BearingPoint demonstriert Cloud-Computing-Kompetenz

 

In einem gleichsam interessanten wie unterhaltsamen Praxisvortrag im Rahmen der DSG-SOA-M Vorlesung am 16.06.2011 beschrieb Herr Henning Rusche, Financial Services Technology Division und Leiter des Kompetenzzentrums für objekorientierte Sofwareentwicklung der BearingPoint GmbH, die Herausforderungen, die sich bei der Verlagerung von Banking-Anwendungen in eine Private Cloud ergeben. In dem gut besuchten Vortrag stellte Herr Rusche zunächst die Kernanforderungen der ‚Cloudifizierung‘ einer  anonymisierten Praxis-Anwendung vor, die sich durch komplexe Abhängigkeiten der fachlichen Komponenten einerseits und die hohe Anzahl der Nutzerclients andererseits ergeben. Weiterhin beschrieb er horizontale und vertikale Virtualisierung (siehe Folien(620.6 KB)) als Kernkonzepte zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Zur Bereitstellung nahezu latenzfreier Konnektivität der Nutzerclients auf Cloud-Services beschrieb Herr Rusche das Konzept eines sogenannten Memory Grids, das Sessiondaten mittels einer speziell konfigurierten replizierten Hauptspeicherlösung in wenigen Millisekunden bereitstellt. Zum Auffinden relevanter Services ist eine routingfähige Middleware vorgesehen. Neben Konnektivität stellt die hohe Anzahl von Clients auch eine besondere Herausforderung hinsichtlich der Skalierung der Cloud-Dienste dar. Herr Rusche beschrieb eine systematische Analyse der fachlichen Abhängigkeiten als Grundlage für die Bildung von Produktlinien, die auf separaten Systemen betrieben werden können und nur gemeinsame Daten und Anwendungslogik über ein zentrales Service-Repository beziehen.

Herr Rusche identifizierte in seinem Vortrag weiterhin Erfolgsfaktoren für die Realisierung anspruchsvoller EAI- und SOA-Projekte. Von besonderer Bedeutung sind fachlicher Komponentenschnitt, die Einhaltung systematischer Entwicklungsprozesse sowie detaillierte Kenntnisse über die technische Realisierbarkeit verteilter Anwendungsfunktionalitäten im Angesicht besonderer Last- und Skalierbarkeitsanforderungen. Zum Kompetenzprofil moderner Informatiker und Wirtschaftsinformatiker gehören folglich sowohl Know-How in einschlägigen fachlichen Domänen und Prozessmodellierung als auch solides Wissen über Kernthematiken verteilter Systeme wie Replikation, verteilte Transaktionen und Load-Balancing. Herr Rusche unterstrich in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung Deutschlands als Entwicklungsstandort für hochkomplexe EAI- und SOA-Lösungen und wies darauf hin, dass fundierte Entwicklungskenntnisse neben den Methoden des IT-Controlling unverzichtbare Grundlage für die Inanspruchnahme von Outsourcing-Dienstleistungen sind.

In der insgesamt 90-minütigen Veranstaltung gewährte Herr Rusche nicht nur wertvolle Einblicke in die praktische Umsetzung von SOA- und Cloud Computing-Konzepten. Er beschrieb auch die Bankingbranche als herausforderndes und abwechslungsreiches Betätigungsfeld für Wirtschaftsinformatiker. In der abschließenden Diskussion antwortete er kompetent zur vortragsbezogenen Fragen wie der Implementierung des Requirements Engineering oder SOA Governance.

Der Lehrstuhl für Praktische Informatik bedankt sich an dieser Stelle herzlich für das Engagement der BearingPoint GmbH im Rahmen der Praxisvorlesung, insbesondere bei Herrn Henning Rusche als Vortragenden und bei Herrn Marc Wewers, der als Alumnus der Universität Bamberg die Kooperation des Lehrstuhls mit der BearingPoint GmbH eingeleitet hat.