Literarische Impressionen

Impression

von Martina Perković

Ich lauf blind ans Meer, rieche Licht, schmecke Regen, spüre Flügelschlag, hör die Seele, lebe!


Das Meeresrauschen verzaubert die Sinne, der Wind belebt den Leib. Die Sonnenstrahlen streicheln mein Gesicht und küssen das Meer zärtlich in den Schlaf...

Korčula

von Julia Zimmermann

Die Stadt Korčula entspricht ganz nach dem Motto: „klein aber fein“.

Innerhalb weniger Minuten ist man praktisch vom einen Ende des Städtchens zum anderen angelangt (dies ist besonders für die „Lauffaulen“ und „Langschläfer“ unter uns von großem Vorteil gewesen), weswegen man anfangs fälschlicherweise den Verdacht schöpft, dass dieser Ort nicht sonderlich viel zu bieten hat. Jedoch versprüht Korčula  zu später Stunde  bei einem kleinen Spaziergang so viel Charme, dass man sich in kürzester Zeit einfach in diesem Ort verlieben muss. Sei es die ganzen kleinen Gässchen gewesen, in denen man, sobald es dunkel geworden ist, gemütliche Abendstunden mit Wein und kleinen Köstlichkeiten verbringen konnte, oder aber auch die phantastische Aussicht vom Kirchturm der Sveti Marko Kirche, die der Mittelpunkt des kleinen Städtchens ist (und ganz nebenbei auf ziemlich jedem Souvenir betrachtet werden kann). Aber auch bei Tageslicht, wenn alle Bewohner aus ihren Häuschen gekrochen kommen und es sich mit Menschen nur so füllt, gibt es dort das ein oder andere kleine Fleckchen, Gebäude oder auch Denkmal, das einfach nur schön anzusehen ist. Sei es bei einem gemütlichen Kaffee an der Stadtmauer inklusive Meeresblick oder  auch die kleinen Buchten am Hafen, welche zum sonnen und baden einladen. Zu guter Letzt ist noch erwähnenswert, dass Korčula seit eh und je damit wirbt, dass jene der Geburtsort des berühmten Seefahrers Marko Polos gewesen sei, womit an jeder erdenklichen Ecke des Städtchens geworben wird. Leider geht  jede Reise einmal zu Ende, doch selbst vom Meer aus betrachtet, zieht Korčula noch die Blicke ein letztes Mal auf sich und lädt dazu ein, irgendwann in ferner Zukunft noch einmal an diesen Ort zurückzukehren. 

Impression

von Adenana Bajrović

Enge Gassen, weiss geputzter Stein unter den Füßen. Das Wasser ändert seine Farben von kristallklar zu tiefschwarz innerhalb weniger Schritte. Die Sonne, die jeden Tag andere Farben zaubert. Überall Salz in der Luft. Jedes Mal das gleiche. Das gleiche Motiv, das gleiche Wasser, die gleichen Bäume, die gleichen Plätze.

Sättigung? Nein.

Egal in welcher Stadt, auf welcher Insel an welchem Ort. Immer dasselbe Bild.  All diese Sachen verbinden diese Orte. Aber jeder ist auf seine Art einzigartig. Macht es die Anordnung? Dass man trotz immer wiederkehrenden Symbolen nicht gelangweilt wird? Wie viele Facetten hat dieses Meer? Wie viele Werke kann man aus Stein formen? Wie viele Farben, wie viele Tiefen hat es?

Schiffe, die wie Schicksale in unser Leben brechen, die Wellen  der Gefühle hervorbringen.  Wellen, die aufschäumen, andere verdrängen, neue bilden und Wellen, die nichtssagend umher schwimmen um andere zu stützen.

Die Ankunft

von Elisabeth von Erdmann

Wie eine Insel aus alten Liedern erhebt sich die Stadt aus dem Dunst. Als würde sie der Meeresgott persönlich auf seiner Hand zum Himmel stemmen, um sie den Göttern zu zeigen. Die privilegiert im Olymp sitzen und Ambrosia schlürfen. 

