Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Europäische Ethnologie

Wege in den Beruf - Bamberger AbsolventInnen

Davide Bacchini M.A.

Nach meinem Bachelorabschluss in Fremdsprachen und -literaturwissenschaft (Germanistik und als Nebenfach Slawistik) in Urbino (Italien) brach ich 2010 nach Bamberg auf, wo ich mein Masterstudium im Fach Europäische Ethnologie begann. Bamberg war mir nicht neu, denn ich hatte hier mein Erasmusjahr verbracht und mich in die Stadt verliebt.
Obwohl beide Fächer zu den Geisteswissenschaften zählen und interessant und spannend sind, unterscheiden sie sich komplett voneinander in ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise: Die eine sehr theoretisch und zurückblickend, die andere praktischer und ständig mit einem Blick um sich herum.
Das ist, was mich im Endeffekt an der Ethnologie gereizt hat und immer noch fasziniert. In diesem Fach konnte ich eine praktische Anwendung der erlernten Theorie finden und dadurch habe ich gelernt, meine (kulturelle) Umgebung zu spüren, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen zu entdecken und, vor allem, zu schätzen.
Wenn man sich mit Kultur beschäftigt, entstehen spontan die Fragen, woher unsere Traditionen und unsere Sitten stammen, wie und wann sie so geprägt wurden, wie wir sie kennen. Das ist meiner Meinung nach ein Kerngedanke, der hinter der Europäischen Ethnologie steckt. Europäisch eben, und nicht nur deutsch, englisch oder spanisch, was bedeutet, dass die Kultur in unserem Kontinent aus vielen, verschiedenen Traditionen besteht, die jedoch untereinander Einiges gemeinsam haben und sich gegenseitig beeinflussen.
Daran müssen wir uns erinnern, wenn wir vom gemeinsamen Europa reden und gleichzeitig uns womöglich Sorgen über die Schlagzeilen in den Zeitungen machen, die über Migrationsströme berichten. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche und soziologische Befürchtung, sondern auch und hauptsächlich eine kulturelle. Den kulturellen Status quo zu bewahren ist allerdings utopisch und, wie ich finde, langweilig. Darüber hinaus ist unsere Kultur sowie unsere Sprachen und Dialekte bereits ein Mischmasch aus tausend verschiedenen Einflüssen.
Ich glaube, dass interkulturelle Kontakte ein spannendes Forschungsgebiet im Fach Europäische Ethnologie darstellen und deshalb waren sie Bestandteil meiner Masterarbeit, in der ich mich allgemein mit kulturellen Stereotypen und konkret mit der interkulturellen Erfahrung von Austauschstudierenden an der Uni Bamberg befasst habe.

Während meines Studiums habe ich auch zwei Praktika absolviert, das erste davon in Granada (Spanien) in einem „Zigeuner“-Museum. Neben der üblichen Ausstellung bot das Museum auch traditionelle musikalische und theatralische Veranstaltungen und handwerkliche Produkte der Gegend an, wo sich das Volk der „Gitanos“ vor sechshundert Jahren nieder ließ und immer noch lebt. Das war eine wunderbare Erfahrung, dank der ich mich noch fester überzeugen konnte, dass die Kultur und die Traditionen nicht nur hinter einem Schaukasten stehen, sondern mit all den fünf Sinnen erlebt werden sollten.
Während meiner Masterarbeitsphase habe ich auch ein sechsmonatiges Praktikum beim Stadtmarketing Bamberg absolviert. Dort habe ich tolle Leute kennengelernt, die eher aus Leidenschaft denn aus finanziellen Gründen dazu beitragen, die Stadt Bamberg wirtschaftlich und kulturell attraktiv zu gestalten.

Jetzt, nachdem ich geschätzt hundert Bewerbungen deutschlandweit geschickt hatte, bin ich seit über einem Jahr im Akademischen Auslandsamt der Uni Bamberg tätig.

Allgemein ist der Berufseinstieg für Geistes- und Kulturwissenschaftler nicht so einfach, und insbesondere für Ethnologen nicht. Meiner Meinung nach ist die Europäische Ethnologie ein „Nischenfach“, und nicht selten, wenn ich erzähle, was ich studiert habe, bekomme ich als Antwort: „Aaaaaah, cool... was ist das genau?!“.

Studierenden der Europäischen Ethnologie würde ich empfehlen, vielseitig zu sein, denn mit diesem Fach kann man Einiges anfangen, aber spezielle praktische Kompetenzen, die von Arbeitgebern  gern gesehen sind, erlangt man kaum. Zwar hat man beispielsweise gute Chancen in der Museumbranche, die jedoch nicht immer Berufsgewissheit bieten kann. Am besten sollte man nun ein paar Praktika vor dem Berufseinstieg absolvieren und weitere Kompetenzen erwerben. Erlernen Sie Fremdsprachen (mindestens eine, noch besser zwei oder drei), gehen Sie ins Ausland; nebenbei zu arbeiten wäre auch nicht so verkehrt. In einem Wort: Flexibilität!

Dorothea Breier M.A.

Als ich im Sommersemester 2007 mein Magisterstudium an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg begann, wählte ich Europäische Ethnologie als zweites Nebenfach als Ergänzung zu meinem Hauptfach Kunstgeschichte und dem ersten Nebenfach Denkmalpflege. Ich konnte mir zunächst relativ wenig darunter vorstellen, merkte aber schon während des ersten Semesters, wie spannend und vielseitig dieses Fach ist. Deshalb beschloss ich, die Studienschwerpunkte zu verlegen und machte es zu meinem Hauptfach.

Während des Studiums versuchte ich, praktische Erfahrung in den verschiedenen Bereichen zu sammeln, sowohl in Form von Praktika an Kultureinrichtungen als auch Übungsseminaren am Lehrstuhl. Letztere fanden in direkter Kollaboration mit Museen der Umgebung statt, was ich sehr wichtig finde, weil Studierenden so ermöglicht wird, sich anwendungsbezogene Fähigkeiten für das spätere Berufsleben anzueignen. Ich war zum Beispiel bei der Organisation einer Ausstellung beteiligt, habe museumspädagogische Materialien erarbeitet und erste Einblicke in museumsrelevante Software gewinnen können.

Ich würde jedem Studierenden dazu raten, praktische Erfahrungen zu sammeln. Allerdings würde ich darauf achten, wenn möglich weniger, aber dafür längere und lernintensivere Praktika zu machen, bei denen man im Idealfall ein eigenes kleines Projekt zugeteilt bekommt. Ich hatte mehrere einmonatige Praktika, und leider war es bei einigen der Fall, dass ich im Grunde in alle Arbeitsbereiche mal reinschnuppern durfte, aber so wirklich viel dabei gelernt habe ich nicht. Auch sollte man sich so bald wie möglich überlegen, wo man beruflich landen will, auch, um sich dann gezielt die nötigen Fähigkeiten aneignen zu können.

Ein wichtiger Punkt, der auch in einem anderen Profil erwähnt wurde, ist der, dass es durchaus möglich ist, das leidige Geldverdienen neben dem Studium mit relevanter Berufserfahrung zu verknüpfen. Ich selbst war beispielsweise Leiterin historischer Stadtführungen in Bamberg – was ich durchaus auch schon bei Bewerbungen in diversen Lebensläufen angegeben habe.

Mein Weg nach dem Studienabschluss führte mich nach Finnland, wo ich von Herbst 2013 bis Herbst 2017 über Deutsche und deren Nachkommen im heutigen Helsinki promovierte (fyi: http://urn.fi/URN:ISBN:978-951-51-3812-5). Ich befinde mich in dem Moment, in dem ich dieses Kurzprofil verfasse, an einem Punkt, an dem ich mich entscheiden muss, wie es weitergeht: soll ich weiter in der Forschung bleiben oder mich in die Berufswelt stürzen?

Ich hatte auch während der Promotion weiterhin praktische Erfahrungen gesammelt, indem ich zum einen eine deutsche Kulturwoche in Helsinki organisierte und zum anderen ein Projekt zwischen der Universität Helsinki und dem Finnischen Nationalmuseum koordinierte. Es war und ist mir wichtig, mir beide Wege offen zu halten – und ich hoffe, eine Möglichkeit zu finden, beides, Forschung und Kulturarbeit, miteinander zu verbinden.

Was ich bezüglich einer Promotion raten würde: sollte es nicht so sein, dass ihr euch absolut sicher seid, dass ihr in die Forschung gehen wollt, sammelt erst einmal Berufserfahrungen nach dem Studium und promoviert danach. Mein persönlicher Eindruck ist, dass bei Stellenausschreibungen an deutschen Museen oder Kultureinrichtungen ein vorausgegangenes Volontariat ausdrücklich erwünscht ist, was sich wiederum in erster Linie an Hochschulabsolventen (und nicht etwa solche mit Promotion) richtet.

Falls ihr Fragen habt, bei denen ich euch helfen kann, dürft ihr mir gerne schreiben unter Vorname.Nachname@gmail.com

Sophia Erfurt

Nach einem Studium der Medien- und Kulturwissenschaften in Düsseldorf studierte ich im Masterstudiengang Europäische Ethnologie in Bamberg.

Inzwischen arbeite ich als Change Managerin in der freien Wirtschaft. Damit habe ich eine Position auf dem Niveau einer Senior Referentin (ähnlich dem Abteilungsleiter) inne, die mir extrem freies und kreatives Gestalten und  Wirken erlaubt. Außerdem ist die Stelle gut bezahlt wird und ermöglicht mir, mich weiterhin mit dem weiten Feld Kultur und dem Alltag meiner Mitmenschen zu beschäftigen und zur Wertschöpfung beizutragen. Kurzum – ich schätze mich glücklich und bin zufrieden.

