognitive und neurobiologische Resilienzfaktoren zu gewinnen, die die Entstehung von Schmerzerkrankungen verhindern und damit zum Erhalt der Gesundheit beitragen. Solch ein salutogenetischer Forschungansatz wurde bereits mehrfach für andere Krankheiten diskutiert und erprobt, in der Schmerzforschung wurde diese Forschungsperspektive jedoch bislang kaum eingenommen. Mehrwert ergibt sich dabei nicht nur dadurch, dass bei der gemeinsamen Rekrutierung von Versuchspersonen und Patienten Synergien entstehen, sondern vor allem durch die Erhebung von neurobiologischen und kognitiven Resilienzfaktoren an denselben Probanden.

Zum anderen zeigt die neuere theologische Diskussion zur Schmerzforschung, dass für den Aufbau protektiver Faktoren die Bearbeitung der Sinndimension und eine Veränderung der Selbst- und Körperwahrnehmung entscheidend ist (Sorajjakool u.a. 2006; Roser 2014). Die Entwicklung von coping skills und die Salutogenese stehen in einer komplexen Wechselwirkung von körperlichem Empfinden und geistiger sowie spiritueller Deutung. Dabei kommt im Zusammenspiel von somatischer und spiritueller Dimension des Erlebens, das der Begriff der Verkörperung (embodiment) umschreibt, den Sprach- und Symbolformen der Religion ein Eigenwert zu, der für die Bearbeitung  körperlichen und seelischen Leids relevant wird, ohne sich funktionalistisch verengen zu lassen. Geistiges und Körperliches sind am Ort menschlicher Ausdrucksformen irreduzibel verschränkt (Gallagher 2005; Schicktanz 2007; Jung 2009). Inhaltlich erweist sich die Fähigkeit, den Schmerz zur Sprache zu bringen, als Bestandteil von Patientenkompetenz. Methodisch weist dieser Zusammenhang darauf hin, wie sich im transdisziplinären Fokus auf körperlichen Schmerz unfruchtbare Dualismen von res extensa und res cogitans, die sich in der Aufteilung von Natur- und Geisteswissenschaften widerspiegeln, überwinden lassen. Dieser Zusammenhang soll in den unten näher erläuterten praktisch-theologischen sowie systematisch-theologischen Untersuchungen aufgenommen und bearbeitet werden.