Als die Ewigen den Kopf nach unten reckten, müssen Tropfen des unsterblichen Tranks auf die Stadt gefallen sein. Heilen sie die Wunden, die Zeit und Menschen schlagen?

Die Stadt funkelt im Meer. Bei Tag und bei Nacht. Wie ein Schloss in der Wüste, in das der Reisende tritt und mit offenem Mund staunt. Wo der Tisch gedeckt ist, die Mauern geschmückt sind, wo die Musik in den Säulenhallen spielt und die Schönheit wartet. 

Welche Geschenke aber bringt der Gast? Todesmut, der einen Zauber löst, Liebe, die Glück und Leben in alte Mauern spült? Der Wanderer, der diese Stadt betritt, bringt keine Geschichten mit. Er schlürft sie wie ein Verdurstender aus den Steinen und Fensterbögen, als seien es Austern in schimmernden Gehäusen. Doch immer sieht die Stadt unversehrt aus. Ein ausgehöhltes Bild, das Termiten zurücklassen?

Vielleicht schläft der Besitzer der mächtigen Hand, auf der die Stadt ruht. Oder stellt er sich nur tot, um Menschen anzulocken? An den Toren drängen sie sich wie die Seelen vor dem Eingang zur Unterwelt. Ihr Weg öffnet sich auf eine prächtige Straße, auf der wie die Fetzen zerrissener Schleier Bilder, Erinnerungen und Lockrufe schweben. Blieb das wirkliche Leben am Stadttor zurück, da, wo der Heilige segnend die Hand hebt?  

Tische biegen sich unter den Speisen, unter Wein und Wasser. Menschen grölen, rufen, schreien, lachen, schauen. Sie wälzen sich wie Lawinen durch die Straßen und Gassen. Sie folgen ihren Führern und hören nicht den Ton, den der verknitterte Mann am Brunnen auf einer jämmerlichen Saite spielt. Ein Ton, der sich durch die Stadt schraubt wie ein Bohrer und ins Herz schneidet. 

Als die Nacht sich anschleicht, beachtet niemand die alte Schöne. Alles strahlt und tönt. Der Reigen dreht sich.

Sie kommt vom Hafen und tritt durch das große Tor auf die Straße aus Marmor. Sie bahnt sich ihren Weg durch die tobende Stadt. Der Himmel wird dunkler, ein Grollen, ein plötzlicher Windstoß jagen wie die Mauersegler durch die Marmorstraße. Da rennen alle Menschen los wie auf Befehl, den niemand gab, aber jeder erkennt. Das Grollen schwillt zum donnernden Brüllen, Blitze zucken, Windböen pfeifen, Tropfen klatschen. Wasser stürzt vom Himmel. 

Wer kommt hier an? Wer schäumt vor Zorn? Die prächtige Straße ist leer. Die Menschen sind verschwunden. Regen prasselt auf die verlassenen Tische.

Sie steht allein im herabstürzenden Regen. In der Mitte der alten Straße aus Marmor. Der Donner ist über der Stadt. Sie schaut sich um. Kann sie den Ankömmling entdecken und das geheime Tor, durch das er kam, der Wütende, und das kein Mensch kennen will?  

Impression

von Tatjana Rithammer

 

Mit Flugzeug, Auto, Bus oder Bahn,

Dalmatien stand auf dem Plan!

In Trogir fanden wir's ganz klasse,

besonders unsere Terrasse.

Wir fuhren Boot und Schiff und Katamaran,

vom Meer waren wir sehr angetan.

Für einen Augenblick,

waren wir im zauberhaften Šibenik.

Eine fabelhafte Stelle,

waren die Krka-Wasserfälle.

Das Wasser war erfrischend kühl und klar,

doch baden ging nicht, es bestand Lebensgefahr.

Am Diokletianpalast

machten wir eine Rast.

Genau genommen war Split

der absolute super mega wahnsinns-hit!

Die Insel Vrnik

lud förmlich ein zum Picknick.

Doch konnten wir nicht wiederkehren,

wir mussten weiter, hielten's in Ehren.

Der Strand von Lumbarda...

ach war das schön warm da...

Wir sahen den Tanz der Schwerter,

„Mareška“ heißt der, ja mein Werther!

Auch in Orebić waren wir baden,

der Strand war keineswegs überladen.

Die verwunschenen Gassen

fanden wir auch in Dubrovnik in Massen.

Bei Regen, Wind und Wetter,

war's in der Villa doch netter.

Auch Mauern, Kirchen und Museen,

haben wir uns angesehen.

Die schönste Stadt in der ich war?

War Korčula, das ist doch klar!

Ein Dank sei an Frau Weikert gerichtet,

sie hat uns nicht nur unterrichtet,

sie zeigte uns die schönsten Orte,

da fehlten uns dann doch die Worte!

Eine unerwartete Reise…

von Kornelia Dlugosch

Es war einmal in einem fernen Land, weit ab von Unistress und dem Grau des Arbeitsalltags, eine Gruppe von zehn tapferen Gefährten. Das wundersame Land Polen sollte ihr Ziel sein, doch bis dahin hatten die Gefährten noch viele Abenteuer und Prüfungen zu bestehen. Ein jeder hatte Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen in dieses Unterfangen gesetzt und wünschte sich, dass diese auch in Erfüllung gehen mögen.

Die erste Hürde, die es zu überwinden galt, war die Reise nach Frankfurt am Main in die großen Hallen der Stahlvögel, die Menschen in ferne Länder brachten. Voller Tatendrang und einer großen Portion Abenteuerlust reiste die Gemeinschaft mit dem fahrenden Wurm also zu diesem magischen Ort.

Mit freudiger Erwartung erreichten die zehn Gefährten ihre Unterkunft in der Stadt Krakau. Eine Stadt, die man lieben lernen muss, und genossen ein langes Bad nach dieser langen und mühseligen Reise.

Um die Stadt zu erkunden und sich mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut zu machen (und weil der Hunger unsere Gefährten trieb), suchten sie den nahe gelegten Marktplatz auf und genossen in einem Gewölbe unter den Häusern ein Festmahl. Es wurde Ihnen Suppe gereicht, die sie gar nicht bestellt hatten, und die jeweiligen Köstlichkeiten des Landes. Ein Festmahl, an das sich unsere Gefährten noch lange erinnern werden.

Doch die Stadt hielt noch weitere Überraschungen bereit, denn an diesem Tage wurde das heilige Fest der Sonnenwende gefeiert. Zu diesem Anlass werden von den Frauen Blumenkränze geflochten, die sie dann dem gewaltigen Fluss Weichsel überreichen, in der Hoffnung, die Liebe ihres Lebens zu finden. Auch die fünf Gefährtinnen gaben sich dieser Hoffnung hin oder hatten einfach Spaß am Flechten der Blumen, die sie dann von der Brücke in den Fluss warfen.

Zur Feier des Tages und als krönenden Abschluss begrüßte die Stadt Krakau unsere Gefährten mit einem riesigen Feuerwerk, das von Musik untermalt wurde. Die gesamte Stadt war in Festlaune, die durch die bunten Lichter am Himmel hervorgerufen wurde.

Dies soll nun das Ende dieses Märchens sein, am Ende eines Tages, der ein gelungener Auftakt für diese unerwartete Reise war.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Eine mystisch-glückliche Geschichte an einem regnerischen Tag in der Stadt Peters des Großen

von Stanimir Bugar

„Und auch von der dunklen Seite dieser riesigen Stadt wurde ich nicht verschont, jedoch haben mir nasse Taschentücher sehr viel Ärger erspart! Es war der Tag, an dem wir endlich die Erlöserkirche besichtigen konnten (der einzige Tag, an dem es sehr leicht geregnet hat und wir das Hotel nicht nur im T-Shirt verlassen konnten). Nachdem wir mit unserem Programm in der Kirche durch waren, setzte ich mich draußen auf eine sehr nasse Bank (PS: ich hatte meine Brille nicht auf. PPS: ich trage gar keine Brille). 

