Kostenmanagement

Das Kostenverhalten von Unternehmen stellt ein zentrales Thema des Rechnungswesens dar. Die Kostenlehre unterscheidet zwischen fixen und variablen Kosten. Während fixe Kosten in einer bestimmten Zeitperiode konstant und unabhängig von der Absatzmenge sind, verändern sich variable Kosten je nach Nachfrage und unterliegen somit auch kurzfristigen Ermessensentscheidungen des Managements. Die traditionelle Kostentheorie postulierte ein proportionales Verhältnis zwischen variablen Kosten und der Absatzmenge. Jedoch besteht heute empirische Evidenz zum Phänomen der Kostenremanenz (englisch: Cost Stickiness), wonach selbst variable Kosten bei einem Umsatzrückgang nicht in dem Maße sinken wie sie bei einem Umsatzwachstum ansteigen. In der Literatur werden hierfür insbesondere zwei Ursachen diskutiert. Zum einen wird argumentiert, dass optimistische Manager bei einem Rückgang des Umsatzes Ressourcen im Interesse der Anteilseigner nicht abbauen, um ökonomisch effizienter auf eine (subjektiv zeitnahe) Besserung der Nachfrage reagieren zu können. Zum anderen wird vermutet, dass das Management auch persönliche Erwägungen in diese Entscheidung mit einfließen lässt und Ressourcen beispielsweise nur durch den persönlichen Prestigeverlust bei einem Umsatzrückgang nicht abbaut. Daraus ergeben sich wichtige wissenschaftliche Fragestellungen: Erfolgen diese Entscheidungen rein im Interesse des Unternehmens oder spielen auch opportunistische Erwägungen des Managements eine signifikante Rolle? In diesem Kontext ist auch interessant, welche Faktoren diese Entscheidungen beeinflussen (z. B. das Vergütungssystem oder Corporate Governance Mechanismen) und welche Implikationen sich daraus für Unternehmen, Adressaten des Rechnungswesens sowie den Gesetzgeber ergeben

Projektleitung:
Sven Hartlieb

Beteiligte:
Prof. Dr. Brigitte Eierle
Sven Hartlieb
Prof. Dr. Thomas Loy (Universität Bayreuth)

Laufzeit:
seit Oktober 2016

Teilprojekt 1

Der Einfluss des sozialen Umfelds auf das Kostenmanagement

Inhalt und Ziele:

Die sozialwissenschaftliche Forschungsliteratur konnte feststellen, dass menschliche Entscheidungen nicht unabhängig vom sozialen Umfeld getroffen werden. So schränken beispielsweise soziale Normen opportunistisches Verhalten ein und das allgemeine Vertrauen innerhalb einer Gesellschaft fördert Kooperationen, was einen wesentlichen Einfluss auf Transaktionskosten oder Risikoerwägungen hat. In diesem Teilprojekt soll daher untersucht werden, ob und wie sich das soziale Umfeld des Unternehmens auf Kostenentscheidungen des Managements und somit den Grad der Kostenremanenz auswirkt. Dafür werden etablierte soziologische Konzepte herangezogen, die den sozialen Zusammenhalt in einer Region oder Jurisdiktion beschreiben.

Methode:

Archivstudie basierend auf nationalen (USA) und internationalen Daten kapitalmarktorientierter Unternehmen.

Erste Ergebnisse:

Die empirischen Ergebnisse des Teilprojekts zeigen, dass unternehmerische Entscheidungen nicht in einem sozialen Vakuum entstehen, sondern auch durch informelle Institutionen geprägt sind. Es wird festgestellt, dass soziales Kapital (oder genauer: soziale Normen) das opportunistische Verhalten  von Managern einschränkt und dadurch Kostenremanenz reduziert. Hierbei zeigt sich jedoch, dass soziales Kapital und Corporate Governance in einer substituiven Beziehung stehen. So sind unternehmensinterne Kontrollen zur Bekämpfung opportunistischen Managementverhaltens und der damit verbundenen Kostenremanenz vor allem dann relevant, wenn keine ‚externe Kontrolle‘ durch gesellschaftliche Normen gegeben ist.

