Religion als Faktor in der beruflichen Bildung von Asylsuchenden und Geflüchteten

Im Zuge des enormen Anstiegs in der Asylmigration nach dem „summer of migration“ 2015 wurde an bayerischen Berufsschulen die Anzahl der zum Schuljahr 2010/2011 erstmals eingerichteten Berufsintegrationsklassen stark erhöht. In diesem heterogenen Bildungskontext kommen Lehrkräfte in besonderer Weise mit der religiösen Bildungsdimension in Berührung. Denn sie unterrichten in Klassen, die fast ausschließlich aus Schülerinnen und Schülern mit Asylhintergrund bestehen. Dadurch haben sie es verstärkt mit Menschen zu tun, für die Religion potenziell und häufig real eine tragende Lebensdimension sowie ein zentraler Identitätsmarker ist. Hinzu kommt: Weil in den Berufsintegrationsklassen kein Religionsunterricht vorgesehen ist, sind die hier eingesetzten Lehrkräfte für die Anbahnung der im Lehrplan vorgesehenen kulturellen, ethischen und religionsbezogenen Kompetenzen selbst verantwortlich. Sie sind also, gleich ob religiös oder nicht, in religionspädagogischer Hinsicht stärker gefordert als zuvor und müssen über grundlegende Kompetenzen religionssensibler Bildung verfügen.

Diese Konstellation bildete den Ausgangspunkt für eine praxisorientierte Interviewstudie, die 2017/2018 im Rahmen des von der Stiftung Bildungspakt Bayern koordinierten Modellprojekts Perspektive Beruf für Asylbewerber und Flüchtlinge durchgeführt wurde. Die von der Stiftung Bildungspakt Bayern und der Universität Bamberg geförderte Studie zielt darauf, im Gespräch mit am Projekt beteiligten Lehrkräften sowie Schulleiterinnen und -leitern, Herausforderun-gen, subjektive Handlungsstrategien und didaktische Bedarfe zu identifizieren, die mit der veränderten Präsenz von Religion in Schulleben und Unterrichtsalltag zusammenhängen. Es fanden insgesamt 15 Expertinnen- und Experteneninterviews mit Akteuren aus fünf am Modellprojekt beteiligten Berufsschulen statt, die nach der Methode der inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.