Lange Rede, kurzer Sinn: meine Hose war nass und Fr. Malygin hat mir eine Packung Taschentücher gegeben, damit ich den Prozess des Trocknens beschleunigen konnte. Nun zum Hauptteil: auf dem Heimweg (meine Hose immer noch leicht feucht) beschlossen wir, den Stadtbus zu nehmen. Die Bushaltestelle war für Petersburger Verhältnisse sehr leer und preislich sollte die Busfahrt auch im Bereich des Möglichen sein, doch beim Einsteigen kam es plötzlich zu einem großen Menschenaufkommen wie im ZDF-Fernsehgarten. Mit lautem Geschrei, Hektik- und Panikmache begann aus dem Nichts ein Gedrängel. Dabei spürte ich im letzten Moment, wie sich jemand an meiner rechten Hintertasche zu schaffen machte. Als ich mich umdrehte, sah ich einen sehr gut gekleideten Mann, der mich verdutzt anschaute und zügig den Bus verließ – mit insgesamt zehn anderen Leuten, welche die „Panik“ auslösten. Mein Geldbeutel war noch in der Hosentasche, doch die nassen Taschentücher hingen halb aus der Hose heraus. Zum Glück hab ich den versuchten Diebstahl aufgrund der Taschentücher bemerkt und mich vorher auf eine nasse Bank gesetzt!“

„Der Donnerstag gehörte auch der Paulfestung auf der Vasil‘evskij Insel. Auf dieser befand sich auch das Gefängnis, einstige Herberge vieler bekannter historischer Persönlichkeiten wie Lev Trockij oder Maksim Gor‘kij. Interessant und unheimlich zugleich, denn Gefängnisse sind nicht bekannt dafür, eine angenehme Stimmung zu verbreiten. Doch im Gegensatz zu den vorhergehenden Tagen war die Festung weniger beeindruckend...“

Die Oase

von Sebastian Banach

Wir treten herein in eine Bibliothek, in ein Zuhause für Bücher und Menschen. Rechts und links, in den alten Regalen, leuchten uns die kyrillischen Lettern auf den zahlreichen Buchrücken zauberhaft entgegen – wie Bücher aus einer anderen Welt, einer anderen Zeit, einer anderen Dimension und Ebene vielleicht. Wir gehen in einen hellen, geräumigen Raum mit Sitzgelegenheiten – Gelegenheiten um zu Lesen, sich in diese andere Welt entführen zu lassen…

Uns wird erzählt, wie dieses Zuhause entstanden ist. Die Geschichte gleicht einer Familiengeschichte, die Schicksale, Höhen und Tiefen erlebt hat und nicht entstanden, sondern gewachsen ist, zusammengewachsen vielleicht. Es ist ein Zuhause, ein Zuhause für Bücher und Menschen oder für Menschen und Bücher?

Eine wohlig-warme Atmosphäre erfüllt den Raum. Die Bücher scheinen sich hier wohl zu fühlen, genauso wie die Sonnenstrahlen, die sie erhellen. Es ist mehr als eine Bibliothek, es ist nicht nur ein Ort der Begegnung, es ist ein Ort geistiger Entfaltungsmöglichkeit, der dazu einlädt hier zu verweilen. Ohne Eile, denn die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Ein Ort der Ruhe, ein Ort für Bücher, eine Oase…

Uralte Bücher werden behutsam auf den Tisch gestellt. Jedes Buch hat seine eigene Geschichte und sein eigenes Schicksal, so wie wir Menschen auch. Wie schade, dass Bücher ihre Geschichte nicht erzählen können. Doch vielleicht ist es besser so. Als vermenschlichte Wesen wären sie nicht mehr so authentisch.

Authentisch und archaisch ist jedoch dieser Ort. Nichts scheint hier gekünstelt oder steril. Alles scheint gewachsen und miteinander im Einklang. Sogar die Samoware auf dem Fensterbrett scheinen dem Beobachter, wie eine glückliche Familie, entgegen zu lächeln.