Nun haben Biografien ja zumeist die Eigenschaft, dass sie lediglich als Erfolgsbiografien erzählt werden. Deshalb ist es mir wichtig, hier zu erzählen, dass auch mein Weg nicht ohne Hindernisse und Schlaglöcher  verlaufen ist. Ich hatte mich gezielt auf Unternehmenskulturen spezialisiert und wurde hierin großartig von Fr. Prof. Dr. Alzheimer und Fr. Prof. Dr. Kerkhoff-Hader unterstützt. Ich war also gut vorbereitet. Dennoch wurden in diesem Bereich auf dem Arbeitsmarkt stets BWLer mit Schwerpunkt Marketing (das sagt schon viel…) gesucht und ich war verzweifelt. Mehr als einmal hatte ich keinen Anschlussjob in Aussicht und mehr als einmal habe ich verzweifelt (und ich meine, wirklich verzweifelt!) auf dem nächtlichen Balkon gesessen  und konnte das Gedankenkarussell nicht ausschalten. Wenn ich Aufträge hatte, arbeitete ich gegen Werkverträge oder befristet oder in Funktionen, die ich ausfüllen konnte, die mich aber nicht ausfüllten. Am Ende belohnt das Glück aber offenbar dann doch immer die Mutigen und Ausdauernden. Immer dann, wenn die Verzweiflung am größten und die Dichte der ausgeschrieben Stellen am Geringsten war, halfen nur noch ungewöhnliche Schritte: Ich habe z.B. irgendwann die einzigen zwei Unternehmensberatungen gefunden, die für ihre Arbeit auch ethnologische Ansätze benutzen. Ich rief eine der beiden an und eh ich mich versah, war ich als Junior Consultant der Beratungsfirma auf einem großen Projekt. Ich hab mir einfach zugetraut, diese Chance trotz Familie, der Entfernung und der Nicht-Erfahrung anzunehmen und darauf kommt es später an. Seid flexibel und seid mutig. Nach dem Job werdet ihr schließlich Berufserfahrung haben und das macht alles leichter…

Wir studieren Geisteswissenschaften, weil es unser Interesse ist. Von den Komplikationen bei der Jobsuche kann man sich recht früh von anderen Geisteswissenschaftlern erzählen lassen. Wer aber sein liebstes Interessengebiet gefunden hat, sollte sich nicht mehr davon abbringen lassen, auch wenn der Weg manchmal über Umwege führt. Nur in dem, was ihr zu tun liebt, könnt ihr auch wirklich brillieren.

Im Übrigen rate auch ich im Studium zu möglichst vielen Side Steps – Nutzt die Möglichkeit zum Onlinestudium weit über den Fachbereich hinaus. Nehmt die Exkursionsangebote wahr.  Studiert Lebensläufe von Menschen, die in Berufen arbeiten, die euch erstrebenswert erscheinen. Kontaktiert sie – ihr werdet staunen, wie viele gern bereit sind, zu helfen. Auch Praktika sind essentiell, weil sie eben praktisch fit machen, bestenfalls für den Wunschjob. Manchmal taugen sie auch nur dazu, dass man sich trotz allem Interesse bewusst gegen einen bestimmten Arbeitsbereich entscheidet, so wie es bei mir und der Museumswelt war. Auch das bringt euch nach vorn und erspart euch vielleicht den einen oder anderen Umweg nach dem Studium. Und falls das nicht zutrifft, helfen Praktika zumindest, Durststrecken zu überwinden, indem ihr zwischenzeitlich in Bereichen links und rechts von eurem Traumjob arbeiten könnt, um erst einmal euer Auskommen zu sichern. Und zu guter Letzt: Kooperationen mit Firmen oder Institutionen für die Abschlussarbeit werden meiner Erfahrung nach von Arbeitgebern als eine Art Berufserfahrung gewürdigt.

 Viel Erfolg!

Svenja Gierse M.A.

Das Berufsziel Museumswesen stand für mich bereits zu Beginn meines Studiums der Europäischen Ethnologie an der Universität Bamberg im WS 2006/07 fest. Gezielt besuchte ich museumspraktische Seminare und Übungen. Auch meine ersten Ausstellungserfahrungen sammelte ich in Lehrstuhlprojekten. Zusätzlich zu diesen universitären Angeboten nutzte ich die Semesterferien für verschiedene Praktika. Sie führten mich unter anderem in das Bauernmuseum Bamberger Land in Frensdorf, in das Sauerlandmuseum Arnsberg und in das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg. Während des Studiums arbeitete ich außerdem als studentische Hilfskraft im Forschungsprojekt „Unternehmenskultur, Arbeitnehmeralltag und Stadtentwicklung – Die Geschichte der Baumwollspinnerei und –weberei Erlangen-Bamberg (Erba)“ von Prof. Dr. Heidrun Alzheimer und Prof. Dr. Andreas Dornheim. Nach meinem Abschluss 2011 bot sich mir die Möglichkeit, als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ausstellung „Erba – Gewebte Geschichte“ zur Landesgartenschau 2012 mitzuwirken.

Auf diese Projektarbeit folgten sechs Monate Praxiserfahrung am Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau. Im Januar 2013 begann ich dann mein Wissenschaftliches Volontariat im Fachbereich Volkskunde am Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach im Taunus. In den folgenden zwei Jahren war ich in sämtliche Aktivitäten des Museums eingebunden. Nach Beendigung meines Volontariates verschlug es mich nach Norddeutschland. Hier war ich im Heimatmuseum Warnemünde tätig. Anschließend vertiefte ich meine Kenntnisse im Projektmanagement durch eine Weiterbildung zur Referentin für Qualitäts- und Projektmanagement.

Seit dem 1. April 2016 arbeite ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Stellvertretende Museumsleiterin am Regionalmuseum Neubrandenburg in Mecklenburg.

Studierenden empfehle ich, sich bereits frühzeitig mit möglichen Berufsperspektiven auseinanderzusetzen. Knüpfen Sie unbedingt Kontakte, gehen Sie auf Tagungen und Veranstaltungen. Netzwerken Sie! Erweitern Sie Ihren Horizont, schauen Sie über den Tellerrand und nehmen Sie Angebote für praxisbezogene Übungen und Weiterbildungen wahr. Als Geisteswissenschaftler, nicht nur im Museum, ist man vielfach ein Allrounder. Typische Arbeitstage gibt es nicht. An einem Tag können neben wissenschaftlichen Recherchen, einem Presseinterview und einer wichtigen Publikationsdeadline noch Haushaltsverhandlungen, Facility Management sowie die Notfall-Übernahme einer Museumsführung anstehen. Und zu guter Letzt: Lassen Sie sich nicht unterkriegen! Die Bewerbungszeit ist mühsam und kann voller Frustrationen stecken. Gehen Sie Ihren Weg dennoch konsequent weiter.

Dr. Nicole Grom M.A.

Viele Leute blicken erstaunt drein, wenn sie meine Fächerkombination erfahren: Wie? Europäische Ethnologie, Slavistik und Indologie, gekrönt mit einem Aufbaustudium in Deutsch als Fremdsprache und einer Dissertation über einen jüdischen Friedhof in Franken? Und wenn die Frage nicht direkt ausgesprochen wird, erkenne ich sie doch oft im Blick meiner Gesprächspartner: Weiß die Frau eigentlich, was sie will? Aber selbstverständlich doch, das weiß die Frau! Auf meiner mentalen Landkarte liegt Franken eben gleich neben Indien, um einmal bildlich zu sprechen. Die tiefe Liebe zu meiner Heimat beförderte in ganz natürlicher Weise das Reflektieren über scheinbar „exotische“ Kulturen. So war die Europäische Ethnologie für mich erste Wahl, schärft doch dieses Fach ein solches Reflektieren und das Einfühlen in andere Kulturen und Lebensweisen. Auch meine Praktikumswahl half mir hierbei: Ich hatte die Chance, mich am Jüdischen Museum Franken bei Forschungen über eine Fürther Mäzenatenfamilie und mit einem Vortrag zum Laubhüttenfest am Tag des offenen Denkmals einzubringen, arbeitete mehrere Monate lang als Curatorial Assistant/Trainee in curation and arts management am Landis Valley Museum in Lancaster/Pennsylvania und durfte während meiner Studienzeit in München das Bayerische Nationalmuseum, Zweigstelle Oberschleißheim, durch die Übersetzung einer altrussischen Vita bei einem Forschungsprojekt unterstützen.

Nach mehreren Jahren als Übersetzerin und Sprachcoach, u.a. bei international agierenden Firmen, und einer Promotion in Europäischer Ethnologie an der Forschungsstelle Landjudentum in Bamberg arbeite ich derzeit im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Fu Jen Catholic University in Taipei/Taiwan, einer Privatuniversität, deren Deutsches Seminar einen hervorragenden Ruf genießt. Und auf Schritt und Tritt stellen die Studenten mir Fragen, die dem volkskundlichen Bereich angehören: Was hat der Hase mit Ostern zu tun? Woher kommt der Adventskranz? Was ist der Ursprung dieser sprichwörtlichen Redensart? Weshalb trifft man gerade in Franken auf so viele Zeugnisse jüdischer Kultur? Aber es sind nicht nur diese recht konkreten Fragen, bei denen das Fach mir zur Seite steht; es hilft auch, die kulturellen Ausdrucksformen des fremden Landes zu bedenken, das Sichtbare zu befragen, das Gehörte zwischen den Zeilen zu lesen. Und das bringt wiederum beruflich weiter; in meinem Fall bei einem großen Theaterprojekt, für das ich in Regie und Organisation mitverantwortlich zeichne – selbstredend ist hier ein hohes Maß an interkulturellem Fingerspitzengefühl gefragt. Ich werde auch weiterhin die enge Verbindung zwischen Europäischer Ethnologie sowie DaF einerseits und meiner Leidenschaft für Fremdsprachen und fremde Kulturen andererseits ausbauen, weil sie nicht nur geistig, sondern auch finanziell lohnend ist, ja, vielleicht auf eine noch engere Verquickung dieser Interessen im Bereich Interkulturelles Training/Interkulturelle Mediation hinarbeiten.

Ich kann Ihnen als Studenten des Faches Europäische Ethnologie nur raten, die eigene Kultur (v.a. den Alltag – er ist das Spannendste überhaupt!) präzise zu studieren, dabei aber immer wieder den Blick über den Tellerrand hinaus auf andere Länder, andere Sitten schweifen zu lassen. Lesen Sie! Diskutieren Sie mit Ihren Kommilitonen! Suchen Sie den Kontakt zu ausländischen Studenten! Machen Sie so viele Praktika wie möglich! Erwandern Sie Ihre Umgegend! Lernen Sie Sprachen, wenn es Ihr Talent zulässt! Und vor allem: Reisen Sie! Eine mit Wissbegier durchgeführte Reise, und mag sie nur ein paar Wochen dauern, ist mehr wert als aller Text, der zwischen zwei Buchdeckel passt.

