Architecture and Democratization in Postwar Germany

Architecture as a Medium of American Cultural Diplomacy in Germany between the Second World War and the Cold War

Habilitationsprojekt, abgeschlossen Januar 2019
Ausgezeichnet mit dem Habilitationspreis der Universität Bamberg 2019(2.0 MB)

Gegenstand des Forschungsprojekts ist die US-amerikanische Förderung von und Beteiligung an Bauprojekten im Nachkriegsdeutschland, die als Ziel die Entwicklung einer westlich-demokratischen Denkart und den Aufbau des ehemaligen Feindes zum Bollwerk gegen den sowjetischen Osten hatten und damit die geopolitischen Interessen der USA in Europa fördern sollten. Im Zentrum der Untersuchung steht das sogenannte „Special Projects Program“ (SPP) des American High Commissioner for Germany,  das zwischen 1949 und 1952 über 450 Neubau- und Wiederaufbauprojekte in allen drei westlichen Besatzungszonen mit Geldmitteln versah. Unterstützt wurden deutsche Eigeninitiativen, die Engagement für die kulturelle Integration Deutschlands in die europäische Gesellschaft der Nationen zeigten. Ziel dieses sogenannten „Marshall Plans auf dem Feld der Kultur“ war es, in Deutschland „ein neues intellektuelles und soziales Klima“ zu schaffen. 

Manche der geförderten Projekte, wie z.B. die Amerika-Gedenk-Bibliothek in Berlin oder die Hochschule für Gestaltung in Ulm, bilden nach wie vor markante Wahrzeichen in der Stadt- und Erinnerungslandschaft ihrer jeweiligen Standorte. Ebenfalls beliebt und gut besucht ist die Handvoll historischer Denkmäler, die wie das Goethehaus in Frankfurt a.M. den Geist des „anderen Deutschland“ verkörpern sollten und deren Wiederaufbau aus diesem Grunde bezuschusst wurde. Allerdings ist im Laufe der Zeit der Bezug auch dieser gut bekannten Bauprojekte zu ihren Ursprüngen weitgehend in Vergessenheit geraten; die große Mehrheit der SPP-geförderten Bauten ist indessen dem Bewusstsein sowohl der Öffentlichkeit als auch der Wissenschaft völlig entschwunden. Ein zentrales Anliegen der Forschung war es daher, diesen Baubestand kulturhistorisch und zeitgeschichtlich wieder sichtbar und in seinen sozialen und räumlichen Sinnbezüge ablesbar zu machen. Dadurch ist es gelungen, bisher unbekannte Dimensionen der deutsch-amerikanischen Beziehungen sowie der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte aufzuzeigen.

Veröffentlichungen im Rahmen des Forschungsprojekts

Johanna Blokker, "Architektur als Medium US-Kulturdiplomatie in Deutschland nach 1945: Die Dominikanerkirche in Bamberg", in: Bamberg: Militär und Stadt, hg. von Gabriele Wiesemann und Sabine Freitag (Petersberg: Michael Imhof Verlag, 2019), S. 135-163.

Johanna Blokker, "Was nach dem Kalten Krieg übrig bleibt. Umnutzung und Umdeutung der gebauten Hinterlassenschaften der amerikanischen Präsenz in Deutschland", in: Strukturwandel – Denkmalwandel. Umbau, Umnutzung, Umdeutung. Veröffentlichungen des AKTLD 25, hg. von Birgit Franz und Ingrid Scheurmann (Holzminden, 2016), S. 114-121. 

Johanna Blokker, "Habilitation Project: Architecture as a Medium of American Cultural Diplomacy in Germany Between the Second World War and the Cold War", in: Forschende Frauen in Bamberg. Beiträge Bamberger Nachwuchswissenschaftlerinnen 8, hg. von Ada Raev, Iris Herrmann und Brigitte Eierle (University of Bamberg Press, 2016), S. 47-61.

Johanna Blokker, "From the Heritage of the German "Other" to the Heritage of the "Other" Germany: American policy on German architectural heritage between the Second World War and the Cold War, in: Das Erbe der Anderen. Denkmalpflegerisches Handeln im Zeichen der Globalisierung, hg. von Gerhard Vinken und Carmen Enss (University of Bamberg Press, 2015), S. 49-57.

