Montag,17.05. 10, 16 Uhr, Raum F 380

Prof. Dr. Fritz Wysotzki, TU Berlin: Grundlagenuntersuchungen zur erweiterten Modellierung des klassischen Assoziativen Gedächtnisses zur Darstellung von Aspekten des Episodischen Gedächtnisses

Ausgehend von in Freuds „Traumdeutung“ dargestellten theoretischen Überlegungen zur Traumentstehung wurden Erweiterungen eines Modells des Assoziativen Gedächtnisses entwickelt. Ziel ist ein tieferes Verständnis von im Unbewussten ablaufenden Prozessen sowie ihrer Wechselwirkung mit dem Bewusstsein. In den von uns durchgeführten Modellierungen wurde das klassische Assoziative Gedächtnis, das aus einer über Merkmalsvektoren gebildeten Kovarianzmatrix  besteht und durch "Hebbsches Lernen" aufgebaut wird, in zweierlei Hinsicht erweitert:

1.) Da es wesentlich um das Episodische Gedächtnis geht, werden zur Darstellung von (zeitlich geordneten) Situationen/Ereignissen Fillmore-Tiefenstrukturen, also symbolisch repräsentierte semantische Situationsbeschreibungen als Merkmalsvektoren verwendet. Als ein auch für technische Anwendungen  relevantes Ergebnis ergab sich, dass bei Eingabe einer bereits gespeicherten Situationsbeschreibung (bzw. eines Teiles derselben) nicht nur diese reproduziert wird, sondern (mit geringerer Intensität) auch zeitlich davor und dahinter liegende Ereignisse, wenn es Überlappungen der Eingabe mit diesen gibt (z.B. denselben Aktor). Die "Intensität" der Reproduktion wird durch die Ähnlichkeit der eingegebenen mit der gespeicherten Situation gemessen. Durch Eingabe einer (Teil-) Situation können also ganze Episoden als "Narrativ" aufgerufen werden.   

2.) Die zum Aufruf eingegebenen Situationsbeschreibungen wurden durch positive bzw. negative Bewertungen ergänzt, die wahrscheinlich neurobiologisch durch einen Zwischenprozess über Amygdala/Thalamus in Wechselwirkung mit dem assoziativen Cortex zustande kommen, wobei die negativen Bewertungen  der Wirkung der Freudschen „Zensur“ (Verdrängung) entsprechen. Im so erweiterten Assoziativen Gedächtnis können auch mit den ursprünglich gespeicherten Ereignissen ev. mitgespeicherte Bewertungen ("Emotionen") in das Modell integriert werden