Nadine Hecht M.A.

Nach meinem Studium der Geschichte, Europäischen Ethnologie und Kunstgeschichte an der Universität Bamberg absolvierte ich an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ein Referendariat für den höheren Bibliotheksdienst. Zudem promoviere ich am hiesigen Lehrstuhl bei Frau Professor Alzheimer. Bereits zu Beginn meines Studiums übte das BID-Wesen (Bibliotheks-, Informations- und Dokumentationswissenschaft) einen großen Reiz auf mich aus, zumal mich neben der Arbeit mit Originalquellen auch immer der Dienstleistungsaspekt und die Erschließung interessierten.

Diese Sichtweise verfestigte sich, als ich durch meine Abschlussarbeit zur barocken Bildpublizistik zunehmend mit Digitalen Bibliotheken und retrospektiven Nationalbibliographien wie dem VD17 in Berührung kam. Dass solch komfortable Dienstleistungen wie Volltextdurchsuchbarkeit mittels OCR oder Digitale Editionen durch das Engagement der Bibliotheken überhaupt erst möglich gemacht werden, ist in den Köpfen der Nutzer vielfach leider nicht so präsent.

Erste berufspraktische Erfahrungen im Staatsarchiv Bamberg, dem Historischen Archiv des Germanischen Nationalmuseums sowie an der Bamberger Universitätsbibliothek bestärkten diese berufliche Profilbildung, für den auch mein fachlicher Hintergrund mit einem Schwerpunkt auf Altbestände sowie der Kultur- und Mediengeschichte der Frühen Neuzeit eine gute Basis bildete.

Neben diesen genannten Erfahrungen im BID-Sektor hatte ich zudem dankenswerterweise die Gelegenheit, im Rahmen eines DFG-Projektes am Lehrstuhl für Neuere Geschichte sowie am Lehrstuhl von Frau Professor Alzheimer auch in der Forschung tätig zu sein. Dies stellte im Hinblick auf die Funktion eines wissenschaftlichen Bibliothekars als (Ver-)Mittler an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Informationsinfrastruktur eine ideale Ergänzung für mich dar.

Seit November 2016 bin ich an der HLB Fulda als Fachreferentin für landesbibliothekarische Aufgaben tätig, worunter die Betreuung der historischen Sammlungen und der Regionalliteratur fällt.

Mein Tipp an Sie: Arbeiten Sie früh auf ein bestimmtes Interessengebiet hin und versuchen Sie zudem, sich über Ihre Studienfächer hinaus Schlüsselkompetenzen anzueignen, die Ihnen helfen können, sich von der Vielzahl an Bewerbern abzuheben. In meinem Fall waren dies spezielle IT-Kompetenzen aus dem Bereich der Digital Humanities, die im Bibliothekswesen eine immer wichtigere Rolle spielen. Als sehr hilfreich empfand ich außerdem die vielen Praxisprojekte und Kooperationen mit kulturellen Einrichtungen, die einem am Lehrstuhl ermöglicht werden und die Sie unbedingt wahrnehmen sollten, da sie keine Selbstverständlichkeit sind! Hier lernt man bereits während des Studiums, das Gelernte in die Praxis umzusetzen und verschafft sich beispielsweise mit bereits entwickelten Ausstellungskonzeptionen zusätzliche Bonuspunkte in Bewerbungsgesprächen. Auch sah ich es immer als einen großen Luxus an, in einer Weltkulturerbestadt wie Bamberg studieren zu können, wo eine solch große Dichte an Gedächtnisinstitutionen herrscht, sodass man als Student bereits in den ersten Semestern die Gelegenheit bekommt, mit Originalen – seien es Textquellen oder Materielle Kultur – zu arbeiten. Dennoch möchte auch ich betonen, dass insbesondere viel Glück sowie jahrelange Spezialisierung und Ausdauer dazugehören, um letztlich eine der wenigen, hartumkämpften, aber dafür fachnahen Stellen im Bereich Archiv – Bibliothek – Museum zu ergattern.

Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei!

Claudia Herzog M.A.

Mit den Studienfächern Europäische Ethnologie (Volkskunde), Kommunikationswissenschaft und Psychologie hatte ich eine vergleichsweise seltene Kombination gewählt. Sie sollte sich jedoch als interessante Mischung beweisen, bezieht doch die Europäische Ethnologie häufig Ansätze anderer Disziplinen ein. In meiner Magisterarbeit zur Konstruktion und medialen Vermittlung von Stereotypen spiegelt sich die Fächerkombination wider.
Während des Studiums arbeitete ich mehrere Jahre als Hilfskraft an der Professur für Physiologische Psychologie. Dort übernahm ich verschiedene Aufgaben, die vom Aufbereiten von Vorlesungsunterlagen bis hin zur Mitorganisation von Fachtagungen, Veranstaltungen uvm. reichten. Der Aufgabenmix war abwechslungsreich und ermöglichte es mir, Erfahrungen in verschiedenen Bereichen, vom Sekretariat bis zur Veranstaltungsorganisation, zu sammeln.
Praktika absolvierte ich am Jüdischen Museum Franken in Fürth und in der Redaktion des Obermain-Tagblatts in Lichtenfels. Museen und Redaktionen können Arbeitsfelder für Kulturwissenschaftler sein. Auch wenn Sie nicht die Absicht haben, journalistisch tätig zu sein, lohnt sich der Blick in den redaktionellen Alltag: Sie lernen Abläufe und Strukturen kennen, was Ihnen später helfen kann, Öffentlichkeitsarbeit für Kultureinrichtungen optimal zu betreiben.
2006 begann ich ein Volontariat am Schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren. Meine Aufgaben im ersten Freilichtmuseum Bayerisch-Schwabens waren abwechslungsreich: ich half bei der Inventarisation, arbeitete an mehreren Ausstellungen mit, übernahm Führungen und kleine museumspädagogische Programme, konnte zwei Aufsätze veröffentlichen und engagierte mich im Arbeitskreis Volontariat beim Deutschen Museumsbund. Nach Abschluss des Volontariats verschlug es mich nochmals nach Franken, wo ich für das Museum am Maxplatz in Rehau, ein stadtgeschichtliches Museum, arbeitete.

Seit 2009 bin ich nun Assistentin für Marketing im Büro für Öffentlichkeit am Landestheater Schwaben in Memmingen. Unser Theatermarketing reicht von der regelmäßigen Verteilung der Werbemittel über den Besucherservice bis hin zur Akquise von Sponsoren. Die Arbeit verlangt viel Einsatzbereitschaft und Flexibilität, denn im Theater steht abends und an den Wochenenden der Betrieb nicht still. Ich mag diesen Theateralltag, denn er ist immer abwechslungsreich und fordert mich jeden Tag aufs Neue.

Nehmen Sie sich während des Studiums Zeit für Praktika: Schnuppern Sie in verschiedene Beruf- und Tätigkeitsfelder ausgiebig hinein. Dabei können bereits Kontakte entstehen, die Ihnen später beim Einstieg in den Beruf helfen können. Nutzen Sie die Vermittlungsangebote Ihrer Universität, verbringen Sie ein Semester im Ausland und seien Sie bei möglichst vielen Exkursionen dabei - auch wenn Sie den Schein nicht brauchen. Sie gewinnen in jedem Fall neue Impulse und blicken über den Tellerrand.

Dr. Jochen Hofmann

In der Retrospektive erscheinen Lebens- und Berufswege häufig lückenlos und geradezu teleologisch. Ein Schritt folgte offenbar so selbstverständlich auf den anderen, dass man die Unsicherheiten an jedem neuen Abzweig, die Irr- und Umwege, vielleicht auch die Sackgassen, auf den ersten Blick nicht erkennt.

Ich denke, dies trifft auch für meinen 'Weg in den Beruf' zu:

Seit Oktober 2015 bin ich Leiter der Museen des Altmarkkreises Salzwedel. Zuvor absolvierte ich im Anschluss an die Promotion ein wissenschaftliches Volontariat am TECHNOSEUM Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Davor lag das Magisterstudium (Volkskunde, Geschichte und Geographie) in Würzburg und Bamberg, und in geradezu grauer Vorzeit begann meine "Karriere" mit dem Studium der Kulturpädagogik, Schwerpunkt Museen, an der Hochschule Merseburg.
Auch ich absolvierte natürlich Praktika an unterschiedlichen Museen, besuchte einschlägige Fachtagungen, war wissenschaftliche Hilfskraft und konnte noch als Student erste kleine Aufsätze veröffentlichen. Das war alles sicher nützlich und fleißig, aber freilich nichts, was mich vor anderen Studierenden ausgezeichnet hätte. Eher der Standard eines geistes- und kulturwissenschaftlichen Studiums.

Dahinter verbarg sich zwar eine zumindest grobe 'Planung': In diesem Semester mache ich diese Scheine, im nächsten Semester jene, dann Magisterarbeit, dann Doktorarbeit, dann Geld verdienen ... Doch der Planbarkeit wurden immer wieder deutliche Grenzen aufgezeigt, etwa wenn man sich das Semester mit Referaten und Hausarbeiten doch etwas zu voll gepackt hatte, oder als die für Qualifikationsarbeiten ausgewerteten Quellen nicht das hergaben, was man sich erhofft hatte, und vor allem als sich nach dem Studium der Einstieg ins Arbeitsleben schwieriger gestaltete als erwartet und viele hoffnungsvoll verschickte Bewerbungen mit freundlichen Absagen beantwortet wurden.

Die entscheidenden Weichen wurden von anderen gestellt, von Hochschullehrerinnen und -lehrern, Gutachtern und Prüfern, Museumsdirektoren, Landräten und Kreistagsmitgliedern. Kurz - ich hatte sehr oft ganz einfach Glück! Und ich musste flexibel sein, immer wieder auch einen Plan B entwerfen, bisherige Ziele aufgeben und mir neue stecken. Denn eigentlich kam immer alles anders, als geplant: mit Volkskunde und Historischer Geographie landete ich als Volontär in einem Technikmuseum und nun als Franke in der Altmark.

Lehren und gutgemeinte Ratschläge lassen sich daraus wohl kaum ableiten. Dass man sich mit einem erfolgreichen Studium eine gute Grundlage schaffen und danach flexibel sein sollte, ist ja eine Binsenweisheit. Am ehesten lässt sich wohl die beruhigende Erkenntnis weitergeben, dass sich Berufswege eben nicht gänzlich planen lassen und dennoch zum Ziel führen können.

Anne Kraft M.A.

In Würzburg und Bamberg studierte ich Europäische Ethnologie/Volkskunde mit den Nebenfächern Neuere und Ältere deutsche Literaturwissenschaften. Um die Theorie im Arbeitsalltag zu testen, absolvierte ich von Beginn an Praktika in den verschiedenen Bereichen der Kulturarbeit (z.B. journalistisch beim ZDF, museal im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, kulturpolitisch beim Referat Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirk Unterfranken, „theatral“ beim Fränkischen Theater Schloss Maßbach, universitär als Tutorin am Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters). Diese unschätzbaren Erfahrungen halfen mir sehr, meine Interessens- und Forschungsschwerpunkte zu entwickeln (Sachvolkskunde, Leben und Wirtschaften in der Nachkriegszeit auf dem Land), mein Berufsziel (Museumsarbeit) zu finden und mich zu vernetzen.

Nach dem Ende meines Studiums entschied ich mich für ein Volontariat im Referat Kulturarbeit und Heimatpflege des Bezirk Unterfranken. Dort war es mir möglich, vielfältigen Tätigkeiten nachzugehen, die die ganze Bandbreite der Kulturarbeit (Ausstellungen, Veranstaltungen, Förderungen, Politik und Verwaltung etc.) abdecken. Außerdem erfuhr ich große Unterstützung für mein Dissertationsprojekt.

Unmittelbar nach Abschluss meines Volontariats trat ich meine Stelle als Projektmanagerin für die Hofstelle Leutershausen im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen an. Zunächst für zwei Jahre angestellt, baute ich die Hofstelle als museumspädagogisches Zentrum auf. Dazu gehörte auch, die Museumspädagogik organisatorisch und inhaltlich neu auszurichten. Nach insgesamt fünf spannenden und erfolgreichen Jahren im Freilandmuseum wechselte ich zu den Museen der Stadt Aschaffenburg, wo ich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantworte.

Meine Empfehlungen für Studierende der Europäischen Ethnologie:

  • Testen Sie sich und das Fach in der Praxis!
  • Vernetzen Sie sich! Mit Kommilitonen, Dozenten, bei Praktika, Tagungen, Vorträgen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit, Abschlussarbeiten bei Institutionen zu schreiben.
  • Bilden Sie sich fort! Egal, ob später im Berufsleben, oder durch die Absolvierung von Masterstudiengängen oder Dissertationen. Was man nämlich oft vergisst: mit höherem Abschluss ist im Berufsleben auch eine bessere Bezahlung möglich.
  • Fragen Sie! Gerade Studierenden oder Volontären wird gerne und ausführlich geantwortet.

Katharina Krappmann M.A.

Als Geisteswissenschaftlerin in der Logistik

„Wenn ich einmal groß bin, werde ich…“. Ein Satz, der für Studierende der Geisteswissenschaften meist nicht eindeutig zu vervollständigen ist, zielt das Studium doch im Vergleich zu klarer berufsfeldbezogenen bzw. anwendungsorientierten Studiengängen kaum auf konkrete Berufsbilder. Als ich zum Wintersemester 2008/2009 mein Studium an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg aufnahm, nachdem ich mich für die Fächerkombination Germanistik im Hauptfach, Politikwissenschaft und Europäische Ethnologie im Nebenfach entschieden hatte, hätte ich die Leerstelle sicherlich nicht mit der Berufsbezeichnung „Manager Communications“ besetzt. Noch weniger hätte ich in Betracht gezogen, später einmal in der Logistikbranche tätig zu sein. Heute arbeite ich in der Unternehmenskommunikation der Lufthansa Cargo AG in Frankfurt am Main.

Mit einem Transportvolumen von jährlich rund 1,7 Millionen Tonnen Fracht- und Postsendungen ist die Tochter des Lufthansakonzerns eines der weltweit führenden Unternehmen im Transport von Luftfracht. Das Streckennetz umfasst mehr als 300 Zielorte in fast 100 Ländern. Die Mitarbeiterzahl liegt weltweit bei über 4500. Insgesamt widmen sich in unserer Abteilung 15 Kolleginnen und Kollegen den Themen Marketing und PR, letzteres gliedert sich in eine interne und externe Kommunikation. Mein Aufgabenbereich umfasst als Mitglied des PR-Redaktionsteams, die inhaltliche Bespielung interner Medien und der Social Media Kanäle, die mediale Betreuung der Frankfurter Animal Lounge, sowie Eventorganisation.

Eine Frage, die ich durchaus des Öfteren zu beantworten habe, ist die nach meinem Weg, der mich aus den Hörsälen Bambergs an den Frankfurter Flughafen geführt hat. Aber auch die Frage, inwiefern insbesondere die Inhalte eines Studiums der Europäischen Ethnologie meinen beruflichen Werdegang beeinflusst haben bzw. mir von Nutzen sind, bekomme ich nicht nur in Bewerbungsgesprächen gestellt.

Rückblickend bewerte ich es als eine meinem Ethnologie-Studium geschuldeten Stärke, Alltägliches systematisch hinterfragen zu können und unter die Oberfläche der Phänomene zu schauen. Die deutlichste Schnittstelle, die sich zwischen meinem Ethnologie-Studium und meinem Berufsleben herauskristallisiert, lässt sich eindeutig benennen: der Mensch. Von ihm geht alles aus. Auf ihn läuft alles hinaus. Das im Studium geschulte systematisch kontrollierte Verstehen und Erklären von Lebensweisen kommt mir heute insbesondere in der internen Mitarbeiterkommunikation zu Gute.

Schlüssel zum Unternehmenserfolg bildet zunehmend die Empathie für humanes Kapital. Da Mehrwert immer weniger aus Rohstoffen, Energie und herkömmlicher Arbeit entsteht, müssen Mitarbeiter auf eine neue Art und Weise betrachtet werden – nicht nur durch eine betriebswissenschaftliche Brille. Mein geisteswissenschaftlicher Hintergrund hat mich dafür sensibilisiert, mich mit dem Mitarbeiter als Menschen auseinanderzusetzen.

Kompetenzen des Ethnologie-Studiums, die zum Vorteil gereichen, kommen ins Spiel, wenn es um die erfolgreiche kommunikative Vermittlung von (innovativen) Unternehmenszielen an eine Mitarbeiterschaft geht: Den Menschen in seinem Umfeld wahrzunehmen, zu verstehen und das Kommunikationsverhalten danach auszurichten, ist elementar.

„Europäische Ethnologie – was kann man damit eigentlich machen?“. Selbstbewusst kann ich heute einen Weg aufmalen, der meine Studieninhalte sinnvoll mit meinem Arbeitsleben verknüpft. Letztlich geht es darum, mit Eigeninitiative und Motivation eine Nische für sich zu finden und seine Kompetenzen bestmöglich einzusetzen.

Fakt ist, dass von Wirtschaftsunternehmen meist keine Stellen ausgeschrieben werden, in denen man explizit nach ethnologischen Kompetenzen sucht. Umso entscheidender ist, sich selbst im Klaren darüber zu sein, inwieweit diese von Nutzen sein können.

Die Stärken von Ethnologen fasst der Bundesverband freiberuflicher Ethnolog_innen sehr gut zusammen: „Ethnologen haben gelernt, […] sehr genau hinzuhören und hinzu-sehen“[1]. Dies kann ich bekräftigen: So habe ich in meinem Studium gelernt, empfänglich für die Perspektive der beobachteten Person oder gesellschaftlichen Gruppe zu sein, sowie mich in deren Erleben hineinzuversetzen – womit die Kernkompetenzen meiner heutigen Aufgabe beschrieben wären. „Ethnologen“, so heißt es weiter, „werden dazu ausgebildet, die intellektuelle Zeitgenossenschaft aller Menschen ohne Vorbehalte an-zuerkennen und dadurch Probleme, die auch irrationale Elemente umfassen, als Teil zeitgenössischer Realität ernst zu nehmen, zu benennen und bei der Entwicklung von Problemlösungsstrategien mit zu berücksichtigen“[2]. Neugierig auf Menschen zuzugehen und offene Fragen zu stellen, sind weiterhin Grundvoraussetzungen für eine funktionierende interne Unternehmenskommunikation.

Ich als Geisteswissenschaftlerin im Allgemeinen, sowie als Ethnologin im Besonderen habe meine Nische gefunden: In der Kommunikationsabteilung eines Logistikunternehmens. Und ich überzeuge mich tagtäglich davon, dass Logistik weit mehr als bloßes Kisten schieben ist. Auch diese Branche lebt von ihren Mitarbeitern. Auch in dieser Branche steht der Mensch im Fokus.

[1]www.bundesverband-ethnologie.de/was-ethnolog_innen-koennen(Stand: 29.04.2015).

[2] Ebd.

Charlotte Küchler M.A.

An der Uni Bamberg studierte ich Europäische Ethnologie, Romanistik und Anglistik. An meinen Studienfächern habe ich immer geschätzt, dass sie dich eben nicht wie zum Beispiel den Medizinstudenten zum Arzt machen, sondern dass man sich seinen Weg durch viele verschiedene Felder bahnen kann. Besonders wichtig ist es deswegen, möglichst bald durch praktische Erfahrungen und eine gute Portion Neugier herauszufinden, wo deine eigenen Stärken liegen und womit man sich vorstellen kann, viele Stunden seines Lebens zu verbringen (vom Kontakte knüpfen einmal abgesehen). 