Kontakt

Dr. habil. Johanna Blokker
Lehrstuhl für Denkmalpflege / Heritage Sciences
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Am Zwinger 4, Raum 00.25
96047 Bamberg

Mail:  johanna.blokker(at)uni-bamberg.de
Tel: +49 (0) 951 863 2343


Architecture and Democratization: Overlooked witnesses to Allied intervention in occupied Germany after 1945

Internationale Tagung, 4.-6. Juni 2020 in Bamberg

Bei der Reform und dem Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Architektur eine Schlüsselrolle zu: Sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR vertraten Vorstellungen von einer neuen und demokratischen Zukunftsgesellschaft, die teilweise durch Planung und Bau realisiert werden sollte.

Diese Arbeit wurde zwar weitgehend von den Deutschen selbst geleistet, war aber auch ein internationales Projekt, das von den besetzenden Alliiertenmächten gefördert und überwacht wurde. Durch die Unterstützung bestimmter deutscher Initiativen im Bereich des Bauens, durch die Präsentation eigener Städte und Strukturen als Vorbilder, durch den Wissensaustausch sowie durch die Bereitstellung erheblicher finanzieller, materieller und intellektueller Ressourcen für demokratiefördernde Projekte und Programme, die eine Bau- oder Planungsdimension umfassten, versuchten die militärischen und zivilen Behörden der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion den Charakter des deutschen Wiederaufbaus im Einklang mit ihren jeweiligen ideologischen und politischen Zielen zu gestalten.

Das Erbe dieser Bemühungen ist noch heute in der Landschaft des wiedervereinigten Deutschlands zu finden. Veranstaltungen wie die Berliner Ausstellung "Geschenke der Amerikaner" 2009 rufen es immer wieder in Erinnerung; in diesem wie in anderen Kontexten werden jedoch nur die offensten Ausdrücke der Ideologie sowie die anerkannten Design-Highlights beachtet. Unterdessen wird die überwiegende Mehrheit der alliierten Interventionen in die bebaute Umwelt Deutschlands -- diejenigen, die den Hauptteil der Demokratisierungsarbeit leisten sollten -- weiterhin übersehen. Tatsächlich ist die gebaute Landschaft des Landes auf beiden Seiten der Binnengrenze und weit über die Grenzen Berlins hinaus mit Strukturen übersät, die auf mehr aber auch weniger sichtbare Weise von den Versuchen der Besatzungsmächte zeugen, dauerhafte, supranationale Werte- und Interessengemeinschaften um das dehn- um formbare Konzept der Demokratie zu bilden.

Die Konferenz "Architecture and Democratization" will dieses Übersehen korrigieren. 

Ihr erstes Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf vergessene oder vernachlässigte Artefakte westlicher und sowjetischer kulturpolitischer Interventionen in die bebaute Umwelt Deutschlands zu lenken, um ein umfassenderes und detaillierteres Bild dieser Aktivität zu erhalten. 

Zweitens zielt die Konferenz darauf ab, Analysen des Denkens hinter diesen Interventionen und der Art und Weise zu erstellen, wie Bauen und Planen den Zielen der deutschen Demokratisierung im Kontext der Nachkriegs- und Kalten Kriege dienen sollte. 

Ein dritter Schwerpunkt wird auf den Wert dieses architektonischen Erbes der Vergangenheit als Quelle von Erkenntnissen für die Gegenwart gelegt -- sowohl als eine Reihe von Antworten auf eine frühere Krise der Demokratie als auch als eines der Mittel, mit denen diese Antworten als Teil der scheinbar dauerhaften Struktur der Nachkriegswelt verfestigt wurden. Besonderes Augenmerk wird auf die Möglichkeiten der Erhaltung dieser historischen Ressource -- keineswegs solide oder dauerhaft, aber offensichtlich recht anfällig und zerbrechlich – und damit auf die Sicherstellung ihrer Verfügbarkeit und Zugänglichkeit für gegenwärtige und zukünftige Generationen gelegt.

Das Call for Papers wird demnächst an dieser Stelle veröffentlicht.

Organisation

Dr. habil. Johanna Blokker
Lehrstuhl für Denkmalpflege / Heritage Sciences
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Am Zwinger 4, Raum 00.25
96047 Bamberg

Mail:  johanna.blokker(at)uni-bamberg.de
Tel: +49 (0) 951 863 2343