Elterliche Einstellungen zum Krippenbesuch und deren Einfluss auf die Inanspruchnahme einer Krippe

 

Inhalte und Ziele

Die Frage, warum sich Eltern für oder gegen den Krippenbesuch ihres Kindes entscheiden, steht seit vielen Jahren im Fokus (inter-)nationaler Untersuchungen. Bisher dominierten hier Analysen, die die Inanspruchnahme mit Merkmalen der Familien, wie Bildungsstatus oder Migrationshintergrund, in Verbindung bringen. Obwohl Krippen einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf leisten, weiß man bislang wenig über die Einstellungen von Eltern zur frühkindlichen Betreuung. Die Forschungsarbeiten tragen zur Schließung dieser Forschungslücke bei und analysiert, wie die Einstellungen von Eltern zum Krippenbesuch sind, ob diese mit anderen Merkmalen der Eltern in Verbindung stehen und inwiefern die Einstellungen einen Einfluss auf die tatsächliche Inanspruchnahme haben. Weiter geht es um Gründe, die Eltern nennen, weshalb sie sich gegen die institutionelle Betreuung ihres unter drei jährigen Kindes entschieden haben,

Methode

Grundlage bildet die Startkohorte 1 – Neugeborene – des Nationalen Bildungspanels (NEPS), die durch das Leibnitz-Institut für Bildungsverläufe (LifBi) an der Universität Bamberg zur Verfügung gestellt wird. Das NEPS erhebt längsschnittliche Daten zu Bildungsprozessen und Kompetenzentwicklung in Deutschland.

Der Datensatz erlaubt ein prospektives Vorgehen. Wurden bislang Eltern gebeten, sich an die Betreuung ihres Kindes zu erinnern, liegen im NEPS Daten vor, bevor das Kind eine Krippe besucht. Dieses prospektive Vorgehen hebt die Untersuchungen von bisherigen ab. Der enorme Vorteil des prospektiven Vorgehens liegt darin, dass die „echten“ Erwartungen abgebildet werden können und diese anders als bei retrospektiver Betrachtung nicht durch den schon stattgefundenen Krippenbesuch verzerrt sind.

Die theoretische Basis der Forschungsarbeiten bildet das Accommodation-Model von Meyers und Jordan (2006). Diesem folgend, sind es vor allem die Einstellungen und Erwartungen der Eltern, die einen Einfluss auf ihre Betreuungsentscheidungen haben und weniger sozio-demografische Faktoren wie Bildungsstatus oder Migrationshintergrund

Fragestellungen

1. Wie sind die Einstellungen und Erwartungen von Eltern zum Krippenbesuch und von welchen Faktoren werden diese beeinflusst?

2. In welchem Zusammenhang stehen diese Einstellungen mit der Anmeldung und Inanspruchnahme einer Krippe?

3. Wie ist der gewünschte und tatsächliche Startzeitpunkt der Inanspruchnahme und spielt die elterliche Wahrnehmung ihrer Kinder hierbei eine Rolle?

4. Welche Gründe nennen Eltern gegen die Inanspruchnahme und welche Rolle spielen hierbei Migrationshintergrund, Informiertheit und Fördererwartung

Ergebnisse

Fragestellung 1

Die Ergebnisse der ersten Untersuchung zeigen, dass Eltern eine hohe Fördererwartung an die Krippe stellen und somit davon ausgehen, dass der Besuch einer Krippe förderlich für die kindliche Entwicklung ist. Ebenso sehen Eltern im Krippenbesuch ihres Kindes eine gute Möglichkeit (wieder) berufstätig zu sein. Dass sie erwarten von ihrem sozialen Umfeld „schief angesehen“ zu werden, wenn sie sich für die institutionelle Betreuung ihres Kindes entscheiden, trifft nur für einen kleinen Teil der Eltern zu. Die insgesamt positiven Erwartungen der 3.229 befragten Eltern zeigen, dass die frühkindliche außerfamiliäre Erziehung, Bildung und Betreuung ihren „Nothilfecharakter“ (Roßbach, 2008, S. 289) abgelegt hat. Dies ist insbesondere für Westdeutschland interessant, da hier historisch gesehen die Krippenbetreuung eher die Ausnahme war, wohingegen in Ostdeutschland die Betreuung für weite Teile der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein fester Bestandteil in der Bildungsbiographie der Kinder war. In einem nächsten Schritt wurden Zusammenhänge zwischen den Erwartungen und Merkmalen der Familie wie Bildungsstatus oder Migrationshintergrund analysiert. Auch hier zeigen sich die Unterschiede, die auf den Wohnort zurückzuführen sind. Eltern aus Westdeutschland erwarten vergleichsweise eher, dass sie von ihrem sozialen Umfeld schief angesehen werden, wenn sie sich für eine Krippenbetreuung entscheiden. Auch 30 Jahre nach der Wende scheinen noch immer geringfügige Vorbehalten vorzuliegen. Dass die Krippe förderlich für die kindliche Entwicklung ist, wird eher von Eltern aus Ostdeutschland, mit höherer Informiertheit über Betreuungsangebote und von Eltern mit Migrationshintergrund erwartet. Insbesondere der Befund, dass Eltern mit Migrationshintergrund höhere Erwartungen bezüglich der Förderlichkeit haben überrascht. So zeigen die Zahlen zu Inanspruchnahme, dass ihre Kinder in Krippen deutlich unterrepräsentiert sind (20 % Betreuungsquote bei Kindern mit Migrationshintergrund, 40 % Betreuungsquote bei Kindern ohne Migrationshintergrund). Trotz ihrer hohen Erwartungen, scheinen diese Eltern ihre Betreuungswünsche nicht in die Tat umsetzen können.

Weitere Informationen: Burghardt, L., & Kluczniok, K. (2016). Erwartungen von Eltern zu Nutzen und Kosten eines Krippenbesuchs: Eine Analyse zu Zusammenhängen mit kindbezogenen und familialen Strukturmerkmalen. Diskurs Kindheits- Und Jugendforschung. 11(3), 339–354. doi.org/10.1026/2191-9186/a000221

Fragestellung 2:

Im zweiten Beitrag konnte gezeigt werden, dass bereits 59% der sieben Monate alten Kinder in einer Krippe angemeldet sind, obwohl zu diesem Zeitpunkt nur zwei Prozent tatsächlich schon eine Krippe besuchten. Diese hohe Zahl macht deutlich, wie wichtig die frühe Anmeldung in Deutschland ist, um überhaupt einen Betreuungsplatz zu bekommen. Unter Berücksichtigung der Betreuungsquoten auf Kreisebene zeigt sich, dass es weniger die Strukturmerkmale der Eltern wie Bildungsstatus, Einkommen oder Migrationshintergrund sind, die mit der Anmeldung in Verbindung stehen, sondern die Einstellungen und Erwartungen der Eltern. Es wird deutlich, dass ein Kind eher dann in einer Krippe angemeldet wird, wenn Eltern über Betreuungsangebote in der Region informiert sind, sie erwarten, dass der Besuch der Krippe positiv für die kindliche Entwicklung ist und der Besuch der Krippe die Berufstätigkeit ermöglicht. Ebenfalls ist die Wahrscheinlichkeit höher, sein Kind in einer Krippe anzumelden, wenn die eigene Berufstätigkeit als bedeutsam empfunden wird. Bei der frühen Inanspruchnahme mit durchschnittlich 13 Monaten zeigt sich ebenfalls die hohe Bedeutung der Erwartungen. So ist es vornehmlich die Fördererwartung, die mit der frühen Inanspruchnahme in Verbindung steht. Die Ergebnisse festigen die Annahme von Zugangshürden und belegen, dass Eltern mit Migrationshintergrund ihr Kind seltener in Krippen anmelden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind für die Krippe angemeldet wird, sinkt um 16 %, wenn bei den Eltern ein Migrationshintergrund vorliegt.

Weitere Informationen: Burghardt, L. (2017). Zusammenhänge elterlicher Erwartungen und Einstellungen mit der Anmeldung und späteren Inanspruchnahme einer Krippe. Frühe Bildung, 6(2), 83–92. https://doi.org/10.1026/2191-9186/a000312

Fragestellung 3:

