Projektbeschreibung

Zusammenarbeit, Kooperation und Vernetzung werden im politischen wie professionsfachlichen Diskurs als wesentlich für eine gelingende Kinderschutzpraxis verhandelt. Auch die Allgemeinen Sozialen Dienste und Kindergärten sind gesetzlich gemäß § 8 a SGB VIII zur Zusammenarbeit angehalten. Dabei zeigt zum einen der derzeitige Stand der Kooperationsforschung auf, dass das Vorhandensein von Wissen über die jeweils andere Institution von großer Bedeutung für die interinstitutionelle Zusammenarbeit ist. Zum anderen wird Wissen im Kontext der Profesionalisierungsforschung, sowohl in der Kindheitspädagogik als auch in der Sozialen Arbeit, einhellig als einer der Hauptfaktoren von Professionalität bestimmt. Als zentrale professionalisierungstheoretische Aspekte werden hierbei die Wissensverwendung und damit einhergehend die Gewichtung verschiedenartiger Wissensformen zur Gestaltung und Bewältigung des Berufsalltages konstatiert sowie die Reflexivität der Fachkräfte. Welches Wissen jedoch die pädagogischen Fachkräfte in den Kindergärten und den Allgemeinen Sozialen Diensten voneinander besitzen, ist bisher nicht untersucht. Ausgehend von einem reflexiven Professionalisierungsmodell möchte die Dispositionsstudie mit ihrer wissenssoziologischen Fokussierung an diesen Forschungslücken anschließen und macht sich die kinderschutzbezogene Zusammenarbeit zwischen Allgemeinen Sozialen Diensten und Kindergärten zum Untersuchungsgegenstand. Die Forschungsinteressen liegen dabei auf der Analyse der verfügbaren Wissensvorräte der Fachkräfte über die jeweils andere Institution sowie auf der Rekonstruktion der seitens der Fachkräfte als subjektiv relevant erachteten situationsgebundenen Erfahrungen für den Erwerb deren Wissens über den Kooperationspartner. Schließlich gilt es zu klären, welchen Stellenwert das verfügbare Wissen für die Professionellen in der Bewältigung der Zusammenarbeit einnimmt. Die wissenssoziologischen Erkenntnisse Alfred Schütz' über die Struktur und Genese der biographisch bestimmten Wissensvorräte der Subjekte in der alltäglichen Lebenswelt dienen hierzu als theoretische Fundierung und Referenzpunkt für die empirische Studie. Der methodische Zugang wird über episodische Interviews nach Uwe Flick realisiert sowie das ebenfalls von Flick entwickelte Auswertungsverfahren des thematischen Kodierens.