Historische Metrologie

Die Professur für Digitale Geschichtswissenschafnten hat ein besonderes Interesse an der Historischen Metrologie, die kleinste der sogenannten Historischen Hilfswissenschaften, die leider oft gar keine gesonderte Erwähnung als Hilfswissenschaft findet. Die Professur arbeitet an einem 'digitalen Gerüst' für die ganzheitliche Erforschung vormoderner Maß- und Geschichtssysteme in der ganzen Welt.

Grundlage für die Entwicklung eines digitalen Gerüstes für die Historische Metrologie bildet das bis dato zerstreute, sprachlich vielfältige und inhaltlich vielversprechende Quellenmaterial bestehend aus orts- und zeitgebundene Fachpublikationen, einerseits, und zeitgenössischen Vollständigkeit anstrebenden Nachschlagewerke über die globale Verschiedenheit an Maßen, Gewichten und Münzsystemen, andererseits.

Mithilfe vorhandener Software kann dieses komplexe und vielschichtige Quellenmaterial systematisch erfasst, aufgearbeitet, und grafisch wie geografisch visualisiert werden und können Fragen nach der raum- und zeitlichen Entwicklung vormoderner Maß- und Gewichtsverhältnisse sowie nach den wirtschaftlichen wie institutionellen Beziehungen und Verflechtungen zwischen Städten, Regionen und Staaten besser als je zuvor beantwortet werden.

Gleichzeitig übersteigt die digitale Historische Metrologie so die Ebene der Auflistung von metrischen Equivalenten für vormoderne Maße und Gewichte, und wirft sie neues Licht auf die langfristige Entwicklung der menschlichen Beschäftigung mit dem ‘Vermessen seiner Lebenswelt’ zum Zweck des Tausches, der Absicherung seines Eigentums, und der Berechnung seines Reichtums. So bietet die digitale Historische Metrologie eine besondere Perspektive auf wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Integrations- und Diversifizierungsprozesse in Europa wie in der ganzen Welt.