AK Geoarch Munich (May 4-5, 2018)

 Talk: Die alpine Terrassenlandschaft von Ramosch (CH): Ursprung, Entwicklung und Perspektiven

  • Karsten Lambers
  • Katja Kothieringer
  • Philippe Della Casa
  • Bertil Mächtle
  • Till Sonnemann
  • Aleksandra Kosanic
  • Angelika Abderhalden-Raba
  • Thomas Reitmaier

In diesem Vortrag werden erste Ergebnisse der interdisziplinären Erforschung der landwirtschaftlichen Terrassen in der Umgebung von Ramosch (Graubünden) vorgestellt.
Im Unterengadin hat sich entlang des Inntals eine ausgedehnte Terrassenlandschaft erhalten, wie sie früher in vielen inneralpinen Tälern existierte. Aus historischen Quellen ist bekannt, dass diese Terrassen seit dem Hochmittelalter landwirtschaftlich genutzt wurden. Geoarchäologische und paläoökologische Untersuchungen in den 1990er Jahren haben jedoch Hinweise darauf ergeben, dass Ursprung und Entwicklung der Terrassen an den höheren Hanglagen eher in prähistorische Zeit einzustufen sind. In diese Richtung weisen auch die Ergebnisse jüngster archäologischer und paläoökologischer Untersuchungen in den angrenzenden Hochlagen der Silvretta, die einen Beginn der Beweidung der alpinen Zone bereits im Endneolithikum anzeigen.
Ein kulturhistorischer, ökonomischer und landschaftsgeschichtlicher Zusammenhang zwischen der weidewirtschaftlichen Erschließung der Hochlagen und der landwirtschaftlichen Erschließung der Hanglagen ist zu vermuten. Um diesen komplexen und langwierigen Prozess zu erforschen, werden die Terrassen rund um Ramosch seit 2014 im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojekts untersucht. Gegenstand sind dabei auch wichtige archäologische Fundstellen (z.B. Ramosch-Motta und -Mottata) und Befunde (z.B. Bewässerungsanlagen) im Umfeld der Terrassen sowie die postglaziale Geomorphologie und Landschaftsgeschichte der Untersuchungsregion. Die zur Anwendung kommenden Methoden umfassen Feldbegehung, 3D-Kartierung, geophysikalische Prospektion, Boden- und Sedimentanalysen, stratigraphische Ausgrabungen und chronometrische Datierungen. Neben dem frühesten anthropogenen Einfluss auf die Landschaft soll unter Berücksichtigung kulturhistorischer und paläoklimatischer Faktoren geklärt werden, welche Rolle die Terrassen in der (prä-)historischen Ressourcennutzung der inneren Alpen spielten. Außerdem sollen in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren Perspektiven für die nachhaltige Erhaltung und Nutzung der Terrassen entwickelt werden.

Poster: Historisches Erbe einer vergangenen Epoche – Georadar-Untersuchungen australischer Friedhöfe der Kolonialzeit

  • Till F. Sonnemann

Mit dem Ziel ungekennzeichnete Gräber für städtische Gemeinden in New South Wales und Queensland zu dokumentieren, wurden mehrere Friedhöfe aus der britischen Kolonialzeit Australiens mit dem Georadar untersucht. Trotz der Anwendung einer rein nicht-invasiven Methode, lassen sich aus den prozessierten Daten Schlüsse auf die herausfordernde Arbeit des Bestattens im 19. Jahrhundert in einst unwirtlichen Gegenden ziehen. Die größeren Friedhöfe wurden nach unterschiedlicher Konvention als auch Ethnizität separiert. Die gefundenen Gräber dokumentieren das Ende vieler Glücksucher, denen die Reise nach Australien letztendlich zum Verhängnis wurde. So zeigen sich Unterschiede in der Art der Bestattung, die je nach Bodentyp und Situation und vorhandenem Material vorgenommen wurde: Flachgräber im Küstensand von Opfern eines Schiffsunglück, um wohl die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, zu Löchern die mit Dynamit in das berühmte rote Felsgestein in der Wüste gesprengt um Goldgräbern ihre letzte Ruhe zu geben. Neben Boden- und Grabinformation dokumentieren die Radardaten auch die langen Baumwurzeln des Eukalyptus, und liefern damit eine vielschichtige Visualisierung der natürlichen und künstlichen Unterwelt.