Der dritte Beitrag geht der Frage nach, welche Rolle die elterliche Wahrnehmung ihrer Kinder auf den gewünschten und tatsächlichen Startzeitpunkt der Krippenbetreuung spielt. Zentral für diese Untersuchung ist die Annahme, dass gerade die Art und Weise, wie Eltern ihr eigenes Kind sehen, einen Einfluss auf den gewünschten Startzeitpunkt der Betreuung hat, für den tatsächlichen Startzeitpunkt aber weniger Kindmerkmale als vielmehr praktische Erwägungen, wie der Wiedereinstieg in den Beruf, relevant sind. Es kann angenommen werden, dass möglicherweise bei geringem Gewicht oder weniger ausgeprägten sprachlichen oder motorischen Kompetenzen, Eltern ihr Kind als „noch nicht bereit“ für die außerfamiliäre Betreuung sehen und deswegen einen späteren Start präferieren. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich im ersten Modell, indem nur Kindmerkmale aufgenommen wurden, minimale Zusammenhänge zeigen. Verfügt das Kind über ein vergleichswese schwieriges Temperament oder ein höheres Geburtsgewicht, so wünschen sich Eltern einen früheren Start in die Krippenbetreuung. Ergänzt man Strukturmerkmale der Eltern und ihre Einstellungen und Erwartungen, so verlieren die Kindmerkmale ihren Einfluss und die Fördererwartung erweist sich erneut als zentrale Einflussgröße. Je mehr Eltern glauben, dass die Krippe ein Ort ist, der förderlich für die Entwicklung ihrer Kinder ist, desto früher wünschen sie sich einen Start in diesen. Es zeigt sich überdies ein schwacher, aber signifikanter Interaktionseffekt: Eltern, deren Kinder ein schwierigeres Temperament aufweisen, haben eine höhere Erwartung an die Förderlichkeit der Krippe und wünschen sich deswegen einen früheren Start für ihr Kind. Möglicherweise erhoffen sie sich, besonders für ihr Kind mit einem schwierigen Temperament, einen positiven Einfluss durch den Besuch der Krippe, da hier Kinder das erste Mal mit vielen anderen Kindern über einen längeren Zeitraum gemeinsam betreut werden und sich somit in soziale Gefüge einfinden (müssen) und zum Beispiel teilen lernen. Bezogen auf den tatsächlichen Startzeitpunkt zeigt sich auch hier, dass Kinder mit Migrationshintergrund nicht nur seltener in Krippen gehen, sie beginnen auch später mit der Betreuung. Erstmalig erweist sich hier nicht die Fördererwartung als zentral, sondern die empfundene Wichtigkeit der Mutter wieder in den Beruf eintreten zu wollen. Zwischen gewünschtem Startzeitpunkt und tatsächlichem Startzeitpunkt lässt sich eine Diskrepanz von nahezu 10 Monaten ausmachen. Wenn es nur um das Wohl des Kindes ginge, würden sich Eltern einen Start mit 25,7 Monaten wünschen. Der tatsächliche Start liegt mit 15,6 Monaten deutlich früher und deckt sich nahezu perfekt mit den Regelungen zum Elterngeld. Der Wiedereinstieg in den Beruf ist demnach eng mit dem Beginn der Inanspruchnahme verknüpft.

Weitere Informationen: Burghardt, L. (2018). Relevance of child characteristics for the envisaged and real start of childcare attendance for the under-3s in Germany. European Early Childhood Education Research Journal 26(6), 873-892. DOI: 10.1080/1350293X.2018.1533706

Fragestellung 4:

Der vierte Beitrag geht der Frage nach, ob die Gründe von Eltern gegen eine außerfamiliäre Betreuung tatsächlich migrationsbedingt sind oder vielmehr von der Informiertheit der Eltern und deren Fördererwartung abhängen. Ein bedeutsamer Teil der Stichprobe (23%) gibt an, dass sie keinen Platz bekommen haben, die Bezeichnung „unfreiwillig Nichtnutzer“ (Alt, Berngruber & Pötter, 2016, S. 702) scheint für diesen Teil der Eltern zuzutreffen. Die Angabe, keinen Platz bekommen zu haben, impliziert, sich zumindest um einen Platz bemüht zu haben. Die Gründe, weshalb sie keinen Platz bekommen haben, sei es zu spätes Kümmern oder mangelndes Platzangebot, können anhand der vorliegenden Daten nicht rekonstruiert werden. Eltern mit Migrationshintergrund gehören deutlich häufiger zu dieser Elterngruppe. Diese Eltern geben sowohl häufiger an, dass sie keinen Platz gefunden haben (36%), als auch, dass die Betreuungsmöglichkeit nicht ihren Vorstellungen entsprochen hat (10%). Die Annahmen, dass Zugangshürden die Realisierung der Betreuungswünsche erschweren, erscheinen zunächst Bestätigung zu finden. Insbesondere die häufigere Angabe, dass die Betreuungsmöglichkeit nicht den eigenen Vorstellungen entspricht und die Einrichtung demnach ‚nicht passt‘, deckt sich damit, dass neben strukturellen Merkmalen auch qualitative und interkulturelle Vorbehalte vorliegen. Sowohl diese Elterngruppe als auch die Gesamtstichprobe zeigt bei geringer Ausprägung in der Informiertheit eine deutliche Tendenz dazu, ihr Kind selbst betreuen zu wollen. Dieses Ergebnis lässt sich in Teilen damit erklären, dass aus einer geringen Informiertheit eine Art Ungewissheit, wenn nicht sogar Skepsis gegenüber außerfamiliären Betreuungssettings entstehen könnte, die dazu führt, die Betreuung selbst übernehmen zu wollen. Entsprechend zeigen sich die Befunde zur Fördereinstellung. Wenn Eltern erwarten, dass der Besuch ihres Kindes in einer Krippe förderlich für die kindliche Entwicklung ist, finden sich vergleichsweise große Unterschiede darin, die eigene Betreuung oder die Betreuung durch Verwandte zu präferieren.

Weitere Informationen: Burghardt, L. (2019). Nichtinanspruchnahme außerfamiliärer Betreuung in den ersten drei Lebensjahren – Welche Rolle spielen Migrationshintergrund, Informiertheit und Fördererwartung. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 39 (1), 5-23 https://doi.org/10.3262/ZSE1901005

Gesellschaftliche Relevanz der Ergebnisse

Die skizzierten Forschungsergebnisse sind insbesondere deshalb von gesellschaftlicher Relevanz, da sie aufzeigen, dass soziale Ungleichheiten schon im Zugang zu frühkindlicher außerfamiliärer Betreuung bestehen und weitreichende Konsequenzen für spätere Bildungs- und Berufschancen haben können. Alt, Berngruber und Pötter (2016, S.702) sprechen in diesem Zusammenhang von Familien mit Migrationshintergrund als „unfreiwilligen Nichtnutzern“, da sie sich nicht seltener um einen Betreuungsplatz bemühen, ihre Betreuungswünsche aber nur seltener in die Tat umsetzen (können). Die Autoren vermuten, dass der Ausbau des Früherziehungssystems zu einer Reduzierung des unterschiedlichen Nutzungsverhaltens führt, dieser Effekt des Rechtsanspruchs aber nur zu einem Teil die bestehenden Disparitäten im Zugang zu Kindertageseinrichtungen aufheben wird. Erste Ergebnisse der KiföG-Länderstudie weisen darauf hin, dass soziale Selektionsmechanismen in den Regionen seltener sind, wo es eine gut ausgebaute Betreuungsinfrastruktur gibt. Der weitere Ausbau von Plätzen kann somit zu einer Chancengleichheit für Eltern mit Migrationshintergrund führen. Hierin zeigen sich klare Empfehlungen für politische Entscheidungsträger_innen.

Nicht nur diese spezifische Elterngruppe würde von weiteren Betreuungsplätzen profitieren, denn es liegt eine generelle Diskrepanz von bis zu 15% zwischen Nachfrage und Angebot vor. Trotz des beachtlichen Ausbaus der Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in den ersten drei Lebensjahren (90.000 zusätzliche Plätze zwischen 2013 und 2015 auf nahezu 600.000 Plätze) zeigen sich noch immer regionsspezifische Engpässe in der Bereitstellung von Krippenplätzen. Rauschenbach, Schilling und Meiner-Teubner (2017) kommen in ihren Arbeiten zu Zukunftsszenarien der Kindertagesbetreuung zu der Schlussfolgerung, dass es bis zum Jahr 2025 267.000 weitere Plätze in der U3-Betreuung bedarf, was vor allem auf die steigende Nachfrage in Westdeutschland zurückzuführen ist. In Anbetracht auf teils schon realisierte oder kommende gesetzliche Regelungen, die einen Einfluss auf Betreuungsgebühren haben, kann angenommen werden, dass durch den Wegfall oder die Reduzierung der Betreuungskosten ein noch größerer Betreuungsbedarf entsteht. Insbesondere dort, wo sich die Landesregierungen an der Abschaffung der Kitagebühren orientieren, kann mit einer vermehrten Nachfrage an Plätzen gerechnet werden. Verstärkt wird dies vermutlich durch das „Gute-KiTa-Gesetz“ welches schon in der Pressemitteilung die Überschrift „Mehr Qualität und weniger Gebühren“ trägt (Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, 2019).  So würden vermutlich jene Eltern, die bislang die Kosten gescheut haben, erneut überlegen, ob ihr Kind in einer Krippe betreut werden soll, wenn keine zusätzlichen Kosten anfallen würden. Der Forschungsstand hierzu zeigt, dass bei der Gruppe von Eltern, die sich gegen die Inanspruchnahme entschieden haben, zwischen 30 und 40% dieser angeben, dass unter anderem die Kosten als zu hoch empfunden wurden und sie sich deswegen gegen die außerfamiliäre Betreuung entschieden haben.

