Brigitta Imme

Betreuer/in

Prof. Dr. Iris Hermann (Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft)

Dissertationsprojekt

Zwischen Mythos, Utopie und Dystopie? Topographien in der deutschsprachigen Literatur Mandatspalästinas und Israels

Im Rahmen des Promotionsprojektes werden unter Rückgriff auf neuere Ansätze der Literatur- und Kulturwissenschaften über Mandatspalästina und Israel verfasste Prosatexte erstmalig umfassend erschlossen und ausgewertet, die von den 1920er- bis in die 1960er-Jahren hinein entstanden.
Folgende Kontexte sind für dieses stilistisch und intentional heterogene Textkorpus relevant: zionistisch motivierte Palästinareisen, die Schnittstelle von Reise- und Migrationsliteratur sowie der mit der Migration verbundene Akkulturationsprozess, der sich innerhalb des nation building im britischen Mandatsgebiet vollzog.

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die gedächtniskonstitutive Funktion der Texte über die Semantisierung der dort literarisierten realen und imaginären Orte und Räume zu erschließen. Dadurch wird nicht nur das erinnerungskulturelle Potenzial des Textkorpus zum ersten Mal vermessen, gleichzeitig können die Textbefunde einen wertvollen Beitrag zu Forschungsdiskussionen leisten, die innerhalb der kulturwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaften und der Jüdischen Geschichte geführt werden. Im Zentrum dieser Forschungsdebatte steht die Frage, ob der Zionismus während des nation building erfolgreich eine hegemoniale und uniforme Leitkultur etablierte, oder ob die sich formierende israelische Gesellschaft überwiegend durch kulturelle Diversität und Pluralität geprägt war.

Methodisch fundiert wird die Arbeit durch die Kombination eines raumwissenschaftlichen mit einem gedächtnistheoretischen Ansatz, wodurch die irreversible Verbindung von Raum und Erinnerung methodisch integriert werden kann, die bereits von antiker Mnemotechnik genutzt, von Kant philosophisch gefasst und von neurobiologischer Forschung belegt wurde. Basierend auf diesem raumwissenschaftlich-gedächtnistheoretischen Ansatz sollen die bis jetzt primär von den Sozial- bzw. Kulturwissenschaften rezipierten Theorien und Modelle der Raum- und Gedächtnisforschung an literaturwissenschaftliche Fragestellungen anschlussfähig gemacht werden, um von den bis jetzt noch kaum genutzten Synergieeffekten einer kulturwissenschaftlich-literaturwissenschaftlichen Analyse zu profitieren und diese an einem noch weithin unerschlossenen Korpus zu erproben. 

Der gewinnbringende Einsatz einer raumzentrierten Erschließung der literarischen Texte besteht darin, dass figurale Selbstverortungen des Dazwischen kartierbar, Räume und Orte artikulierter Gegengedächtnisse vermessen und wahrgenommen werden und der Zionismus als ein binäres Raumsemantisierungsverfahren greifbar wird, das mythische, utopische, aber auch dystopische Züge trägt. Zudem wird offengelegt, inwiefern Erinnerungsorte jüdischer Tradition wiederentdeckt, neu angeeignet oder verworfen werden, um zwischen Mythos und Moderne eine neue Identität zu konstruieren.

Das Korpus bilden Texte von Jenny Aloni, Mosche Ya'akov, Ben-Gavriêl, Erich Gottgetreu, Arthur Koestler, Else Lasker-Schüler, Felix Salten, Gabriele Tergit und Arnold Zweig.

Biographie

WS 2018: Immatrikulation als Promotionsstudentin der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

2015/Juli: Magisterabschluss mit Auszeichnung (Note 1,0) an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Titel der Magisterarbeit: "bei uns sprechen die Steine". Trauma und Paradox bei Nelly Sachs und Hilde Domin

2014/Juni: Forschungsaufenthalt im Deutschen Literaturarchiv Marbach zur Erschließung der in weiten Teilen noch unveröffentlichten Korrespondenz zwischen Nelly Sachs und Hilde Domin im Rahmen der Magisterarbeit, gefördert vom Studienbüro der Fakultät Sprach- und Literaturwissenschaften

2014/Januar - Juli: Ivritkurse an der Jüdischen Volkshochschule in München

SoSe 2009 - WS 2015: Magisterstudium der Neueren deutschen Literaturwissenschaft, Evangelischen Theologie und der Deutschen Sprache und Literatur des Mittelalters an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Praktikum

2017/Januar - März: Praktikum beim Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Bad Nauheim

Tätigkeitsschwerpunkt: Mitorganisation des Festaktes zur Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille in der Frankfurter Paulskirche

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

Deutsch-jüdische Literatur mit dem Schwerpunkt auf der deutschsprachigen Literatur Mandatspalästinas und Israels

Exilliteratur

Trauma und Literatur




Lehrtätigkeit

Proseminar Lyrik nach der Shoah im SoSe 2019

 

Vortragstätigkeit

Organisation und Konzeption der literarischen Soiree "Die Verwandlungen der Welt - zur Lyrik von Nelly Sachs" in der ehemaligen Synagoge in Altenkunstadt am 21.02.2016