Professor Rodrigues-Moura stellt Herrn Prof. Berthold Zilly vor ...

… und Herr Zilly wartet geduldig …

… bis er anfangen kann

Die Studierenden folgen dem Vortrag mit Interesse

Die Debatte am Ende des Vortrages wird lebendig

Plakat zum Vortrag

Nach dem Vortrag führten wir unser Gespräch im Büro fort …

… bis der Fotograf um Aufmerksamkeit bot

Vortrag von Prof. Dr. Berthold Zilly – FU Berlin / UFSC (Santa Catarina, Brasilien)

Bamberg, am Montag, 28. Januar 2018, 16:15 Uhr, An der Universität 2, U2/01.30

»Domingo Faustino Sarmiento: Ideologe der Zivilisation –Nostalgiker der Barbarei?«

Bamberger Vorträge zur Lateinamerikanistik

Der historisch-poetisch-politische Essay Facundo o Civilización y barbarie (1845) des argentinischen Journalisten, Pädagogen, Offiziers, Politikers Domingo Faustino Sarmiento (1811-88) gilt als eines der Grund- und Hauptbücher Argentiniens, identitätsstiftend für die Nation und unerlässlich für ihr Verständnis bis auf den heutigen Tag. Das Buch war zugleich ein Pamphlet gegen den damaligen Diktator Juan Manuel Rosas (1793-1877), zu dessen Sturz im Jahre 1852 es beigetragen hat, und ein Programmentwurf für eine moderne, zivilisierte, liberale Republik nach europäischen und nordamerikanischen Vorbildern. Den Widerstreit zwischen Zivilisation und Barbarei machte Sarmiento zu einem Deutungsmuster für Geschichte und Gesellschaft Südamerikas, aber auch zu einem Mittel der politischen Polemik. Barbarisch sind die Caudillos, die Gauchos, die Indigenen, zivilisiert sind die europäischen Einwanderer und Vorkämpfer von Urbanisierung, Modernisierung, Weltmarktintegration. Auf der ästhetischen Ebene jedoch bekommt diese manichäische Sicht der Gesellschaft gelegentlich umkehrte Vorzeichen: Das Barbarische erscheint als poetisch, und das Zivilisierte als prosaisch und fade.

Berthold Zilly, geboren 1945 bei Helmstedt, studierte Romanische und Deutsche Philologie in Bonn, Caen, São Paulo, Berlin. Promotion über Molière FU Berlin 1976; lehrte Lateinamerikanistik an der FU 1974-2010, 2004-2010 auch an der Universität Bremen als Honorarprofessor; derzeit ist er Visiting Professor für Übersetzungsstudien an der UFSC (Santa Catarina, Florianópolis, Brasilien). Publikationen zur brasilianischen und argentinischen Literatur, mit den Schwerpunkten Literaturgeschichte, Textanalyse-Übersetzung. Übersetzte Bücher u.a.: Civilización y barbarie von Sarmiento, Os Sertões von E. da Cunha, Triste fim de Policarpo Quaresma von Lima Barreto, Lavoura arcaica von Raduan Nassar. Auszeichnungen u.a.: Wieland-Übersetzerpreis (1995); Prêmio Blaise Cendrars (Abralic, 2017); korrespondierendes Mitglied der Academia Brasileira de Letras (2018).

Alle Interessierten sind sehr herzlich eingeladen!
                                                                      
gez. Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura