TAGUNG Denkmal : Emotion, 1. - 3.10.2020 in Bamberg

Jahrestagung des AKTLD, Aula der Universität Bamberg, Dominikanerstraße 2A

 


Denkmalpflege ist ein hoch emotionales und emotionalisiertes Thema, das wird jeder bestätigen, der sich in den Weiten des Feldes herumgetrieben hat. Schon Riegl weiß, dass der Moderne Denkmalkultus „längst Gefühlssache“ geworden ist. Dazu steht in einem gewissen Widerspruch, dass der Aufstieg der modernen Denkmalpflege mit ihrer „Verwissenschaftlichung“ einherging. Wenn FachvertreterInnen qua Amt „Werte“ von Denkmalen begutachten und wissenschaftlich begründen, hat Emotionalität, so scheint es, keinen Platz. Andererseits ist es eine Binsenweisheit, dass die Überlebensfähigkeit eines Denkmals sehr direkt davon abhängt, dass es emotionale Bindungen erzeugen kann und sich im Zweifelsfall pressure groups mobilisieren; das gilt auch für sogenannte ungeliebte Denkmale.

Die Tagung sucht, Emotionen im Feld zu sondieren. Was bewegt wen und warum im Feld Denkmalpflege? Und wie? Wie bewerten wir diese Emotionen, wie gehen wir mit ihnen um? Aktuelle Tendenzen, wie die Popularität des Themas Heimat und die Einspannung von Kulturerbe in rechtspopulistische Diskurse verdeutlichen dabei die Existenz emotionaler Konjunkturen, die Aufmerksamkeiten steuern und gleichzeitig Vorstellungen von der Angemessenheit von Emotionen transportieren. Zu beleuchten ist auch die Rolle, die Emotionen im Bereich der (medialen) Kommunikation im Feld der Denkmalpflege spielen.

Thematisch kreisen die Beiträge um drei Schlüsselbegriffen:

  • Mobilisierung

Emotionen mobilisieren. Dies gilt nicht nur für die Denkmalvermittlung, sondern auch für gesellschaftliches Engagement überhaupt. Gefragt wird nach der Bedeutung für die involvierten Akteure und für das Verhältnis zwischen Fachleuten und Laien sowie nach speziellen „Reiz“-Themen, die besonders augenfälliges Mobilisierungspotenzial haben.

  • Bindung

Denkmale können identitätsbildend wirken und gesellschaftliche Bindungskräfte generieren, aber auch Ausschluss produzieren. Untersucht wird die Basis für diese Integrations- und Ausgrenzungsmechanismen und die Emotionen, die involviert sind – auch auf Seiten einer wissenschaftlich agierenden Denkmalpflege. Die mögliche Rolle, die Denkmale als Bezugspunkte unterschiedlicher Heritage-Communities, ja für die Konstruktion von Heimat und Fremde überhaupt, wird ebenfalls thematisiert.

  • Verführung

Denkmale können große Emotionen, wie Liebe, (auch berufliche) Hingabe und Leidenschaften aller Art hervorrufen. Die Tagung geht den Fragen nach, wie diese Potenziale zur Verführung, Kommerzialisierung, Instrumentalisierung und Ideologisierung eingesetzt wurden und werden, und welche Mechanismen hinter diesen Prozessen stehen.

Tagungsprogramm zum Download(174.6 KB)

Weitere Details finden Sie auf der Homepage des Arbeitskreises.