Aktuelle Projekte

Der Dichter aus Russland und der Magus der Renaissance.  Valerij Brjusov und Agrippa von Nettesheim.

 

Der Dichter Valerij Brjusov (1873-1924) verstand sich als Initiator und Spiritus rector des russischen Symbolismus. Seine Poetik erscheint durch die Prinzipien von Kombination und Konstruktion, durch kontrollierbare Strategien und handwerkliches Können bestimmt und organisiert, doch nicht ausschließlich.

Brjusovs Faszination an der Renaissance und den diese Epoche prägenden älteren Traditionen weist auf die umfassenden Wurzeln der von ihm entwickelten Poiesis für Dichtung, Kunst und Welt, die den gesamten russischen Symbolismus maßgeblich inspirieren sollte.

Brjusovs besonderes und vielfach belegtes Interesse galt dem Philosophen und Magier Agrippa von Nettesheim (1468-1535), und es gibt viele Hinweise in seinen Dichtungen und Schriften, dass er das in der Tradition der Philosophia perennis einschließlich der Hermetik wurzelnde magische Aktionsprogramm des Agrippa analog auf sein Konzept des Symbolismus und der Gestaltung und Schöpfung von Dichtung und Welt übertragen hat und aus ihm auch seine Zuversicht und Überzeugung gewann.

Wie Agrippa selbst gerät auch Brjusov dabei in das Spannungsfeld zwischen dem Optimismus einer alles kontollierenden und schaffenden Magie und dem Zweifel, der Ernüchterung und dem Scheitern. Agrippa von Nettesheim eröffnete diese ambivalente Landschaft der Poiesis mit seinem von der Macht des Magiers und der Wissenschaft handelnden Buch De Occulta Philosophia libri tres (1533) und dem alles in Zweifel ziehenden Werk De Incertitudine et vanitate scientiarum (1527).

Die Arbeit untersucht, wie Valerij Brjusov die entscheidenden Anregungen wie auch die Ambivalenz für seine Poetik und sein Konzept des russischen Symbolismus aus den Schriften des Agrippa von Nettesheim gewann und damit eine Verwurzelung des Symbolismus in der europäischen Renaissance erreichte.

Es arbeitet die erstaunlich direkten Analogien zwischen Methode und Denken des Dichters und des Magiers heraus und macht die unerwartete sowohl historische als auch systematische Tiefgründigkeit von Valerij Brjusov und seine enge Bindung an den Renaissancemagier sichtbar.

Die Untersuchung kann damit die Renaissance als einen der prägenden Bezugsrahmen des russischen Symbolismus transparent machen.

[Erscheint als Band 1 in der Reihe Tusculum Slavicum im LITVerlag].

 

Die Natur zu schreiben.

Nature Writing in slavischen und anderen Literaturen

Texte über die Natur gewinnen immer größere Aufmerksamkeit und zeichnen sich durch große Heterogentität aus.

Als Wahrnehmung der »Gemeinschaft alles Lebendigen« stellen sie verloren erscheinende, alles umfassende Zusammenhänge wieder her und machen Fragmentarisierungen rückgängig.

Oft wird das Schreiben der Natur mit traditionsreichen Positionen von Meditation und Mystik verbunden. .Die Wahrnehmung im Augenblick rückt in den Fokus und verleiht allem seinen Ort.

In den historischen und systematischen Kontexten der Nature Writing Traditionen werden Texte slavischer Autoren untersucht und Verbindungen hergestellt.

[Erscheint voraussichtlich in der Reihe Schriften aus der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften der University of Bamberg Press]