Während die Existenz von sozialem Kapital (sozialen Normen) Kostenremanenz reduziert, können diese Ergebnisse für in der Gesellschaft vorhandenes „Vertrauen“ nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, ist eine Gesellschaft von hohem „allgemeinen Vertrauen“ geprägt, führt dies zu höherem Optimismus bei Managern, was wiederum zu einer stärkeren Kostenremanenz führt.

Praxisrelevanz:

Die empirischen Erkenntnisse dieses Teilprojekts sind insbesondere für Anteilseigner von Unternehmen relevant, um Entscheidungen des Managements und die Wirksamkeit von Corporate Governance Mechanismen besser beurteilen zu können. Zudem sind die Ergebnisse auch für Gesetzgeber und Regulatoren von Interesse, da aufgezeigt wird, dass nicht nur formelle Institutionen alleine, wie Gesetze oder Richtlinien einen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen haben, sondern auch das Zusammenwirken mit informellen Institutionen eine wichtige Rolle spielt.

Veröffentlichungen:

  • Hartlieb, S./Loy, T./Eierle, B. (im Erscheinen): Does Community Social Capital Affect Asymmetric Cost Behaviour? in: Management Accounting Research (MAR).
  • Hartlieb, S./Loy, T./Eierle, B. (im Erscheinen): The Effect of Generalized Trust on Cost Stickiness: Cross-Country Evidence, in: The International Journal of Accounting (TIJA).

Projektleitung:
Sven Hartlieb

Beteiligte:
Sven Hartlieb
Prof. Dr. Thomas Loy (Universität Bayreuth)

Laufzeit:
seit Juni 2016

Teilprojekt 2

Empirische Evidenz zum Trade-Off zwischen Kostenremanenz und Ergebnisglättung


Inhalt und Ziele:

In diesem Teilprojekt wird das Verhältnis zwischen Kostenremanenz und Ergebnisglättung untersucht. Beides sind Phänomene des Rechnungswesens und maßgeblich Resultat von Managemententscheidungen. Während Kostenremanenz auf einer asymmetrischen Behandlung von Kosten im Falle von Umsatzschwankungen basiert und somit zu einer stärkeren Schwankung des Unternehmensergebnisses führt, resultiert Ergebnisglättung aus Anreizen für einen langfristig ausgeglichenen Ertragspfad. In dieser Arbeit soll daher die Beziehung zwischen diesen beiden Phänomenen untersucht werden, um Rückschlüsse auf innerbetriebliche Interdependenzen von Anreizsystemen und Managemententscheidungen zu ziehen.

Methode:

Archivstudie basierend auf Daten US-amerikanischer kapitalmarktorientierter Unternehmen.

Erste Ergebnisse:

Es wird empirisch festgestellt, dass ein Trade-Off zwischen der Kostenremanenz und Ergebnisglättung besteht. Manager können somit nicht simultan den Motiven für sowohl die Kostenremanenz als auch Ergebnisglättung nachgehen, sondern müssen die jeweiligen Motive abwägen.

Relevanz:

Die Ergebnisse der Studie sind insbesondere für Anteilseigner von Unternehmen relevant. Es wird aufgezeigt, dass Interdependenzen zwischen Entscheidungen aus dem internen und externen Rechnungswesen bestehen, was beispielsweise bei Corporate Governance Strukturen oder Anreizsystemen (z. B. Vergütung, Boni) berücksichtigt werden sollte. Zudem sind die Erkenntnisse auch für den wissenschaftlichen Diskurs relevant, da offenbart wird, dass Managemententscheidungen und deren Einflussfaktoren nicht einfach separat, sondern im Gesamtkontext eines Unternehmens betrachtet werden müssen.

Working Paper:         

  • Evidence on the Trade-Off between Cost Stickiness and Income Smoothing.

Weitere bereits abgeschlossene, veröffentliche Teilprojekte

  •  Hartlieb, S./Loy, T. (2018): Have Estimates of Cost Stickiness Changed Across Listing Cohorts?, in: Journal of Management Control (JoMaC), 29. Jahrgang, 2018, Heft 2, S. 161-181.

Bilder