Der Lehrstuhl für Europäische Ethnologie hat besonders gute Verbindungen in die Museumswelt, und so habe ich zunächst angefangen mich hier zu orientieren. Praktika u.a. beim Spielzeugmuseum Nürnberg und dem British Museum London ( in der Marketingabteilung) oder beispielsweise meine Mithilfe bei der Organisation des „Tag des offenen Denkmals“ haben mir gezeigt, dass mir die Arbeit im Kulturbereich große Freude macht. Diese gesammelte Erfahrung konnte ich begleitend zum Studium als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Levi Strauss Museum und im Germanischen Nationalmuseum weiter ausbauen. 

Ich war dennoch stets aufgeschlossen für Möglichkeiten in der freien Wirtschaft. Bei meiner Magisterarbeit war es mir wichtig, auch wirtschaftliche Gesichtspunkte mit einzubeziehen, so habe ich das Thema „Es gibt sie noch, die guten Dinge. Konsumverhalten und Mensch-Ding Beziehung in der modernen Gesellschaft“ in Zusammenarbeit mit der Firma Manufactum gewählt, in deren Münchner Filiale ich eine Konsumentenstudie durchführte. All dies sehe ich als eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ich jetzt im Marketing arbeite und so neben der Museumswelt einen zweites Standbein habe. Auch die Arbeit als Hiwi und Tutorin hat mir wichtige Erfahrungen mit auf den Weg gegeben (Organisationstalent,  Präsentieren, Improvisation).

Nach dem Studium entschloss ich mich nach London zu gehen um dort Auslandserfahrung zu sammeln. Nach etwa drei Monaten des Einlebens und Bewerbens für Stellen im Kultursektor habe ich eine Position als Studio Assistant in einem Design Studio angenommen. Inzwischen arbeite ich dort als Marketing Account Executive im Bereich Marketing (zum Beispiel mit Social Media wie Twitter, Firmenblog usw.) und Project Management für Designaufträge mit Kunden in verschiedensten Ländern. Hier kommen mir meine interkulturellen Fertigkeiten aus dem Studium zugute. Diese Arbeit macht mir großen Spaß und ich glaube, dass die Kombination von Marketing und Kultur-/Museumswelt immer wichtiger wird.

Das Reizvolle an einem geisteswissenschaftlichen Studium und gerade an der Europäischen Ethnologie ist es, dass sie den Blick dafür schärft, gerade das Alltägliche und Selbstverständliche kritisch zu hinterfragen. Zudem erlernt man das Handwerkszeug des wissenschaftlich korrekten Arbeitens. Meiner Meinung nach sind ein kritischer, offener Verstand und solide Arbeitsmethoden Grundvoraussetzungen, um in verschiedensten Bereichen erfolgreich zu sein.

Studierenden würde ich empfehlen, den Mut und das Selbstbewusstsein zu haben, beim Bewerben kreativ zu sein und die Fühler in alle Richtungen auszustrecken und sich ruhig auch auf Stellen zu bewerben, die nicht klassisch für ihr Fach sind – wir haben als Europäische Ethnologen einiges zu bieten!

Inga Müller M.A.

Das Studium der Europäischen Ethnologie ist schwierig zu beschreiben, nicht nur skeptischen Familienangehörigen gegenüber. Erst nach dem Abschluss weiß man, was man da eigentlich Semester für Semester gemacht hat. Mein Fazit: mit dem Studium der Europäischen Ethnologie im Gepäck hat man viel gelernt – über kulturelle Phänomene,  Lebens- und Erfahrungsräume, Geschichte und Gegenwart. Um dies alles zu beschreiben, werden Analyseinstrumente und kulturwissenschaftliche Methoden vermittelt, ihre Anwendung praktisch erprobt und selbstständig in der Masterarbeit umgesetzt.

Einen Berufsabschluss hat man mit dem Studium allerdings nicht erworben. Es ist kein Garantieschein für einen aufregenden Job direkt im Anschluss an die Masterarbeit. Aber wenn man sich auf das Fach einlässt, verändert sich die Wahrnehmung von alltäglichen Dingen, von Umgangsweisen und Konventionen, von Bräuchen und Ritualen, von Räumen und Ordnungen. Neugierde und Interesse an "allem möglichen" finden hier gewissermaßen einen wissenschaftlichen Nährboden. Ideale Voraussetzungen also für einen aufregenden Job!

Als Diplom-Museologin und Europäische Ethnologin fühle ich mich zwischen alten Dingen, Objekten mit Geschichte, Fundstücken aus dem Depot und vielen Menschen besonders wohl. Die erste Etappe auf dem Weg in den Beruf führte mich daher in die museale Vermittlungsarbeit. Museumspädagogik war bereits während meines ersten Studiums ein Schwerpunkt und so war es ein Glücksfall, im Museum Schloss Schwerin für ein Jahr vertretungsweise als Museumspädagogin arbeiten zu können.

Mittlerweile bin ich als Referentin in der Verwaltung des Landtages Mecklenburg-Vorpommern tätig. Das schöne Schloss Schwerin (Objekt mit Geschichte und soziales Umfeld in einem!) ist damit glücklicherweise mein Arbeitsplatz geblieben. Doch statt Vermittlungsprogramme zu entwickeln und durchzuführen, arbeite ich nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Bewerbung Schwerins für den UNESCO-Welterbe-Status mit. Ein äußerst spannender Job, der von Projektmanagement und Veranstaltungsplanung bis zu Ausstellungsgestaltung und Pressearbeit viele neue Herausforderungen bietet. Es gilt also wie so oft im Leben: weiter lernen! Die Europäische Ethnologie bietet für mich dabei die Projektionsfläche und erlaubt es, den Blick zu weiten.

Das ist mein Rat an Sie als Erstis oder Studieninteressierte: Neugierde und Interesse an kulturellen Phänomenen sind Voraussetzung. Bleiben Sie zuversichtlich, auch wenn Sie vielleicht noch nicht wissen können, was einmal „Ihr Beruf“ sein wird. Schauen Sie sich was an von der Welt, sammeln Sie Erfahrungen und nehmen Sie mit, was Sie kriegen können. Und erwarten Sie nicht, dass man einmal ausgelernt hat…

Daniela Sandner M.A.

An der Universität Bamberg habe ich bei Frau Prof. Dr. Heidrun Alzheimer im Hauptfach Europäische Ethnologie im Magisterstudiengang studiert. Meine Praktika während des Studiums führten mich geradewegs in das Berufsfeld „Museum“. Am Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt und am Germanischen Nationalmuseum in der Abteilung Volkskunde konnte ich so bereits erste Erfahrungen in der praktischen Museumsarbeit sammeln. Nach meinem Studium zog es mich noch einmal für kurze Zeit ins Ausland: an die Kunstkammer in St. Petersburg. Hier konnte ich meine bereits gewonnenen Erfahrungen um diejenigen in einem russischen Museumsbetrieb erweitern. Im Anschluss an mein Auslandspraktikum fand ich fast übergangslos eine befristete halbe Stelle bei Frau Dr. Selheim, der Leiterin der Abteilung Volkskunde, im GNM in Nürnberg. Zeitgleich arbeitete ich halbtags in der Universitätsbibliothek als Mitarbeiterin, wo ich schon während meines Studiums als Hilfskraft tätig war. Da sich keine dauerhafte Anstellung für mich abzeichnete, entschloss ich im April 2012, mit meiner Doktorarbeit zu beginnen, die ich mir über eine halbe Stelle als Bibliotheksmitarbeiterin bei der Universitätsbibliothek finanzierte. Zwischenzeitlich hatte ich mein Profil durch freiberufliche Nebentätigkeiten zusätzlich geschärft: Ich verfasste wissenschaftliche Texte in der Denkmalpflege für den Bezirk Mittelfranken und bot Führungen durch die vom Lehrstuhl erarbeitete Ausstellung „ERBA – verwobene Geschichte“ an.

Als freie Mitarbeiterin der Ausstellungsagentur „auge“ um Dr. Brigit Friedel und Wolfgang Steeger M.A. arbeitete ich darüber hinaus an der Neukonzeption und Umgestaltung des Deutschen Fastnachtmuseums in Kitzingen mit. Im September 2013 übernahm ich dort die Stelle der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und bereits ein Jahr später die Stelle der wissenschaftlichen Museumsleitung. In Kitzingen bin ich nun mit der kompletten Neustrukturierung der alltäglichen Museumsabläufe betraut. Es ist eine anspruchsvolle, mitunter anstrengende, aber auch äußerst spannende und bereichernde Arbeit, die mich täglich vor neue Herausforderungen stellt!

Meine vielen Tätigkeiten verlangten von mir immer ein diszipliniertes Zeitmanagement. Auch meine Fähigkeit, mich stets in neue Sachverhalte und Bedeutungszusammenhänge einzuarbeiten, war, und ist mir auch heute noch, eine große Hilfe.

Meine Empfehlungen für Studierende:

Knüpfen Sie frühzeitig Kontakte über Praktika und studienbegleitende Tätigkeiten. Seien Sie kritisch und neugierig. Haben Sie Vertrauen in Ihre im Studium gewonnenen Fähigkeiten: Auch in unbekannte Themenbereiche kann man sich in aller Regel schnell einlesen und sich so ein Basiswissen aneignen.

Besuchen Sie Vorträge und Tagungen, denn dort können Sie mit Leuten ins Gespräch kommen. Betreiben Sie „networking“ und seien Sie nicht zu schüchtern.

Haben Sie Geduld – der Arbeitsmarkt „Kultur“ ist hart umkämpft. Seien Sie sich bewusst, dass der Einstieg in dieses Berufsfeld meist über befristete und/oder halbe Stellen erfolgt. Sehen Sie das auch als Chance, sich nicht nur beruflich sondern auch persönlich zu entwickeln!

Sarah Schöbel M.A.

