„Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“. Ausstellung des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie

Die Eiche steht für Stärke und Schutz, für Standhaftigkeit und Heldentum. Als Symbol begegnen wir Eicheln und Eichenlaub auf Münzen, Wappen, Orden und Rangabzeichen. Auch in Ortsnamen Sprichwörtern und Redensarten stoßen wir immer wieder auf die Eiche. Der Mensch weiß ihre Ressourcenf ür verschiedenste Zwecke – von der Schweinemast bis zur Kaffeeproduktion – zu nutzen. Die Spuren des Eichenbaums in der deutschen Kultur zeichnet der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie an der Universität Bamberg im Sommersemester 2018 in der Ausstellung „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“ nach. Die Ausstellungsstücke füllen zwei Vitrinen im Zweiten Obergeschoss des Hochzeithauses, Am Kranen 12.

Mit Exponaten, Fotografien, Kunstdrucken und Sammelstücken aus dem Wald verfolgt die Präsentation die historisch-kulturelle Symbolik der Eiche. „Ideengeschichtliche Forschungen zeigen, dass die Eiche seit dem 18. Jahrhundert als heroisch-männliches Zeichen gilt, beispielsweise waren die Maler der Romantik von der Standhaftigkeit der tausendjährigen Eichen fasziniert“, erklärt Dr. Inge Weid, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Europäische Ethnologie und Organisatorin der Ausstellung.

Seit Ende des 18. bis ins 20. Jahrhundert spielte dieser Baum als „heroisch-männliches“ Zeichen in der nationalen Geschichte eine große Rolle. Die Maler der Romantik thematisierten die Standhaftigkeit der „tausendjährigen“ Eichen. Der bayerische König Ludwig I. setzte sich für die Rettung alter Eichen ein. „Friedenseichen“ wurden 1871 nach dem Sieg über Frankreich im ganzen deutschen Kaiserreich gepflanzt. Bei der Olympiade 1936 bekam jeder Goldmedaillengewinner ein Eichenbäumchen überreicht. In den 1980er Jahren änderte sich die Interpretation: Die kranke Eiche wurde zum Sinnbild der Umweltzerstörung. Nach 1989 gab es Eichen-Pflanzungen zur Erinnerung an die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands.

 

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erfahren auch ganz praktische Dinge über die Verwertung der Eiche und ihrer Rohstoffe im Laufe der Geschichte. Beispielsweise dienten die Früchte des Baumes der Fütterung von Schweinen, da deren Fleisch so als qualitativ hochwertiger galt, oder ersetzten in Notzeiten Kaffee und Mehl. Sammelstücke aus dem Wald weisen auf die botanischen Besonderheiten der Baumart hin und veranschaulichen die Herstellung der verschiedenen Eichenprodukte. Interessierte können die Präsentation noch bis zum 13. Juli von montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr bei freiem Eintritt besuchen.

Text: Mirjam Schmitt/Universität Bamberg