Forschung am Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik

Forschung findet am Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik aktuell schwerpunktmäßig in historisch-systematischer Ausrichtung statt. Einen wesentlichen Bezugspunkt bildet dabei das von Prof. Dr. Stefan Hörmann und Dr. Eva Meidel entwickelte und in der Fachdiskussion intensiv rezipierte Bamberger Fachstrukturmodell („Bamberger Propeller“) mit seinen terminologischen, fachstrukturellen und wissenschaftstheoretischen Hintergründen und Implikationen für das musikpädagogische Fachverständnis im Allgemeinen und Wissenschaftsverständnis im Besonderen.

 

 

  • Das Modell konzentriert sich bewusst auf fachspezifische Gegebenheiten. Es bietet eine Orientierungsmöglichkeitin einem erkennbar vorhandenen begrifflichen Dschungel an. Ziel ist eine geschärfte Wahrnehmung wichtiger fachlicher Termini und Teilbereiche in ihrer spezifischen Prägung. Die Entwicklung des Modells entspringt der Überzeugung, dass fachliche Kommunikation ohne eine klar definierte gemeinsame Verständigungsbasis nicht fruchtbar geführt werden kann.
  • Von einer kritischen Sichtung der einschlägigen musikpädagogischen Fachdiskussion, d. h. von einer vorliegenden Basis ausgehend, werden an verschiedenen Stellen deutlich aufscheinende Begriffsverwendungen und Strukturierungsansätze aufgegriffen. Ausgewählt sind diese danach, dass wesentliche Termini berücksichtigt werden und jene sich eindeutiger klären, definitorisch gegeneinander abgrenzen sowie in einer größeren strukturellen Betrachtung sinnvoll einander zuordnen lassen.
  • Durch den Rückbezug auf einen bestimmten fachlichen Sprachgebrauch spiegelt das Modell bestimmte gegenwärtige Verhältnisse. Künftige Veränderungen in Bezug auf zentrale Begrifflichkeiten und strukturelle Sichtweisen im Fachdiskurs wären bei seiner Weiterentwicklung zu berücksichtigen.
  • Bei der Strukturierung erfolgt eine Konzentration auf Musikpädagogik und Musikdidaktik als wesentliche fachliche Begriffe.
  • Der Terminus ‚Musikpädagogik‘ wird dabei mit zweierlei Reichweiten verwendet: zum einen als zentraler Dachbegriff für das gesamte Gebiet der Vermittlung und Aneignung von Musik in Theorie und Praxis, zum andern als Ausweis speziell der Wissenschaftlichen Musikpädagogik.
  • Es erfolgt eine Differenzierung zwischen Praxis, Planung und Forschung, die auch die drei Rotorblätter des Propellers bilden. Die drei verschiedenen Bereiche sind als gleichwertig und gleichermaßen wichtig sowie dynamisch miteinander verbunden zu betrachten. Beides bringt das Bild des Propellers zum Ausdruck. Einmal in Bewegung, kennt der Propeller kein hierarchisches Oben-Unten seiner Rotorblätter, die sich zudem an seiner Nabe wechselseitig berühren.
  • Die Wissenschaftliche Musikpädagogik und die Musikdidaktik als theoretische Bereiche werden anhand ihrer Aussagequalitäten unterschieden und unter Hervorhebung ihrer besonderen Qualitäten konturiert: Erstere liefert in Form deskriptiver Aussagen durch Forschung abgesichertes Wissen. Letztere ist demgegenüber mit der Planung musikbezogener Vermittlungs- und Aneignungsprozesse befasst. Diese Aufgabe erfordert mannigfaltige Kompetenzen und unterrichtsgestalterische Kreativität. Musikdidaktische Entscheidungen können (und sollen) auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse unterschiedlicher Art getroffen werden. Daraus resultierende Vorschläge und Vorgaben gehen aber immer von bestimmten Erziehungs- bzw. Bildungsvorstellungen aus und verbleiben so im normativen Raum. Wissenschaftlichen Status können sie insofern nicht beanspruchen.
  • Innerhalb der Wissenschaftlichen Musikpädagogik wird auf die Historische, Empirische, Komparative und Systematische Musikpädagogik als in der Fachdiskussion vorrangig präsente Teilbereiche verwiesen. Mit den angebotenen Profilierungen werden sie in ihrer Verschiedenheit deutlich, ohne streng voneinander abgrenzbar zu sein. Auch wird mit der Möglichkeit ihrer Kombination gerechnet.
  • Das Modell kann sowohl im Unterrichtsalltag als auch in der akademischen Diskussion als Kompass zur Verortung und Bewertung von Aussagen dienen. Es möchte so einen Beitrag zur Stärkung der fachlichen Reflexionskompetenz, zur angemessenen Einordnung musikdidaktischer Überlegungen, zur Infragestellung des traditionellen Fachwissenschaft/Fachdidaktik-Verständnisses im Bereich der Musik mit der Musikwissenschaft als Fachwissenschaft und nicht zuletzt zur Profilierung der Musikpädagogik als Hochschuldisziplin leisten.