Die stetig steigende Inanspruchnahme kann unter anderem als Resultat der angestrebten Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit interpretiert werden. Im Tagesbetreuungsausbaugesetz wird explizit darauf aufmerksam gemacht, dass Betreuungsplätze für Kinder von erwerbstätigen Eltern vorzuhalten sind. Dadurch, dass das konservativ-traditionelle Familienbild des Mannes als Ernährer und der Frau als Hausfrau und Mutter mehrheitlich dem Modell einer gleichberechtigten Erwerbstätigkeit gewichen ist, bedarf es entsprechender Betreuungsmöglichkeiten. Ist hierfür allerdings die Kenntnis über die frühe Anmeldung, teilweise während oder direkt nach der Schwangerschaft, nötig, so bedarf es einer entsprechenden Transparenz, damit Familien ihre Betreuungswünsche in die Tat umsetzen können. Somit kann dies als praktische Implikationen für Tätige in der Kinder- und Jugendhilfe formuliert werden. Wie oben angerissen, erscheint der Zugang über Hebammen oder Kinderärzt_innen gewinnbringend, da diese Personengruppen zum entsprechenden Zeitpunkt im direkten Kontakt mit den Familien stehen. Da insbesondere Familien mit Migrationshintergrund über eine geringe Informiertheit verfügen, könnte es sich lohnen, entsprechende Informationen zusätzlich in der jeweiligen Herkunftssprache bereitzustellen. Die Übergabe entsprechender Borschüren durch Hebammen oder Kinderärzt_innen erscheint als wenig aufwändig, ihre medizinischen sowie beratenden Tätigkeiten würden hierdurch nur marginal beeinflusst werden. Weiter könnten spezifische Anlaufstellen eingerichtet, beziehungsweise bei Jungendämtern oder Trägern angebunden werden, die Familien mit geringen Deutschkenntnissen bei der Ausfüllung des Anmeldeformulars unterstützen. Eltern müssten zusätzlich über entsprechende (freiwillige) Angebote informiert werden, damit sie nicht nur implementiert, sondern auch genutzt werden.

 

Aktuelle Publikationen:

Burghardt, L. & Kluczniok, K. (2016). Erwartungen von Eltern zu Nutzen und Kosten eines Krippenbesuchs - Eine Analyse zu Zusammenhängen mit kindbezogenen und familialen Strukturmerkmalen. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, 11(3), 339-354. https://doi.org/10.3224/diskurs.v11i3.7

Burghardt, L. (2017). Zusammenhänge elterlicher Erwartungen und Einstellungen mit der Anmeldung und späteren Inanspruchnahme einer Krippe. Frühe Bildung, 6(2), 83-92. https://doi.org/10.1026/2191-9186/a000312

Burghardt, L. (2018). Relevance of child characteristics for the envisaged and real start of childcare attendance for the under-3s in Germany. European Early Childhood Education Research Journal  26(6), 873-892. DOI: 10.1080/1350293X.2018.1533706

Burghardt, L. (2019). Elterliche Einstellungen zum Krippenbesuch und deren Einfluss auf die Inanspruchnahme einer Krippe (Dissertation). Universität Bamberg. https://doi.org/10.20378/irbo-53970

Burghardt, L. (2019). Nichtinanspruchnahme außerfamiliärer Betreuung in den ersten drei Lebensjahren – Welche Rolle spielen Migrationshintergrund, Informiertheit und Fördererwartung. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 39 (1), 5-23 https://doi.org/10.3262/ZSE1901005