Schreibunterricht

7. Schreiben zu Bildern und Filmen

Es gibt - außer Fix/Melenk (2000) - wenig schreibdidaktische Fachliteratur, die sich mit der Rolle von Bildern als Impulsgeber auseinandersetzen würde. Das ist erstaunlich. Denn zu Bildern, gleich ob sie Fotografien sind, Screenshots aus Filmen oder Abbildungen von Gemälden, lassen sich sehr gute Schreibaufgaben stellen. Im Aufsatzunterricht früherer Jahrzehnte gab es die "Bildbeschreibung", die auf Sachlichkeit, Genauigkeit und Deutung verpflichtet war. Weit darüber hinaus können aber Bilder Impulse und Ideen liefern für Kreatives Schreiben. Unter dessen Aspekten berührt das oft besonders den sozialen, den persönlichkeitsbildenden und den schöpferischen. Denn Bilder legen die Vorstellungstätigkeit der Schreiber/-innen viel weniger fest, als sprachliche Vorgaben das tun, und geben doch der Fantasie reichlich Nahrung: Wer ist das auf dem Bild, was für eine Geschichte hat er/sie, an welchem Ort spielt sie, was ist vorher passiert, was wird jetzt gleich geschehen? Inhalte zu benennen, reicht aber nicht aus: Wie Bilder (Fotografie, Film) kultursemiotisch betrachtet auf Codierungen basieren, zeigt - mit Umberto Eco - Maiwald (2012). Bilder "zur Sprache zu bringen" ist immer auch "Erkenntnis kulturell codierter Zeichenhaftigkeiten" (ebd. 39). Sprachdidaktisch betrachtet, findet Schreiben (wie auch Sprechen) zu Bildern in Textsorten statt, die man theoretisch unterscheiden und praktisch (mit Lernenden) üben kann (vgl. Abraham 2014).

Einen kunst- und deutschdidaktischen Überblick über Möglichkeiten des Umgangs mit Text-Bild-Symbiosen bieten Abraham/Sowa (2012): Beschreiben, Schildern, Erzählen und Reportagen schreiben (vgl. ebd., 8f. ) sind die für den Deutschunterricht vielleicht wichtigsten. Eine auch für Nicht-Kunsterzieher empfehlenswerte kunstdidaktische Einführung in die Arbeit mit Bildern bietet Schoppe (2011).

 

Fotografie

Fotos finden im Deutschunterricht - mit Ausnahme des DaF-Unterrichts - vermutlich kaum Verwendung. Dabei gibt es kaum eine unaufwändige Art, den Alltag in die Schule hereinzuholen und sich z.B. mit Aspekten der Umweltpolitik und des Naturschutzes, der Städte- und Verkehrsplanung, der Migration usw. schreibend auseinander zu setzen.

Einer der wenigen konkreten Vorschläge zum Einsatz von Fotos im Deutschunterricht stammt von Fenkart (2012) und konzentriert sich auf die "Gemachtheit" der Bilder; an ihnen visual literacy zu erwerben und zu beweisen, bedeute immer auch zu fragen, was sie nicht zeigen (vgl. ebd., 110). Damit ist auch eine Brücke hergestellt vom Schreibunterricht zur Politischen Bildung. - Zur ästhetischen Bildung stellt Dorst (2012) einen Bezug her, indem sie Schüler/-innen der Sek. II bittet, das "mondene ei" aus Hans Arps abendgedicht eine Woche lang im Alltag zu begleiten und in verschiedenen Alltagssituationen zu fotografieren.
Eine empfehlenswerte erste Einführung in das Arbeiten mit Fotos im Deutschunterricht bietet das von Yves Noir verfasste Kapitel in Wörner/Noir/Rau (2012, 139-168).

 

Malerei

Gemälde, entweder in geeigneter Weise reproduziert oder "vor Ort" bei einem Museumsgang zugänglich, bereichern den Schreibunterricht. So führt Gien (1999) vor, wie Grundschüler/-innen zu einem Bild von Kandinsky ("Gelb-Rot-Blau", 1925) Texte schreiben, die sich dem Bild annähern, ohne es zu analysieren.
Teichert (1999) beschreibt, wie Schreibaufgaben helfen, sich in ein Bild hineinzuversetzen, das in Sigrid Heucks Jugendroman "Meister Joachims Geheimnis" eine wichtige Rolle spielt.
Wangerin (2012) erklärt das kreative Schreiben zu Gemälden (E. Munchs Der Vampir, 1893, und C.D. Friedrichs Frau am Fenster, 1822) im Deutschunterricht als das notwendige Arrangieren ästhetischer "Erfahrungssituationen" als Alternative zur traditionellen Bildanalyse.

 

Film

Auch der Film als Medium kennt Genres und "Textsorten" (vgl. Kammerer 2009): Bilder aus Filmen sind noch weniger als Alltagsfotos einfach Wiedergabe von Wirklichkeit, sondern Teile einer Wirklichkeitsinszenierung, die bestimmten Erwartungen des Zuschauers mehr oder weniger stark entgegen kommt.
Köppert (1999) entwickelt eine "vorstellungsgetragene Deutung" des Films "Schindlers Liste" aus Schreiben zu Standbildern (Screenshots) daraus.
Möbius/Wieland (2006) skizzieren eine Unterrichtseinheit zum Schreiben von Inhaltsangaben zu Filmen auf der Basis von Internetrecherchen. Abraham (2007) bietet Schreibaufgaben zu Tom Tykwers Literaturverfilmung "Blueprint" (nach einem Roman von Charlotte Kerner) an, wobei es nicht nur um Interpretation und Kritik, sondern auch um Wissenserwerb an Hand zusätzlicher Materialien (zum Thema Gentechnik und Klonen) geht. Ein anderer Beitrag (2008) führt Schreibaufgaben zu einem Kinderfilm ("Katja und der Falke") vor, die sowohl mit Ausschnitten (Clips) als mit einer Standbildserie arbeiten. In "Filme im Deutschunterricht" (3., erw. Aufl. 2016) schlägt derselbe Autor Schreiben zu verschiedenen Filmen vor, u.a. zu "Lichter" von Hans-Christian Schmid.
Kepser (2010) skizziert erstmal in einiger Breite eine wirklich produktionsorientierte Didaktik der Films, indem er systematisch Formen des Schreibens sowohl aus dem filmischen Produktionsprozess als aus der Filmrezeption sammelt und beschreibt. Viele dieser Formen sind noch kaum in die Praxis vorgedrungen; lediglich das Lesen und Schreiben von Filmkritiken (vgl. schon Rünger/Weber 1991) dürfte einigermaßen geläufig sein. Es lässt sich durch ausgewählte Standbilder unterstützen.

 Während Unterrichtsanregungen und Materialien zu Langspielfilmen nach Quantität und Qualität inzwischen ein beachtliches Niveau erreicht haben, ist der Kurzspielfilm bisher fachdidkatisch weniger bearbeitet. Eine Bestandsaufnahme versucht Abraham (2013); dort auch eine Übersicht über empfehlenswerte Kurzspielfilme für den Unterricht. Schreibaufgaben werden zu einigen von ihnen ausdrücklich formuliert.

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vgl. auch:

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    weiterführende Literatur:

      • Köppert 1999
      • Kepser 2010
      • Schoppe 2011
      • Abraham 2012; Abraham/Sowa 2012 und 2016; Abraham 2013 u. 2014
      • Maiwald 2012
      • Wangerin 2012

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