 

Hörmann, Stefan/Meidel, Eva (2016): Orientierung im Begriffsdschungel – terminolo­gi­sche und fachstrukturelle Perspektiven zur Profilierung der Musikpädagogik und Musik­didaktik. In: Clausen, Bernd/Cvetko, Alexander J./Hörmann, Stefan/Krause-Benz, Mar­tina/Kruse-Weber, Silke (Hg.): Grundlagentexte Wissenschaftlicher Musik­pädagogik. Begriffe, Positionen, Perspektiven im systematischen Fokus. Münster u. a.: Waxmann. S. 11-68.

Hörmann, Stefan (2019): Musikpädagogisches Hochschulpersonal gesucht – Stel­lenausschreibungen unter terminologischer und fachstruktureller Lupe. In: Puffer, Ga­briele/Becker, Andreas/Körndle, Franz/Sprau, Kilian (Hg.): Musik – Pädagogik – Pro­fessionalität. Festschrift für Bernhard Hofmann zum 60. Geburtstag. Innsbruck u. a.: Helbling. S. 137-159.

Hörmann, Stefan/Meidel, Eva (2020): Auf dem Weg zum Bamberger Fachstrukturmodell 2.0. In: Diskussion Musikpädagogik 86/2020. S. 20-32.

Eingebettet sind die Bamberger Forschungsaktivitäten in das deutsch-österreichische Forschungsnetzwerk ‚Wissenschaftliche Musikpädagogik‘. Es besteht seit 2013 mit Beteiligung von 5 Universitäten bzw. Mu­sikhochschulen (derzeit Bamberg, Bremen, Graz, Mannheim, Siegen). Neben Arbeitstreffen veranstaltet es jährliche Tagungen, bei denen insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern in einem Pro­mo­vie­rendenforum die Gelegenheit gegeben wird, ihre Forschungen vorzustellen und in die Diskussion zu bringen.

1. Musikpädagogik als Wissenschaft

Clausen, Bernd/Cvetko, Alexander J./Hörmann, Stefan/Krause-Benz, Mar­tina/Kruse-Weber, Silke (Hg.) (2016): Grundlagentexte Wissenschaftlicher Musik­pädagogik. Begriffe, Positionen, Perspektiven im systematischen Fokus. Münster u. a.: Wax­mann.

2. Mythos Hermeneutik

Clausen, Bernd/Cvetko, Alexander J./Hörmann, Stefan/Krause-Benz, Mar­tina/Kruse-Weber, Silke (Hg.) (2020): Grundlagentexte Wissenschaftlicher Musik­pädagogik. Mythos Hermeneutik. Münster u. a.: Waxmann. (erscheint demnächst)

3. Zeitzeugen der Musikpädagogik

Themenheft Zeitzeugen der Musikpädagogik der Zeitschrift Diskussion Musikpädagogik 86/2020.