Nach meinem Bachelor im Fach Neuere Deutsche Literaturwissenschaften mit Nebenfach Wirtschaftswissenschaften an der Universität Konstanz strebte ich ursprünglich an, auch einen Master mit dem Schwerpunkt Germanistik abzuschließen. Mit dieser Entscheidung fühlte ich mich jedoch zunehmend unwohl und so entschied ich mich nach einer kurzen Findungsphase letztendlich für den Master der Europäischen Ethnologie. Dank der (damals) neu eingeführten modularen Studiengänge war dieser „Fächerwechsel“ zum Glück kein Problem. Das Studium war genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Den Schwerpunkt auf der Museumsarbeit, der mich zunächst – zugegeben – eher abgeschreckt hatte, sah ich schon bald als zusätzliche Berufschance. Besonders gefallen hat mir die thematische Vielfalt der angebotenen Seminare, die es den Studenten ermöglicht, bereits im Studium eigene Schwerpunkte zu setzen, Interessen zu vertiefen und neue Themen zu erschließen. Das Pflichtpraktikum absolvierte ich am Museum der Stadt Erding, wo ich dank niedriger Hierarchien in ein sehr breites Aufgabenfeld hineinschnuppern durfte.

Meine Abschlussarbeit beschäftigte sich wiederum mit der Sprache und stellte eine optimale Verbindung meiner Studien- und Interessenschwerpunkte der Kultur- und Sprachwissenschaft dar.

Anschließend habe ich mich auf verschiedene Stellen im Süden Bayerns beworben und konnte nach nur kurzem Leerlauf (während dessen ich wenig zielführend Schuhe verkauft habe ;-) ) mit einem Volontariat bei einem Münchner Verlag beginnen. Nach diesem eineinhalbjährigen Volontariat wurde ich übernommen und arbeite dort nun als Lektorin.

Obwohl ich bereits während des Bachelor-Studiums ein Praktikum in einem kleinen Verlag in Göttingen absolviert hatte, hat mir das Volontariat völlig neue Einblicke in den Berufsalltag gegeben, der oft nur wenig mit dem zu tun hatte, was ich im Studium oder in diversen Praktika gelernt habe. Ich kann jedem Studenten der Geisteswissenschaften nur mit auf den Weg geben, dass es sich zwar oft lohnt, den Vorgaben zu folgen – möglichst viele Praktika, Auslandsaufenthalte, keine Lücken im Lebenslauf – letztendlich aber vor allem der eigene Antrieb und die persönlichen Ziele entscheidend sind und man auch, so abgedroschen es klingt, auf Umwegen ans Ziel kommt. Weiterhin sollte man sich als Geisteswissenschaftler unbedingt im Klaren darüber sein, was man (nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht) vom zukünftigen Berufsleben erwartet und erwarten kann.

Auch wenn ihr während des Studiums noch unentschlossen seid oder ab und zu das Ziel aus den Augen verliert, nehmt einfach so viel mit, wie ihr könnt – auch wenn es keine Credits dafür gibt. Das Schöne an unserem Studiengang ist, dass euch Inhalte und Soft Skills immer wieder im Leben begegnen werden, es ist also definitiv nichts umsonst, egal wohin es euch eines Tages beruflich verschlägt.


Mona Schwalbe M.A.

Nach meinem Bachelorstudium der Pädagogik und Frankoromanistik in Erlangen, habe ich mich für den Master Europäische Ethnologie in Bamberg aufgrund seiner Vielfältigkeit und Kombinations-möglichkeiten entschieden. Während des Studiums habe ich ein Praktikum im Kunstmuseum der Stadt Erlangen absolviert und war zudem als Tutorin und studentische Hilfskraft am Lehrstuhl tätig.

Nun bin ich seit April 2017 als Museumspädagogin am Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen der Stadt Nürnberg tätig. Hierüber bin ich allerdings über Umwege gelangt.
Bereits während des Schreibens meiner Masterarbeit habe ich angefangen mich auf diverse Stellen zu bewerben, selbstverständlich zunächst im Kultur- und Pädagogikbereich. Leider stellte ich hier schnell fest, dass man ohne einschlägige Berufserfahrung relativ wenige Chancen hat.
Auf Anraten einer Mitarbeiterin der Arbeitsagentur habe ich nach meinem Masterabschluss weiterhin nach Praktika Ausschau gehalten, um Kenntnisse abseits meines Fachbereichs zu sammeln, bspw. im Marketing, da es hier vermehrt Quereinsteiger gibt.
Nachdem ich mich zunächst mit einem klassischen Nebenjob über Wasser gehalten habe, bekam ich nach kurzer Zeit tatsächlich die Möglichkeit, ein bezahltes dreimonatiges Praktikum im Bereich PR/Marketing bei einem StartUp  zu absolvieren(MyOma/ Lieblingsoma GmbH)  – allerdings hatte ich mich hierfür extra für irgendeinen Masterstudiengang in Erlangen eingeschrieben (denn: Praktika werden fast nur noch an eingeschriebene Studenten vergeben!). Hier lernte ich ein komplett neues Arbeitsfeld kennen, das mir persönlich sehr viel Spaß gemacht hat. Da es sich um ein Startup handelte, gab es nur wenig Mitarbeiter und ich habe Einblicke in jeden  Arbeitsbereich  erhalten (von Kundenmanagement, über Versand, bis hin zu Texten, SEO und Produktfotografie war alles dabei) – natürlich nichts davon aus dem „eigentlichen“ volkskundlichen Bereich.
Da dort vorerst keine Chance auf Übernahme bestand, habe ich nach dem Praktikum als pädagogische Mitarbeiterin am Erfahrungsfeld der Sinne gearbeitet. (Tipp: Für alle Lehrämter, Pädagogen und Kulturwissenschaftler ist das wirklich eine tolle Möglichkeit, Berufserfahrung zu sammeln und über fünf Monate gutes Geld zu verdienen – zeitlich sehr flexibel). Da das Erfahrungsfeld leider nur saisonal betrieben wurde, wusste ich also schon im Vorhinein, dass ich danach wieder eine neue Stelle  brauche und habe mich daher weiterhin beworben, diesmal auch vermehrt im Marketingbereich.
Durch einen Zufall wurde bei dem StartUp MyOma, bei dem ich zuvor mein Praktikum absolviert hatte, eine Stelle frei. Die Stelle, die zuvor eine 20-Stunden-Stelle war, sollte nun auf 40 Stunden erhöht werden. Ein Glücksgriff! Mit einem unbefristeten Vollzeitjob im Marketingbereich startete ich nun in das Berufsleben. Zu meinen Tätigkeiten gehörten die Betreuung des Kundenmanagements, Buchhaltung, Aufbau und Pflege der Social Media Seiten und Produktfotografie. Natürlich hatte dies erstmal wenig mit Kultur und Pädagogik zu tun. Jedoch war es für mich die beste Möglichkeit, Berufserfahrung in einem jungen Team zu sammeln, viele Bereiche kennenzulernen und auch mein Hobby (die Fotografie) mit einzubinden.

Diese Zeit möchte ich definitiv nicht missen, jedoch habe ich nach über einem Jahr den „Kulturbereich“ und das pädagogische Arbeiten vermisst. Mit einem unbefristeten Job, fällt einem die Jobsuche natürlich etwas leichter, da man nicht von Absagen/Zusagen abhängig ist und sich tatsächlich nur noch auf die Berufe bewerben kann, die einem tatsächlich zusagen. So habe ich mich nach über 1,5 Jahren für eine Stelle als Museumspädagogin am KPZ bei der Stadt Nürnberg beworben – zwar nur Teilzeit mit 19,5 Stunden, aber dies spielte für mich keine große Rolle. Ich wollte wieder in den Kulturbereich. Tatsächlich wurde ich eingeladen und auch übernommen. Nun arbeite ich im KPZ im Bereich EDV und Medien und bin u. a. für die Buchungsdatenbank zuständig. Es ist eine tolle Möglichkeit, wieder im Kulturbereich Fuß zu fassen und ggf. später auch auf andere Stellen innerhalb der Stadt zu wechseln.

Mein Tipp an alle Masterstudenten und Absolventen:

Sammelt bereits während eures Studiums Berufserfahrungen, sei es im Praktikum (auch abseits des Fachbereichs) oder als studentische Hilfskraft. Das eigene Spektrum wird dadurch erweitert und die Jobchancen vergrößern sich. Schließlich gelten Geistes- und Kulturwissenschaftler als Alleskönner!

Und ganz wichtig: Lasst euch nicht unterkriegen! Natürlich ist es für Geistes-/Kulturwissenschaftler etwas schwieriger, den Berufseinstieg zu schaffen.  Es gibt aber so viele Möglichkeiten, die Zeit nach dem Studium bis zum ersten Job zu überbrücken. Leider bin ich auf viele dieser Möglichkeiten erst sehr spät aufmerksam geworden und hätte mir gewünscht diese schon während des Studiums kennengelernt zu haben: Stadtführer bei Geschichte für Alle e.V., freie Mitarbeiter bei öffentlichen Einrichtungen oder auch als Museumsführer/Freier Mitarbeiter am GNM, pädagogischer Mitarbeiter am Erfahrungsfeld der Sinne etc. Dies sind alles gut bezahlte und flexible Tätigkeiten, die auch noch dem Berufsziel entsprechen und für viele wohl die bessere Alternative zum Kellnern oder Verkaufen ist.

Christine Spiller M.A.

