Südosteuropa-Forschung

Südosteuropa ist ein Raum mit hoher Kulturdichte und brisanten Kulturkonflikten und damit eine Region Europas, die immer noch als Krisengebiet und Ort nicht realisierter Potentiale wahrgenommen wird. Dieser Teil der slavischen Welt ist Gegenstand vieler Fragestellungen. Die Slavistik befasst sich besonders mit seinen kulturellen Aspekten.

Das Fach Slavistik an der Universität Bamberg umfasst konzeptionell alle slavischen Kulturen, Literaturen und Sprachen. Entsprechend den Möglichkeiten der Universität und der Dozenten ergeben sich daraus Schwerpunktsetzungen und Konzentrationen auf einzelne Kulturen. 

Es wurde ein südslavischer, insbesondere kroatistischer Bereich in der Slavischen Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg ausgebaut und in der Lehre mit einem Sprachcurriculum, wissenschaftlichen Lehrveranstaltungen, Gastvorträgen und Exkursionen nach Dalmatien realisiert. Die Universität schloss Kooperationsverträge mit zahlreichen Universitäten aus Südosteuropa u. a. mit Dubrovnik, Zadar und Osijek (Partneruniversitäten der Universität Bamberg)

Viele Publikationen von Elisabeth von Erdmann untersuchen Kultur, Literatur und Sprache Jugoslawiens, insbesondere die kroatische Kultur in ihren historischen Dimensionen, so auch die Geschichte der Bibelübersetzungen in die gesprochene Sprache. 

Sie ist die Begründerin der Reihe »Quellen und Beiträge zur kroatischen Kulturgeschichte«, in der 10 Bände zu prägenden Quellen und Entwicklungen erschienen sind, und pflegt zahlreiche Kontakte nach Kroatien, Bosnien und Serbien. Sie ist seit 1998 korrespondierendes Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste (HAZU) und erhielt am 25. Juni 2001 in Zagreb den renomierten INA-Preis 2000 für die Internationale Förderung der kroatischen Kultur.

Der südslavische Schwerpunkt der Slavischen Literaturwissenschaft in Bamberg legt neben der Pflege von Forschung und Lehre Wert auf Vermittlung und Kommunikation. Das realisiert sich u. a. mit der Betreuung der Filiale der Südosteuropagesellschaft in Bamberg, der Mitgestaltung und Teilnahme an Treffen der deutschen Kroatisten in Berlin (Kroatische Botschaft), der Mitbegründung und Leitung der Deutschen Gesellschaft für Kroatistik, der Zusammenarbeit mit der UB u.a..

2006 wurde im Einklang mit den neuen Entwicklungen des südosteuropäischen Raums das bisher praktizierte Konzept des Bamberger Lektorats so erweitert, dass neben der Schwerpunktsprache Kroatisch theoretische Kenntnisse der Unterschiede in der bosnischen und serbischen Sprache vermittelt werden. Das Lektorat trägt heute den Namen Kroatisch/Bosnisch/Serbisch.

Die seit 1995 in Bamberg angesiedelte Zweigstelle der Südosteuropagesellschaft in München (SOG) wurde vom Lehrstuhl für Slavische Literaturwissenschaft am 04.07.2006 als Kolloquium »Europas Südosten« mit einem Festvortrag der kroatischen Botschafterin Dr. Vesna Cvetković Kurelec feierlich neu eröffnet und organisiert jährlich mehrere öffentliche Gastvorträge zu südslavischen Themen in Bamberg.

Am 31.03.2007 wurde die Deutsche Gesellschaft für Kroatistik in Berlin begründet, deren Vorsitz die Slavische Literaturwissenschaft in Bamberg seitdem innehat. Aufbau der Gesellschaft und jährliche Mitgliederversammlungen finden bisher in Bamberg statt. Die gegenwärtigen Planungen betreffen die Organisation von Workshops, die Mitwirkung von Bamberger Studenten an Dichterlesungen während der Buchmesse in Leipzig 2010 und die Gewinnung eines international bekannten Bühnenautors als Gast in Bamberg.

Die wissenschaftlichen Kontakte der Bamberger Literaturwissenschaft im südslavischen Bereich konzentrieren sich auf die Teilnahme an Runden Tischen zur Situation der Kroatistik, an in Kroatien organisierten Kongressen zu Renaissance, Barock, Gegenwart und Komparatistik und auf die Mitarbeit in Forschungsgruppen über den auch in Deutschland seinerzeit sehr verbreiteten Humanisten Marko Marulić  (Marulianum in Split) und über den Renaissancephilosophen Franciscus Patricius in Zagreb und Cres, die Teilnahme an den Zagreber Literary Talks zur Gegenwartsliteratur und die Zusammenarbeit mit der Komparatistik in Zagreb und Split (Književni krug).

Der kulturelle Aspekt der Konfessionen in Südosteuropa fand im Symposium »Orthodoxie heute: Ein Einblick in die Gegenwartslage« am 27.01.2007 in Bamberg Beachtung. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Bamberger Slavischen Literaturwissenschaft und der Bamberger Arbeitstelle Kunde des Christlichen Ostens.

Die Themen und Projekte, an denen die Bamberger Slavische Literaturwissenschaft in der südslavischen Forschung und Publikation kontinuierlich arbeitet, betreffen heute insbesondere den kroatischen Humanismus (Renaissance) und den Barock. Es geht dabei um das Konzept der philosophia perennis bei Marko Marulić, dem Komödiendichter Marin Držić und bei Franciscus Patricius sowie um die Entwicklung von Poetiken aus dieser Tradition.

Weitere Schwerpunkte liegen auf komparatistischen Fragestellungen zur Literatur des 20. Jahrhunderts (Dubrovnik im Werk von Sándor Márai, Franciscus Patricius und der russische Symbolist Valerij Brjusov) sowie auf der Gegenwartsliteratur (Igor Štiks).

Südosteuropa wird in der Bamberger Slavistik im letzten Jahrzehnt und schon davor als ein konstitutiver Bestandteil des slavistischen Gesamtskonzepts in Forschung und Lehre betrachtet und gepflegt. Deshalb wird neben dem Sprachcurriculum und wissenschaftlichen Veranstaltungen großer Wert auf zusätzliche Angebote über Südosteuropa gelegt. Gastvorträge, - ein Eurolecture der Alfred Toepfer Stiftung über den serbischen Autor Borislav Pekić am 23.01.2007 sei besonders erwähnt – eine Exkursion im Rahmen des Programms Croati mundi vom 18. bis 25. April 2009 nach Trogir mit ausführlichem Kurs- und Workshop-Angebot sowie individuelles Eingehen auf die Wünsche und Bedürfnisse Studierender erweitern kontinuierlich die Pflege dieses Schwerpunkts zu Südosteuropa.