„Vom Oberlehrer zur Kompetenzhebamme“

15. Andragogentag in Bamberg zum Thema „Personale Führung aus Sicht von Weiterbildung und Personalentwicklung“

BAMBERG –„Führen ist keine Einbahnstraße“, betonte Lutz von Rosenstiel, „sondern ein wechselseitiger Prozess.“ Der Professor aus Wien eröffnete am Samstag den 15. Andragogentag an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg  zum Thema „Personale Führung aus der Sicht von Weiterbildung und Personalentwicklung“. Rund 130 Teilnehmer sammelten wertvolle Informationen über verschiedene Bereiche der Erwachsenenbildung, knüpften Kontakte und pflegten in Arbeitsgruppen intensiven Austausch.

Der Lehrstuhl Andragogik ist bekannt für seinen engen Bezug zur Praxis, der bei dieser jährlichen Tagung besonders gut deutlich wird: 15 Institutionen der Erwachsenen-/Weiterbildung präsentierten sich beim „Markt der Möglichkeiten“, darunter der Mitveranstalter bfz Bamberg (Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft).

Die enge Verzahnung von Studium und Beruf lobte auch Prof. Dr. Sebastian Kempgen, Vizepräsident der Bamberger Uni. Prof. Dr. Walter Bender bestätigte: „ Das jahrelange Networking hat sich schon für viele Absolventen bezahlt gemacht.“ Die hohe Qualität insbesondere der praxisorientierten Kompetenzseminare wurde dem Lehrstuhlinhaber und seinem Team auch beim Andragogentag durch das Überreichen eines Testats von LQB (Lernorientierte Qualitätsentwicklung für Bildungsveranstaltungen) bescheinigt.

Bender freute sich, mit Lutz von Rosenstiel „einen der wichtigsten Wirtschaftspsychologen im Land“ als Hauptredner begrüßen zu dürfen. Humorvoll und anschaulich beschrieb der Professor von der LMU München und der Uni Wien das gewandelte Verständnis von Personalführung durch die so genannte Subjektivierung von Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen. Gefragt sei ein neues Selbstverständnis der Führungskräfte: „vom Oberlehrer zur Kompetenzhebamme.“ Seiner Meinung nach bekommt man durch institutionalisierte Weiterbildung nur rund 20 Prozent der Führungssaufgaben in den Griff. Der Rest sei implizites Lernen, das wiederum durch soziale Interaktion und Kommunikation auf verschiedenen Ebenen erfolge. „Die Arbeitszeit von Führenden ist Kommunikationszeit, vielen fehlt die Zeit zur Führung.“ Insofern ist für Rosenstiel eines der wichtigsten Ziele von Personalführung, die Mitarbeiter bei ihrer selbst organisierten und gesteuerten Kompetenzentwicklung zu unterstützen. „Das Lernen muss reflektiert werden, und dafür sind entsprechende Bedingungen zu schaffen.“

In zwei Runden von jeweils drei einstündigen Arbeitsgruppen wurde das Thema anschließend aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet: aus der Sicht des wissensorientierten Unternehmens (Prof. Dr. Joerg Mildenberger von der Daimler Coroporate Academy) oder in Bezug auf die Unternehmenskultur (Martin Drescher, ZF Sachs AG). Auch Absolventen der Bamberger Andragogik stellten eigene Ansätze vor wie Barbara Becker aus Wiesenbronn, Strategische Qualitätsentwicklung, die Manager zum Rebenschneiden in den Weinberg führt, oder Jürgen Müller und Jacques Douillet von der Bamberger Unternehmensberatung Con!flex schilderten Erfahrungen mit dem „Konzept des situativen Führens“.

Um Führungskonzepte im sozialen und kirchlichen Bereich ging es im Workshop mit Michael Klein (Bundesakademie für Kirche und Diakonie Berlin) und Prof. Dr. Margit Ostertag (Evangelische Hochschule Nürnberg), und der Diplomand Wendelin Kipping stellte seine Ergebnisse einer Führungskräfte-Befragung vor. Der 15. Andragogentag endete offiziell mit einem Vortag von Dr. Timm Feld (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, Universität Marburg) über „Führung aus organisationspädagogischer Sicht.“

(Text und Fotos: Andrea Rudolph)