+++ Görres-Tagung 2020 wird verschoben +++

neuer Termin 24. bis 26. September 2021│Universität Regensburg

Die 123. Generalversammlung der Görres-Gesellschaft, die vom 25. bis zum 27. September 2020 in Regensburg geplant war, muss auf das kommende Jahr verschoben werden. Die Görres-Tagung soll dann vom 24. bis 26. September 2021 in Regensburg stattfinden. Das General-Thema „Toleranz? Herausforderungen und Gefahren“ bleibt wie geplant bestehen.

 

Die Sektionen Europäische Ethnologie und Soziologie der Görres Gesellschaft veranstalten auch im nächsten Jahr ein gemeinsames Programm: Ambiguitäten verhandeln. Tolerieren als soziale und kulturelle Praxis
In offenen und zugleich vielfach ausdifferenzierten Gesellschaften, in denen unterschiedliche Religionen, politische Überzeugungen, Lebensstile und Weltanschauungen gleichermaßen ihren Platz beanspruchen, ist die Frage, wie die Menschen mit dem Anderssein der Anderen umgehen, von zentraler Bedeutung. Die zunehmende Diversität der Gegenwartsgesellschaft, verbunden mit der medialen Präsenz äußerst heterogener Wissensbestände verlangt von Subjekten wie auch sozialen Gruppen mit Mehrdeutigem, Widersprüchlichem und Gegensätzlichem zu leben – und Ambiguitäten zu verhandeln. Welche Rolle spielt das Tolerieren als soziale und kulturelle Praxis in diesen Aushandlungsprozessen? Wie gestalten sich Interaktionen auf der Basis eines wechselseitigen Sich-Infragestellens? Oder brauchen heterogenen Gesellschaften ein gewisses Maß an Streit und wie könnten die Bedingungen der Möglichkeit einer produktiven „Streitführung“ (Georg Simmel) aussehen?

Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich die zunehmende Diversität in hegemonialen Spannungsfeldern von Benachteiligung und Bevorteilung, von Fremdmachen und Eingliedern, von Zurückweisen und Geltenlassen, Unterdrücken und Anerkennen oder Offenlassen. So unterscheiden sich Gesellschaften auch hinsichtlich ihrer „Ambiguitätstoleranz“ (Thomas Bauer). Unter welchen Bedingungen und auf welche Weise werden dem Aus- und Verhandeln Grenzen gesetzt oder finden gar ein Ende durch Praktiken der Vereindeutigung und Dynamiken der Radikalisierung („repressive Toleranz“ Herbert Marcuse / „Paradoxon der Toleranz“ Karl Popper)?

Toleranz kann dabei als eine spezifische Form der soziokulturellen Praxis des Umgangs damit verstanden werden. Sie wird in unterschiedlichen historischen, ökonomischen, religiösen und weltanschaulichen wie wissenschaftlichen Kontexten und Perspektiven situativ unterschiedlich als Tugend, als Haltung (Respekt), gesellschaftlicher Maßstab oder als Schwäche, nicht zuletzt als Machtmittel eingeschätzt und bewertet. 

Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben. Die Anmeldung erfolgt über die Website der Görres-Gesellschaft unter https://www.goerres-gesellschaft.de/.