An der Otto-Friedrich-Universität Bamberg studierte ich von 1999 – 2004 Europäische Ethnologie (Volkskunde), Mittelalterliche und Neuere / Neueste Geschichte. Studienbegleitend absolvierte ich vier Praktika, in einem Stadtmuseum, einer wissenschaftlichen Bibliothek und zwei Touristinformationen. Außerdem nutzte ich die Möglichkeit, über drei Semester an einem Projekt zwischen Universität und Museum mitzuarbeiten und hier erste Erfahrungen in der Gestaltung von Sonderausstellungen zu sammeln. Bei der Tätigkeit als Hilfskraft und Tutorin am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie konnte ich vielfältige Fertigkeiten erwerben bzw. vertiefen, vor allem die Inventarisierung von Objekten mittels HiDA.
So kristallisierte sich ein Profil heraus, das mich v.a. für die Arbeit an Museen qualifizierte. Ein zweijähriges Volontariat absolvierte ich dann im Oberschwäbischen Museumsdorf Kürnbach, einem Freilichtmuseum im Landkreis Biberach an der Riß/ Baden-Württemberg. In einem kleinen Team hatte ich hier die Möglichkeit, alle Bereiche der Museumsarbeit kennen zu lernen und in jedem Gebiet eigenverantwortlich Aktivitäten zu betreuen. Das Volontariat ging lückenlos in einen 10-monatigen Projektvertrag zum Ausbau der museumspädagogischen Angebote über. Parallel bewarb ich mich auf die Stelle der fachlichen Museumsleiterin im Coburger Puppenmuseum, die ich nun seit Oktober 2007 inne habe.
Als „Einzelkämpferin“ – neben den Kassendamen und einigen Ehrenamtlichen gibt es keine weiteren wissenschaftlich ausgebildeten Kräfte – decke ich selbst das gesamte Spektrum der musealen Arbeit ab: Ich plane und realisiere Ausstellungen und Veranstaltungen, führe museumspädagogische Programme mit Kindergärten, Grundschulen und Berufsschulen sowie mit Senioren durch und kümmere mich um die gesamte Werbung und Öffentlichkeitsarbeit dieser Aktivitäten. Als kleines Museum mit begrenzten Mitteln ist es hierbei oft nötig, Grafiken und Layouts für Flyer, Texttafeln und Plakate selbst zu gestalten. Außerdem bearbeite ich Anfragen und Angebote von Objekten und kümmere mich um die Inventarisierung und die Aufbewahrung der Sammlung. Da die Renovierung des Museumsgebäudes und die Neukonzeption der Dauerausstellung bevorstehen, arbeite ich hier in enger Abstimmung mit den Bauämtern, Gestaltern und Handwerkern. In der Funktion als Museumsleiterin kommt auch die Museumsverwaltung und Haushaltsplanung gemeinsam mit dem Verwaltungschef sowie die Information und Schulung der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen zu meinen Aufgaben hinzu.
Neben Fachkenntnissen sind weiteres Wissen aus den Bereichen Verwaltungs- und Tourismuswirtschaft, Marketing, Pädagogik (manchmal auch Psychologie!) für die Arbeit an kleinen Museen durchaus von Vorteil. Viele Fähigkeiten konnte ich durch Studium und Ausbildung mitbringen, andere mir durch Fortbildungen bzw. „learning by doing“ aneignen. Manche Aufgaben stellen nach wie vor Herausforderungen dar, die ich gemeinsam mit Kollegen und Fachleuten zu meistern versuche. So bleibt die Arbeit an einem kleinen Museum jedoch immer abwechslungs- und spannungsreich!

Meine Empfehlungen für Studierende:

Vielseitigkeit und Praxisbezug waren bei meinen Bewerbungen immer Pluspunkte. So empfehle ich Ihnen, Ihr Studium breit anzulegen. Machen Sie Praktika (z.B. im Coburger Puppenmuseum), nutzen Sie die Möglichkeit, an Projektseminaren und Exkursionen teilzunehmen! Die vielfältigen Einblicke werden Ihnen später auch dabei helfen, eigene Ideen und Konzepte zu entwickeln. Nehmen Sie Herausforderungen an und wagen Sie sich in unbekanntes Terrain, so sammeln Sie die meisten Erfahrungen! Am wichtigsten aber: Bewahren Sie sich die Leidenschaft für Ihr Fachgebiet!

Jana Stadlbauer M.A.

Nach dem Abitur studierte ich „Geschichtswissenschaften – Zeiten, Räume, Kulturen“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Dieser Studiengang war inhaltlich sehr breit angelegt, sodass Einblicke in verschiedene Bereiche der Geschichtswissenschaften sowie ihrer Nachbardisziplinen (Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Europäische Ethnologie etc.) ermöglicht wurden. Dies führte dazu, dass ich Volkskunde/Europäische Ethnologie bei Professor Angela Treiber als Schwerpunktfach wählte. Die Themen des Faches, seine Methodik und Anwendungsmöglichkeiten faszinierten mich, sodass ich entschloss, einen Masterstudiengang in Europäischer Ethnologie zu absolvieren. Dies tat ich an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg bei Professor Heidrun Alzheimer und durfte dort weitere Forschungsthemen, kulturwissenschaftliche Herangehensweisen und Methoden kennenlernen sowie anwenden. Mit meiner Masterarbeit „Ganzheitlich, idyllisch, echt? – Eine Analyse von Präsentations- und Vermittlungsformen in ausgewählten fränkischen Freilandmuseen“ vereinte ich beispielsweise die Themen Sachkultur, Museum und Museumspädagogik.

Neben dem Studium erlangte ich außerdem praktische Erfahrungen als Hiwi, bei Geschichte Für Alle e.V. in Nürnberg, im Rundfunkmuseum Fürth, im Schwäbischen Volkskundemuseum Oberschönenfeld.

Nach meinem Abschluss 2013 war ich zunächst als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Lehrstuhl für Europäische Ethnologie der Universität Bamberg tätig. Zwei Seminare sowie verschiedene Exkursionen führte ich dabei durch. Die Lehre als Berufsfeld und die damit verbundene gemeinsame Erarbeitung von Themen, die Anwendung verschiedener Lehr- und Lernmethoden empfand ich als sehr spannend und gewinnbringend.

Ab Mai 2014 war ich als stellvertretende Museumsleitung im Rundfunkmuseum Fürth tätig; seit Januar 2017 bin ich die Leiterin des Museums. Zu meinen Aufgabenbereichen gehören die Museumspädagogik, die Erarbeitung und Durchführung von Ausstellungen, Öffentlichkeits- und Pressearbeit und vieles mehr. Zudem fungiere ich als Assistentin der Referentin für Jugend, Soziales und Kultur der Stadt Fürth im Bereich Kultur.

Außerdem habe ich mich stets engagiert, fortgebildet und interessiert: ich absolvierte ein Auslandssemester in Frankreich, erhielt ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes und nahm kontinuierlich an mehreren Fortbildungen, Workshops und Seminaren teil. Während meiner Lehrtätigkeit erlangte ich beispielsweise das Zertifikat Hochschullehre Bayern. Auch aktuell qualifiziere ich mich weiterhin durch verschiedene Fortbildungen.

Was ich Studierenden der Europäischen Ethnologie empfehle:

- Studieren Sie Geisteswissenschaften nur, wenn Sie das wirklich wollen! Ist dies Ihr Weg, wird es Ihnen im Allgemeinen leichter fallen und Ihnen persönlich auch mehr „bringen“. Studieren Sie das, was Sie wirklich interessiert!

- Stellen Sie sich auf kritische Nachfragen Ihres Umfeldes („Was machst du? Wozu? Und was wird man damit?“) ein und legen Sie sich entsprechende (konternde) Antworten parat.

- Seien Sie neugierig! Stellen Sie Nachfragen, auch wenn diese vielleicht nicht üblich oder erwünscht sind. Hinterfragen Sie Strukturen und Dinge, um Neues kennenzulernen.

- Netzwerken Sie! Zum einen sollten Sie „geistig“ verschiedene Themen und Methoden verbinden, um daraus neue Erkenntnisse zu akquirieren. Zum anderen sollten Sie „körperlich“ an Tagungen, Kongressen und Treffen teilnehmen. Dort lernen Sie nicht nur die „VIPs“ des Faches kennen, sondern auch Gleichgesinnte, mit denen Sie sich austauschen können.

- Überlegen Sie, wohin Sie wollen und verfolgen Sie dieses Ziel. Welche praktischen Erfahrungen benötigen Sie dazu? Wählen Sie ihre „Stationen“ sorgfältig aus, überlegen Sie, in welche Bereiche Sie hineinschnuppern möchten. Umso klarer Ihr Profil, umso leichter ist der Berufseinstieg.

- Machen Sie praktische Erfahrungen! Ob als Praktikant/in, Volontär/in, Hiwi, Rundgangsleiter/in: von jeder Station werden Sie neues Wissen und Können mitnehmen, das Ihnen später weiterhilft.

- Reflektieren Sie kontinuierlich über sich, ihre Mitmenschen, ihr Umfeld und ihre Kultur. Damit bleiben Sie nicht nur in Übung, kulturwissenschaftliche Methoden anzuwenden, sondern finden sich leichter in neuen Situationen und Strukturen zurecht.

Gerne stehe ich für Fragen und Anliegen zur Verfügung, gerne auch über die Fachgrenzen hinaus (beispielsweise: Auslandssemester, Stipendien, Bewerbungstipps) sowie Praktikumsanfragen für das Rundfunkmuseum Fürth.

Kontakt: Jana.Stadlbauer@fuerth.de

Roman Weindl M.A.

An der Universität Bamberg habe ich Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Europäische Ethnologie und Ur- und Frühgeschichte studiert. Da ich vor meinem Studium in der Jugendarbeit tätig war und meinen Zivildienst in einer Werkstätte für Menschen mit geistiger Behinderung absolviert habe, war für mich von Anfang an klar, dass meine berufliche Zukunft in der Arbeit mit Menschen liegt. Aufgrund der kulturhistorischen Ausrichtung meines Studiums hat sich hierbei relativ schnell das Berufsfeld der Museumspädagogik als mein persönliches Berufsziel herauskristallisiert.

Das Fach Europäische Ethnologie bot hierbei eine ausgezeichnete Ergänzung zu meinem Hauptfach, da ich mir bereits während des Studiums durch den Besuch von zahlreichen Seminaren theoretisches Wissen zur Institution des Museums aneignen konnte. Praktische Erfahrungen in der musealen Vermittlungsarbeit habe ich anschließend im Rahmen eines Praktikums am Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Stadt Nürnberg gesammelt. Weiterhin habe ich studienbegleitend Menschen mit geistiger Behinderung betreut und als Stadtführer bei AGIL Bamberg gearbeitet.