 

Poster: Auf den Spuren prähistorischer Weidewirtschaft in subalpinen und alpinen Böden – erste Ergebnisse aus dem Montafon und der Silvretta (Österreich/Schweiz)

  • Katja Kothieringer
  • Astrid Röpke
  • Thomas Reitmaier
  • Rüdiger Krause

Die Böden in den Hochlagen der Alpen sind seit Tausenden von Jahren im Zuge von Weideaktivitäten überprägt worden. Auf Grundlage von bereits in den letzten Jahren erfolgreich durchgeführten paläoökologischen, geoarchäologischen und archäologischen Untersuchungen in verschiedenen Höhenstufen der prähistorischen Siedlungskammer des Montafons (Österreich) und des südlich anschließenden Silvretta-Gebirges (Österreich/Schweiz) gehen wir davon aus, dass die alpine Weidewirtschaft ihren Anfang in der Bronzezeit genommen hat. Als Nachweis dafür wurde der Gesamtphosphatgehalt an Standorten entlang der subalpinen (1300 - 2300 m ü. NN) und der alpinen Stufe (über 2300 m ü. NN) gemessen, um vergangene Weideintensitäten unter Berücksichtigung der rezenten Nutzung aus verschiedenen Höhenlagen vergleichen zu können. Es wurden hauptsächlich Böden ausgewählt, für die bereits eine Altersbestimmung mittels 14C von Holzkohle aus holzkohlereichen Schichten vorlag bzw. noch vorgenommen werden konnte.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der Oberboden eindeutig rezente Weideaktivitäten widerspiegelt. Auf verlassenen oder weniger stark genutzten Weideflächen wurden wesentlich geringere Phosphatwerte gemessen. Im subalpinen Bereich des Val Urschai (Silvretta) weist der Boden eines heutzutage kaum mehr begangenen, in das Mesolithikum datierenden Standorts vergleichsweise geringe Phosphatwerte auf; dennoch spiegeln die Werte wohl ehemalige Weideaktivitäten von vereinzelten Wild- oder Nutztieren wider. Maximale Phosphatwerte wurden in einem bronze- bis eisenzeitlichen Pferch im Fimbertal auf der Silvretta-Nordseite nachgewiesen.
Auch am Bartholomäberg im Montafon deuten erhöhte Phosphatwerte aus entsprechend datierten Kolluvien auf eine Zunahme der Weideintensität in der Bronzezeit hin. Es zeichnet sich ab, dass die Weideareale der Vergangenheit in eine intensiv genutzte hochsubalpin-alpine Lage (oberhalb 2000 ü. NN) und in eine weniger stark montan-subalpine Lage unterschieden werden kann.
Im Verbund mit weiteren bodenkundlichen Parametern wie Eisen und organischer Kohlenstoff zeigt sich, dass Phosphat ein geeigneter Tracer für vergangene und rezente Weidewirtschaft ist und auch den Nachweis von Paläooberflächen (fossilen Ah-Horizonten) ermöglicht. Die bislang erzielten Resultate werden noch um Daten aus der Mikromorphologie ergänzt und eine Gesamtschau der Ergebnisse wird an der Tagung präsentiert.


Poster: Geoarchäologische Untersuchungen an den Terrassen von Ramosch (CH) – ein Multimethodenansatz zur Detektion anthropogener Hinterlassenschaften

  • M. Ranzinger
  • D. Priß
  • A. Abderhalden-Raba
  • P. Della Casa
  • K. Kothierunger
  • K. Lambers
  • B. Mächtle
  • T. Reitmeier
  • T. Sonnemann


Die Terrassen von Ramosch/Unterengadin stehen bereits seit einigen Jahren im Fokus interdisziplinärer Forschungsaktivitäten, die gleichzeitig zur Heranführung Studierender an die Geoarchäologie dienen. Es werden die Siedlungs- und Bewirtschaftungsgeschichte und die damit einhergehenden anthropogenen Eingriffe auf die Landschaft untersucht. Bislang erfolgte Analysen und Untersuchungen legen einen menschlichen Einfluss bereits zur Bronzezeit (2200 – 800 v. Chr.) nahe.
Für die Terrassenlandschaft ist zumindest bekannt, dass auf der Nordseite des Inntals seine Auflichtung der dortigen Waldflächen ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. zugunsten einer zunächst überregional transhumanten Weidewirtschaft stattgefunden hat.
Bei den Feldarbeiten, wurden verschiedene Methoden kombiniert, um die menschlichen Hinterlassenschaften in diesem Bereich zu untersuchen. Mittels Geoelektrik und Georadar konnten mögliche Mauerreste prospektiert werden. Verifiziert wurden diese dann in einer anschließenden archäologischen Grabungssondage. Die hierbei erstmals freigelegten Hangmauerstrukturen dienten wohl zur Befestigung der Terrassen. Mithilfe der 14C-Datierung konnten die korrespondierenden Schichten in einen eisenzeitlichen Kontext datiert werden. Ein in derselben Tiefe aufgefundenes Keramikfragment stützt diese Datierung.
Abschließend kann festgehalten werden, dass gerade durch die Kombination von geophysikalischen, geoarchäologischen und archäologischen Methoden ein enormer Mehrwert für die denkmalpflegerischen Untersuchungen in diesem Gebiet erzielt werden konnte. Durch gezielte Prospektion konnten Verdachtsflächen identifiziert werden, welche zielgerichtete archäologische Untersuchungen möglich machten.