Alle Bücher stehen so friedlich da und warten auf ihre Bestimmung. Diese friedliche Ruhe geht auf die Menschen über, die in dieser Bibliothek verweilen. In dieser Oase, inmitten einer großen, hektischen Stadt…

Freie Eindrücke

von Sebastian Banach

Ein Zauber geht von dieser Stadt aus. Vielleicht liegt es an der Lage, inmitten saftig-grüner Wiesen und tannengrüner Wälder. Eine bezaubernde Altstadt, eingebettet im Tal, begeistert nicht nur mich. Die zahlreichen historischen Häuser mit Giebeln, die so verschieden sind, wie die Charaktere unserer Gruppe, ziehen einen in ihren Bann. Der Name dieser Stadt gefällt mir schon allein deshalb, weil das Wort „frei“ darin vorkommt. Bereits am ersten Tag schlendern wir am Fluss entlang, der sich, wie eine Schlange durch die Stadt zieht, vorbei am Schwabentor zum Schlossberg.

Eine traumhaft schöne Aussicht bietet sich uns und diese wunderschöne Stadt liegt uns zu Füßen. Es wird dunkler und dunkler und unter uns gehen die ersten Lichter an. Ganz oben sind wir mittlerweile alleine unter uns, wie gewünscht. Wer unseren Wunsch wohl erhört hat? Wir genießen den Augenblick, die leichte Brise, die frische Luft, die von den dunkelgrünen Wäldern zu uns herweht und wir genießen die positive Energie, die unsere Exkursionsgruppe benebelt, ohne uns die schöne Aussicht zu nehmen. Der Tag könnte eigentlich nicht schöner Enden.

Mit zwei mutigen Menschen gehen wir durch den bereits dunklen Wald zum Schlossbergturm. Ein verzauberter Wald, wie ein Wald aus der Märchenwelt. Zahlreiche Glühwürmchen leuchten in der Dunkelheit, wie Elfen, über unsere Köpfe hinweg und deuten uns den Weg. Plötzlich ragt ein riesenhafter Aussichtsturm vor uns empor und wir steigen die schier nicht enden wollende Wendeltreppe hinauf. Doch ganz oben stockt uns der Atem. Ein Gefühl von grenzenloser Freiheit befällt mich. Fliegen müsste man jetzt können und sich in die Lüfte schwingen, über das Lichtermeer hinfort, über Fluss, Wiesen, Tal und Berge…

Es ist stockfinster und wir brechen auf und laufen runter und hören ein lautes Rascheln im Wald. Doch Ängste sind dazu da, um sie zu überwinden und nicht, um sich von ihnen gefangen nehmen zu lassen.

Angekommen in unserer Unterkunft denke ich zurück an den Geist dieser Stadt – man könnte es auch „Seele“ nennen, aber dies ist vielleicht ein wenig zu dick aufgetragen. Für mich durchweht ein poetischer Geist diese Stadt, schon allein deshalb, weil Zwetajewa hier verweilte und dichtete und liebte und lebte.

Buchhandlungen, Bücherbasare und Antiquariate begegnen uns an jeder Straßenecke. Nachts fällt mir sogar ein Buch in die Hand, das auf mich wartete oder auf das ich gewartet habe?

Am letzten Tag in dieser Stadt bewundern wir bei strahlendem Sonnenschein die Herz-Jesu-Kirche. Das Mosaik über dem Eingangsportal leuchtet uns förmlich entgegen und gibt uns den Namen dieses Gotteshauses preis. Am kleinen, neogotischen Colombischlössle streifen wir vorbei an Weinreben zum Park, der einem Blumenmeer gleicht und in dem wir uns unter schattigen Bäumen ausruhen. Auf dem Marktplatz findet jeder etwas für sich und keiner geht mit leeren Händen aus. Bücher, Töpferwaren, Tee und sogar Glasmurmeln wandern in die Taschen und Rücksäcke.