Mein beruflicher Einstieg in die Kulturvermittlung erfolgte im letzten Studienabschnitt durch ein Praktikum und eine anschließende Beschäftigung als Museumspädagoge am Museum der bayerischen Könige in Hohenschwangau. Nach dem Ende dieser letzten Beschäftigung bin ich in meine Heimatstadt Passau zurückgekehrt, wo ich seit November 2013 freiberuflich mit meinem Unternehmen archäotours tätig bin. Mein Arbeitsbereich ist dabei sehr vielfältig: So bin ich neben meiner museumspädagogischen Arbeit am hiesigen Römermuseum auch freiberuflicher Mitarbeiter im Museum Moderner Kunst, nehme als Fremdenführer Aufträge des Tourismusvereins der Stadt Passau entgegen und biete VHS-Kurse zu archäologischen Themen an. Zusätzlich habe ich eine kleine Teilzeitstelle als Museumspädagoge am OberhausMuseum Passau und beschäftige mich im Rahmen meiner Dissertation im Fachbereich Geschichtsdidaktik mit dem Beitrag von authentischen Museumsexponaten zum historischen Lernen.

Die Arbeit als Freiberufler kann mitunter sehr fordernd sein und setzt aufgrund der verschiedenen Einsatzorte eine gute Organisation sowie ein straffes Zeitmanagement voraus. Zu meiner täglichen Arbeit gehören neben dem Durchführen von kulturellen Angeboten auch das Konzipieren von neuen Angeboten sowie der gesamte Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, also z. B. das Erstellen von Werbematerial wie Flyern oder die Verwaltung einer Website.

Meine Empfehlungen für Studierende:

Suchen Sie sich frühzeitig eine Nische in Ihrem Fachbereich, auf die Sie sich spezialisieren können. Überlegen Sie sich, wodurch Sie sich von anderen Absolventen abheben und wie Sie diese Alleinstellungsmerkmale noch verstärken können. Bleiben Sie dabei aber flexibel und versteifen Sie sich nicht auf eine einzige Option – behalten Sie stattdessen auch verwandte Berufsfelder im Auge, um Lücken in Ihrem Lebenslauf zu vermeiden und übergangsweise Erfahrung sammeln zu können.

Susanne Zahn M.A.

Keine Angst vor vermeintlichen Umwegen

Mein Weg in den Beruf war lang, abwechslungsreich, weder alltäglich noch einfach und zu Beginn unvorhersehbar. Und ganz zu Ende ist er im Moment auch noch nicht.

Meine Ausbildungsstationen

Am Anfang stand eine Ausbildung zur Buchbinderin im Handwerk, weil ich a) nach dem Abitur etwas ‚Praktisches‘ machen wollte und b) den Plan hatte, anschließend Buchrestaurierung zu studieren. Während der Ausbildung habe ich aber ziemlich schnell festgestellt, dass für mich das Restaurierungsstudium zu eindimensional ist und ein Studium mit weniger eindeutigem Berufsziel mehr berufliche Möglichkeiten eröffnet. Ich entschied mich deshalb, nach der Gesellenprüfung in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft (EKW) und Geschichte im Bachelorstudiengang zu studieren. Diese Entscheidung war ziemlich intuitiv: Geschichte interessiert mich seit jeher und an EKW gefällt mir die Kombination aus historischem Arbeiten und Gegenwartsbezug. Meine Bachelorarbeit hieß „Gedanken sortieren – ein Postkartenalbum als Medium der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg“. In dem Album hatte mein Urgroßvater seine Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg mithilfe der Postkartenmotive zu einer Art Bildergeschichte angeordnet.

Nach dem Bachelor habe ich zwar erwogen, den Eintritt ins Berufsleben zu wagen. Wegen der besseren Karrierechancen entschied ich mich aber dann doch für den Master, ging zurück nach Bamberg, wo ich schon Abitur gemacht hatte, und schrieb mich für Europäische Ethnologie ein. Titel meiner Masterarbeit war: „Natürlich läuft der Alltag anders: Die Selbstpräsentation der Teilnehmerinnen der Sendereihe ‚Landfrauenküche‘ als landwirtschaftliche Akteurinnen zwischen Show und Wirklichkeit.“

Mein Plan dabei

Zu Beginn des Studiums hatte ich die Berufsfelder Verlag und Archiv im Blick, weil diese gut zu meiner Ausbildung passten. Ich versuchte deshalb, in diesen Bereichen so viel Praxiserfahrung, wie möglich zu sammeln: in Seminaren und Übungen, in meinem Nebenjob in der Universitätsbibliothek und im Praktikum. Archivwesen schloss ich für mich irgendwann aus. Ende des fünften Semesters arbeitete ich sechs Wochen beim Thorbecke Verlag, der zwei meiner Leidenschaften verbindet: Geschichte und schöne Dinge (selbermachen). Dort fühlte ich mich sehr gut aufgehoben, die Arbeit war vielschichtig und kreativ – Verlagswesen blieb eine Option.

Im Masterstudium kamen als weitere Möglichkeit Freilichtmuseen hinzu. Im Lauf des Studiums war mir bewusst geworden, dass es ein Privileg ist, so viel lernen zu dürfen und eine persönliche Perspektive auf die Welt aus der Geschichte heraus zu entwickeln. Ich begann, mich für Wissensvermittlung zu interessieren und belegte Erwachsenenbildung im Erweiterungsmodul; das Praktikum absolvierte ich im Fränkischen Freilandmuseum Fladungen. Freilichtmuseen sind fantastische Orte, um Wissen hautnah an ein Publikum zu vermitteln, das sonst in Museen kaum zu finden ist.

Sowohl Freilichtmuseen als auch Verlag hatten aber für mich einen großen Haken: Es gibt sehr wenig Stellen für sehr viele Bewerberinnen und Bewerber und diese Arbeitsplätze sind häufig nicht gerade üppig bezahlt. Wer sich auf das Freilichtmuseum festlegt, sollte zudem regional flexibel sein, denn diese Museen sind breit gestreut und liegen meistens in der Provinz. Ein guter Ausweg erschien mir die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Damit kann ich im Museum oder Verlag arbeiten, habe aber darüber hinaus noch sehr viel mehr Optionen. Für meine Masterarbeit wählte ich deshalb ein Thema, das auch Medienanalyse beinhaltet.

Während ich an der Masterarbeit schrieb, zog ich zurück in die Region Stuttgart/Esslingen und machte mich auf die Suche nach einem Nebenjob. Mein Plan war, die Schlussphase im Studium zu nutzen und noch etwas ganz anderes auszuprobieren, idealerweise mit PR. Ich landete im Marketing bei Jupiter Küchenmaschinen als Werkstudentin. Das hört sich abwegiger an, als es tatsächlich ist: Kultur ist ein Bedeutungsgewebe. Das Ziel von Marketing ist es, Produkten Leben einzuhauchen; also einem Ding aus Plastik und Metall eine Bedeutung zu geben, die über rein funktionale Aspekte hinausgeht. Der Rest ist harte Arbeit. Ich wurde nach meiner Zeit als Werkstudentin im Oktober 2015 tatsächlich in eine Festanstellung übernommen und verbrachte dann viel Zeit mit: Messen und Produktvorführungen organisieren, Website betreuen, Verkaufsunterlagen erstellen, Texte schreiben, Rezepte testen und, und, und. Es war eine sehr fordernde und lehrreiche Zeit, doch aus verschiedenen Gründen konnte ich mich dort in Hinblick auf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit nicht weiterentwickeln – was aber nach wie vor mein Ziel war.

Deshalb entschied ich mich nach etwa eineinhalb Jahren, doch noch ein Volontariat zu machen: heute bin ich Volontärin in der Stabstelle Hochschulkommunikation der Universität Tübingen. Dort lerne ich in zwei Jahren von Grund auf das Handwerkszeug der PR: Pressemitteilungen schreiben, Magazin und Website betreuen, Veranstaltungen organisieren und vieles mehr. Damit sehe ich mich ziemlich gut gerüstet auf meinem Weg ins Berufsleben. Ob ich am Ende in der Wissenschafts-PR bleibe oder wieder Richtung Verlag/Museum gehe, ist zwar offen – das macht mir aber keine Angst (mehr). Vielleicht wird es auch nochmal was völlig anderes: Meine Familie kommt aus der Landwirtschaft, ich habe im Handwerk, in der Industrie und im akademischen Umfeld gelebt und gearbeitet. Mir kommt es so vor, als ob unsere Gesellschaft gute Kommunikatorinnen zwischen diesen Welten brauchen könnte.

Tipps

Realistisch gesehen, spielen die meisten Seminarinhalte aus dem Studium heute für meinen Berufsalltag keine besonders große Rolle mehr. Trotzdem möchte ich sie nicht missen, weil sie mich persönlich weitergebracht haben und meinen Blick auf die Welt verändert haben. Hin und wieder tauchen aber auch Anwendungsmöglichkeiten auf, die so nicht zu erwarten waren: ich habe mich im Studium beispielsweise mit Ernährung auseinandergesetzt, was in Zusammenhang mit Küchenmaschinen durchaus hilfreich war. Ich kann deshalb nur raten, Seminare zu belegen, die man inhaltlich spannend findet, auch wenn sie vielleicht nicht so gut in den Stundenplan passen. Die Chancen, dass einige dieser Interessen auch im Beruf eine Rolle spielen, stehen nicht so schlecht.

Wichtig finde ich, möglichst viel Praxis ins Studium zu bringen: Mich hat es enorm weitergebracht, in Praktika und Nebenjobs auszuprobieren, was zu mir passt. Den Umgang mit Adobe InDesign, Photoshop, Typo3 und Korrekturzeichen habe ich an der Uni gelernt. Das ist wichtiges Handwerkszeug und hilft bei der Jobsuche und im Berufsalltag.

Wichtig ist für mich immer gewesen, den abstrakten, akademischen Inhalten (die mir sehr viel Spaß gemacht haben, auch wenn der Text vielleicht einen anderen Eindruck vermittelt) pragmatisch, praktische Überlegungen zur Seite zu stellen. Man hat in unserem Studium die Zeit und die Möglichkeiten, Inhalte zu wählen, die einen persönlich interessieren und weiterbringen – das ist ein Privileg, das man unbedingt nutzen sollte! Bei allem Ausprobieren, halte ich es aber für sinnvoll, ein paar Ziele zu definieren, auf die man sich konzentriert. So habe ich meiner Ausbildung Struktur gegeben, war aber flexibel genug, Irrtümer zu korrigieren.