Universität

22. Bamberger Hegelwoche 2011

Moral und Politik

Ohne Moral geht die Politik traurige Irrwege, könnte man meinen. Und wenn die Moral ganz unpolitisch wird, kann sie nichts mehr erreichen  Beide brauchen das jeweils andere - sind also Moral  und Politik füreinander bestimmt und voneinander nicht zu trennen?

Leider nicht. Die Politik ist keine bloße Umsetzung des moralisch Geforderten, sondern folgt oft ihrer eigenen Logik. Nicht alles moralisch Wünschenswerte ist politisch machbar – und manches ist politisch wünschenswert, ohne moralisch zu sein. Für beide Seiten ist die Berührung daher nicht nur notwendig, sondern immer wieder auch gefährlich. Es kann die Reflexion über die Moral verderben, zu sehr auf das Machbare zu schielen. Und eine Politik, die sich zu sehr an moralischen Idealen und nicht mehr am Machbaren orientiert, kann leicht zum Alptraum werden.

Das Verhältnis von Moral und Politik bleibt eine große Herausforderung für unser Nachdenken - in Zeiten von Sicherheitsproblemen, Wirtschaftskrisen, Umweltkrise und wichtigen Weichenstellungen für die Zukunft mehr denn je. Mit anderen Worten: Es ist Zeit, dass sich eine Hegelwoche des Themas annimmt.

Programm

Dienstag, 7.6. - Eröffnung, Einführung, Vortrag

ERÖFFNUNG

EINFÜHRUNG von Prof. Dr. Christian Illies

VORTRAG von Prof. Dr. Vittorio Hösle (Notre Dame): Wieviel Politik braucht die Moral?

Mittwoch, 8.6. - Vortrag

VORTRAG von Prof. Dr. Reinhard Zintl (Bamberg): Wieviel Moral braucht die Politik?

Donnerstag, 9.6. - Podiumsdiskussion

PODIUMSDISKUSSION: Wieviel Praxis verträgt die Theorie?

Vittorio Hösle und Reinhard Zintl im Gespräch mit Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer

- Bundesminister a.D. Dr. Peter Struck hat krankheitsbedingt abgesagt!

Moderation: Prof. Dr. Christian Illies

Zeit und Ort

Alle Veranstaltungen finden um 19:15 Uhr in der AULA der Universität (Dominikanerstraße 2a) statt.

Referenten / Gäste

Prof. Dr. Vittorio Hösle ist Philosoph. Er lehrt an der University of Notre Dame in Indiana (USA). Hösle ist Verfasser zahlreicher Bücher zum deutschen Idealismus, zur Philosophiegeschichte, zur Diskursethik und zur praktischen Philosophie. In seinem grundlegenden Werk „Moral und Politik“ versucht er nach historischen und metaethischen Betrachtungen eine Orientierung zu geben, wie Politik ethische Grundsätze aufnehmen kann und auf die Problematik der Entwicklungsländer sowie auf die Bedrohung durch die ökologische Krise reagieren sollte.

Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer war von 1987 bis 1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und von 1994 bis 1998 Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Von 1998 bis 2006 war er Unter-Generalsekretär der Vereinten Nationen, Generaldirektor des Büros der Vereinten Nationen in Nairobi und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Im März 2011 übernahm Töpfer den Vorsitz der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung der Bundesregierung.

Prof. Dr. Reinhard Zintl ist Politikwissenschaftler. Er lehrt an der Universität Bamberg. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen in der modernen politischen Theorie. Hier hat er – neben methodologischen Grundlagenproblemen - vor allem die grundlegenden Prinzipien einer ethisch akzeptablen Ordnung – Freiheit und Gerechtigkeit – und die Bedingungen ihrer Erhaltung zum Gegenstand seiner Veröffentlichungen gemacht.