Gastvortrag Dr. Bernhard Lehmann

„Eine Stadt erinnert sich. Vom Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit“ lautete der Titel des Gastvortrages von Dr. Bernhard Lehmann, den er am 6. Februar im Bamberger Hochzeitshaus hielt. Auf Einladung von Professor Dr. Bert Freyberger berichtete der Gymnasiallehrer von dem Versuch, Licht in die Geschichte der Zwangsarbeiter im schwäbischen Gersthofen zu bringen.

Vor acht Jahren rief Dr. Bernhard Lehmann am Paul-Klee-Gymnasium eine Projektgruppe ins Leben, die es sich zum Ziel setzte, die Geschichte Gersthofens während des Nationalsozialismus zu ergründen. Vor allem interessierten sich die Schüler und ihr Lehrer für die Rolle der Zwangsarbeiter, die in Gersthofen bei Augsburg eingesetzt wurden. Doch statt sich über das Engagement der Interessierten zu freuen, reagierte vornehmlich der Bürgermeister abwehrend. Ihnen wurde der Zugang zu Archiven untersagt und somit unter Beweis gestellt, dass die Lokalhistorie mancherorts – wenn überhaupt – nur bruchstückhaft aufgearbeitet wurde.

Mit der teils offensiven, teils defensiven Ablehnung gegenüber Lehmanns Schulprojekt stand der ehemalige Bürgermeister Gersthofens nicht alleine: Lehmann erhielt Morddrohungen und die Eltern einiger Schüler verboten ihren Kindern, weiterhin an dem Projekt teilzunehmen. Der Höhepunkt des Konflikts war erreicht, als schließlich ehemalige Zwangsarbeiter ausfindig gemacht werden konnten und nach Gersthofen eingeladen wurden. Der Bürgermeister verweigerte ihnen eine offizielle Begrüßung im Rathaus – eine in der Bundesrepublik einmalige Verweigerung einer Geste an Opfer des Nationalsozialismus. Offensichtlich zog die Gemeinde eine „Kultur des Vergessens“ einer „Kultur des Erinnerns“ vor. Zumindest aber empfand man diese Variante auch in den lokalen Medien als weniger störend. 

Im Juni 2001 erwirkte Lehmann einen gerichtlichen Beschluss vor dem Verwaltungsgericht Augsburg, und so gelang es nach gründlicher Recherche und weiteren Hindernissen im Oktober 2005 eine Gedenkstätte in Gersthofen zu eröffnen. Allerdings nicht dank eines Einsehens der Kommunalpolitik, die lieber 3.000.000 Euro für ihr lokales Fußballstadion ausgab und nur 25.000 für eine Gedenkstätte, sondern durch das ehrenamtliche Engagement zahlreicher Prominenter wie Gerhard Polt oder Senta Berger, die das Projekt seitdem tatkräftig unterstützen.

Mehr Informationen finden Sie hier:

http://www.zwangsarbeit-gersthofen.de/