Besinnliche Atmosphäre durchflutet das uralte Münster. Die Sonnenstrahlen durchdringen die filigranen, bunten und beeindruckenden Kirchenfenster. Wir zünden Kerzen an, ein Licht – als Dank…

Ein krönender Abschluss erwartet uns. Die Sonne strahlt, es ist wohlig-warm und heiß. Am Fluss gehen alle ins Wasser – ein erfrischendes Erlebnis. Eine Himmelsschaukel hängt an der Brücke über dem Fluss. Ich fliege hinweg über das rauschende, in der Sonne glitzernde Wasser, ich fliege durch die Lüfte, fühle mich frei – frei in Freiburg…

Impression

von Julian Simon Dicker

Viele anregende Exkursionen hatte ich in meinem Leben bereits - sowohl auf eigene Faust mit Freunden und Bekannten, als auch im Rahmen von Schule und Universität - unternommen. Der diesjährige literarische, von der Universität Bamberg organisierte Ausflug sollte jedoch einen Meilenstein in meinem Erfahrungsschatz markieren. Und dies ist keine Übertreibung! Vorläufig schien jedoch alles in einer Katastrophe zu münden. Der Plan sah folgenderbaßen aus: Die Fahrt sollte von Bamberg über Leipzig nach Dresden beginnen, wo wir zu nächtigen beabsichtigten, um dann am folgenden Tag nach Berlin weiterzureisen. Doch der Zug verspätete sich. Und so war die Gruppe gezwungen eine weitere Stunde in Bamberg zu verweilen. „Die Deutsche Bahn … jaja“, so zischten die Worte über meine zornverzerrten Lippen. Für mich bedeutete die Verspätung zwangsläufig, dass das Referat, welches ich für jenen Tag vorbereitet hatte, quasi ins Wasser fiel und nur ein Bruchteil der Information vor Ort vermittelt werden konnte. Zudem regnete es. Ein Tag wie in einem Alptraum. Mir schien, der Tag und die gesamte Reise von der ersten Sekunde an gelaufen zu sein. In der Tat war es so, dass wir durch Leipzig sprinteten, hastig das Mittagessen zu uns nahmen und noch alle Stationen im Schnelldurchlauf erlebten. Auf Erläuterungen musste größtenteils verzichtet werden. Der erste Tag - mein Vortragstag - war passé.
In Dresden begann jedoch plötzlich die Sonne zu scheinen. Der Regen hatte aufgehört. Die Stadt offenbarte sich in lieblicheren Farben, begrüßte uns im rötlichen Schein der Abendsonne und ließ beim Einbruch der Nacht die Fassaden der Häuser bläulich werden. Seltsamerweise kam es mir so vor, als würde erst jetzt die Reise beginnen und als hätte ich alles zuvor nur geträumt. Die Gruppe begann nun mehr zu diskutieren. Man redete über Geschichte, Literatur und reflektierte die Referate der einzelnen Studenten am gegenwärtigen Zeitgeschehen. Die Biographien der Schriftsteller konnten an den Orten, welche sie für längere Zeit bewohnt hatten, erst richtig begriffen werden. Unsere Phantasie führte uns zu fernen Epochen - hundert und zweihundert Jahre zurück vor unsere Zeit. Jeder konnte seinen Teil dazu beitragen und ergänzte die Gedanken des anderen. Wir spazierten auf Promenaden, entlang schattiger Flussalleen. Und zumindest stellte ich mir dabei vor, wie einst an jenen Plätzen auch unsere Poeten gestanden haben mussten und, in Gedanken vertieft, die Ideen sammelten, die später der Quell ihrer Romane und Gedichte werden sollten.
Man sagt, dass die Aufnahme von Information erst durch die Verknüpfung mit Erfahrung erfolgen kann. Blanke Wissensaneignung führt zum langfristigen Verlust. Und erst durch Praxis wird Wissen an den Gegenstand gebunden. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte kann ich behaupten, dass das didaktische Ziel der Exkursion durchaus Früchte getragen hat. Es war gerade die Melange aus blanken Fakten, den besichtigten Lokalitäten und dem harmonischen Verhältnis zwischen den Studenten, die dazu beitragen konnten, dass das Interesse an der Literatur ein weiteres Mal befeuert werden konnte und der Ausflug wohl für jeden von uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. In Berlin begann der Hauptteil unserer Reise. Wir gingen vor allem auf die Literatur der russischen Emigranten in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ein. An dieser Stelle wäre es für den Leser gewiss interessant, etwas näher auf die Themenschwerpunkte des letzten Reiseabschnittes einzugehen. Doch Erfahrung lässt sich nicht erzählen. Und die schönsten Bilder vermag keine Kamera zu erfassen.