Universität

25. Bamberger Hegelwoche 2014

Theater-Wirklichkeiten. Wie sich die Welt inszeniert

Nicht nur für uns, sondern immer auch vor Anderen leben wir. Die Mitmenschen sind die Zuschauer des großen Stückes, das wir auf der Bühne unseres Lebens aufführen. Und zugleich sind sie unsere Mit- oder Gegenspieler in diesem Welttheater.

Solange es das Theater gibt, existiert die Idee, dass die Welt eine Bühne ist, auf der jeder von uns eine Rolle zu spielen hat – oder gleich mehrere. Manches an dieser Idee hat sich verändert (Gott wird kaum mehr als Direktor und Schreiber des Stückes gesehen), aber der Mensch gilt immer noch als Rollenwesen – so interpretieren ihn die Soziologie, die Psychologie, die Ökonomie, die Politologie und andere Wissenschaften. Und er stellt sich zunehmend selbst zur Schau – das zeigt die unheimliche Beliebtheit sozialer Medien wie Facebook und Twitter. 

Ob auch Hegel heute seine jeweils neuesten Einsichten allen Followern twittern würde, werden wir nie wissen. Sicherlich aber würde er versuchen, philosophisch zu ergründen, warum der Mensch sich so gern und pausenlos auf einer Bühne sieht. Grund genug für uns, an drei Abenden der diesjährigen Hegelwoche drei Aspekte dieser Deutungsfigur des modernen Menschen durchzuspielen:

Mit dem Schriftsteller und Dramaturgen John von Düffel werden wir auf der Bühne des E.T.A. Hoffmann-Theaters erleben, was es für das Theater bedeutet, wenn längst die ganze Welt zu einem Theater geworden ist.

Der Meister politischer Inszenierung, Bundesminister a.D. Franz Müntefering, wird im Gespräch mit Nils Minkmar, dem Feuilletonchef der FAZ, am zweiten Abend im Hegelsaal der Philharmonie verraten, wie sich die Politik der theatralischen Effekte bedient.

Der dritte Abend wendet sich den neuen sozialen Medien und dem Internet als digitaler Weltbühne zu. Am Beispiel der medial inszenierten Skandale wird es bei dem Gespräch mit Theresia Enzensberger und dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen um die neue Macht und die neuen Möglichkeiten dieser virtuellen Bühne gehen.

Programm 

Dienstag, 3.6.2014 - ALLERWELTSTHEATER

Begrüßung durch Universitätspräsident Godehard Ruppert
Prolog mit Christian Illies und Friedhelm Marx, Universität Bamberg

Wie unsere Gegenwart auf die Bühne kommt

Mit John von Düffel, Schriftsteller und Dramaturg, Deutsches Theater, Berlin

Mittwoch, 4.6.2014 - STAATSTHEATER

Wie Politiker sich inszenieren

Mit Franz Müntefering, Bundesminister a. D., und Nils Minkmar, Feuilletonchef der FAZ

Donnerstag, 5.6.2014 - MEDIENTHEATER

Wie wir uns in den Social Media zur Schau stellen

Mit Theresia Enzensberger, Journalistin, Initiatorin des Block-Magazins; Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler, Universität Tübingen; Christian Illies und Friedhelm Marx, Universität Bamberg

Zeit und Ort

Die Vorträge im Rahmen der 25. Bamberger Hegelwoche finden am 3. Juniim E.T.A. Hoffmann Theater, E.T.A.-Hoffmann-Platz 1, statt. Am 4. und 5. Juni finden die Veranstaltungen im Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle, Mußstraße 1, 96047 Bamberg, statt.

Veranstaltungsbeginn ist jeweils um 19.15 Uhr!

Referenten/ Gäste

JOHN VON DÜFFEL ist Schriftsteller und Dramaturg des Deutschen Theaters in Berlin. Er erarbeitete unter anderem die erste Bühnenfassung des Romans Buddenbrooks von Thomas Mann, drehte mit Jörg Adolph den Dokumentarfilm Houwelandt – Ein Roman entsteht, war Angehöriger der Jury, die den Deutschen Buchpreis vergibt, und Inhaber der Poetikprofessur an der Universität Bamberg. Neben seinen literarischen und dramaturgischen Tätigkeiten lehrt John von Düffel seit 2010 als Professor für szenisches Schreiben an der Universität der Künste, Berlin.

THERESIA ENZENSBERGER ist Journalistin. Sie ist Initiatorin und Herausgeberin des Block-Magazins, einer jungen, unabhängigen Publikation, die Autoren und Künstlern weder Formen noch Formate vorgibt und so die Möglichkeit bietet, mit etablierten Formen zu brechen. Thema ihrer Veröffentlichungen ist auch immer wieder der virtuelle Raum, in dem wir uns bewegen.

NILS MINKMAR ist Historiker, Journalist und Publizist. Seit 2012 ist er Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Er arbeitete als Redakteur der ZDFSendung Willemsens Woche in Hamburg, war freier Journalist, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, und Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit. 2012 wurde er zum Kulturredakteur des Jahres gewählt.

FRANZ MÜNTEFERING war unter anderem Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, SPD-Bundesvorsitzender, Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales. Seit 2013 ist Franz Müntefering ehrenamtlich Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland.

BERNHARD PÖRKSEN ist Medienwissenschaftler. 2008 folgte er einem Ruf an die Universität Tübingen. Schwerpunkte seiner Forschungsarbeit sind die Dynamik öffentlicher Empörung, Medienskandale und Fragen der Medienethik, Kommunikationsmodelle und Kommunikationstheorien, Inszenierungsstile in Politik und Medien sowie Journalismus und Prominenz.