Religiöse Differenz und wirtschaftliche Kooperation: Christlich-jüdische Geschäftsbeziehungen in der Spätphase des Alten Reiches (1648–1806)

gefördert durch die DFG

Projektleitung: Apl. Prof. Dr. Michaela Schmölz-Häberlein

michaela.schmoelz-haeberlein(at)uni-bamberg.de

 

Publikationsverzeichnis (Pdf)

 

 

 

Ziel des Projekts ist die systematische Erforschung und erstmalige Darstellung der Formen, in denen jüdische und christliche Wirtschaftsakteure zwischen der Mitte des 17. Jahrhunderts und dem Ende des Alten Reiches miteinander kooperierten, sowie der im Rahmen dieser Kooperationen angewandten geschäftlichen Strategien und Praktiken. Mit der Rekonstruktion der bislang kaum erforschten christlich-jüdischen Zusammenarbeit in der Spätphase des Alten Reiches möchte das Projekt einen substantiellen und innovativen Beitrag zur Integration der Wirtschaftsgeschichte in die jüdische Geschichte, zur frühneuzeitlichen deutschen Wirtschaftsgeschichte im Allgemeinen sowie zur Kenntnis der Zusammenhänge und Interdependenzen zwischen Staatsbildung, ökonomischer Entwicklung und der Geschichte religiöser Minderheiten leisten. Unter geschäftlicher Kooperation werden im Projektkontext Formen der wirtschaftlichen Interaktion verstanden, die über den Abschluss einzelner Kauf- und Kreditgeschäfte hinausgingen und die eine längerfristige Zusammenarbeit initiierten bzw. zumindest intendierten. Darunter fallen serielle Beauftragungen und Kommissionsgeschäfte, Einlagen von Depositenkapital durch Christen in jüdische Handelsfirmen (und umgekehrt), Starthilfen und stille Beteiligungen an Handelsgeschäften, die Bildung christlich-jüdischer Handelskompanien sowie Kooperationen bei gewerblichen Unternehmungen und Manufakturen. Der Untersuchungszeitraum deckt sich mit der Blütezeit des sog. Hofjudentums, in der zahlreiche mitteleuropäische Territorialstaaten im Kontext einer merkantilistisch ausgerichteten Wirtschaftspolitik auf jüdische Hof- und Armeelieferanten rekurrierten und somit die Formierung einer jüdischen Wirtschaftselite ermöglichten bzw. begünstigten. Den Untersuchungsraum bilden süd- und mitteldeutsche Regionen, die aufgrund der Zahl, Kapitalkraft und kulturellen Ausstrahlung der dortigen Judengemeinden als Verdichtungsräume jüdischen Lebens und jüdischer Kultur angesehen werden können (Bayerisch-Schwaben, Franken, Hessen, Thüringen, Kraichgau).

Michaela Schmölz-Häberlein (*1964 in Augsburg) studierte Neuere und Außereuropäische Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Neuere Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Augsburg (1985-1990) und an der Universidad de Valle Guatemala/Guatemala (1989); M.A. Universität Augsburg 1990.

Habilitation

Neuere und Neueste Geschichte (TU Chemnitz  2011)

Umhabilitation an die Otto-Friedrich Universität Bamberg Juli 2013
Habilitationsschrift: Kleinstadtgesellschaft(en). Weibliche und männliche Lebenswelten im Emmendingen des 18. Jahrhunderts (VSWG Beiheft Bd. 220), Stuttgart 2012.

Promotion

Dr. phil. (Universität Freiburg 1992)
Dissertation (Neuere und außereuropäische Geschichte): Die Grenzen des Caudillismo. Die Modernisierung des guatemaltekischen Staates unter Jorge Ubico 1931-1944. Eine regionalgeschichtliche Studie am Beispiel der Alta Verapaz (Europäische Hochschulschriften Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften Bd. 567), Frankfurt u.a. 1993.

Beruflicher Werdegang

2018: Dr. Liselotte Kirchner-Stipendium (Franckesche Stiftungen / Halle a. d. Saale)
Thema: Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) und die globale Kommunikationsgemeinschaft des Hallischen Pietismus.                                    

2017: Ernennung zur außerplanmäßigen Professorin an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

SS 2016 und WS 2016/17 Vertretungsprofessur für Historische Grundwissenschaften an der Universität Bamberg

Seit Juli 2013 Privatdozentin in Bamberg

1. Oktober 2011 – 31. März 2012 Gastdozentur an der Universität Bayreuth

2010-2013 Lehrbeauftragte im Fach Judaistik an der Universität Bamberg

1. September 2006 – 31. August 2010 Lehrkraft für Geschichte und Ethik an der SeniVita Fachoberschule in Ebermannstadt (Juni 2007 bis November 2009 Fachbetreuerin Geschichte/Sozialkunde) sowie im Schuljahr 2008/09 an der Max-Grundig-Fachoberschule Fürth

1. Oktober 2003 - 31. März 2005 Wissenschaftliche Angestellte an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe

1. Oktober 1999 - 31. Juli 2000 „Research Scholar“ und „Lecturer for Latin American Studies“ an der Pennsylvania State University/USA; Lehrtätigkeit in Lateinamerikanischer Geschichte und Forschung am Max-Kade-Institut für deutsch-amerikanische Studien

Dezember 1995 – November 1998 Stipendiatin im Rahmen des Hochschulsonderprogramms II, später HSP III, an der Universität Augsburg (Betreuer Prof. Dr. Rolf Kießling).

1992-1995 Elternzeit

Arbeit als freiberufliche Historikerin und Lehrbeauftragte an den Universitäten Mannheim, Bayreuth und Bamberg sowie den Pädagogischen Hochschulen Freiburg i.Br. und Karlsruhe

Seit 1991 zahlreiche Vorträge auf wissenschaftlichen Tagungen.