Promotionsthema: Die Diskussion um die Gülen-Bewegung in der Türkei

Abstract des Promotionsvorhabens (Stand November 2014):


In der vorliegenden Dissertation soll die Untersuchung des Selbstverständnisses der Gülen- oder Hizmet-Bewegung anhand von Schlüsselbergriffen im Zentrum stehen.
Gemeinsam sind der mittlerweile weltweit agierenden und dezentral organisierten Bewegung der gemeinschaftliche, ideologische Rückbezug auf das religiös-theologische Gedankengut des türkischen Predigers Fethullah Gülen (geboren 1941) und die damit einhergehende Reflexion der türkisch-islamischen Diaspora. Jeder von Gülen inspirierten Einrichtung liegt ein gleiches Wertesystem zugrunde, das sich wiederum in der Interaktion mit der Öffentlichkeit, anderen gesellschaftlichen Akteuren und den jeweiligen staatlichen Rahmenbedingungen abzeichnet.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach identitätsstiftenden Schlüsselbegriffen innerhalb der Gülen-Bewegung und wie diese textlich, medial und institutionell weitergegeben und vermittelt werden. Neben den Eigendefinitionen soll ebenso die Außenperspektive auf die Bewegung miteinbezogen und der Innenperspektive gegenübergestellt werden. Hierbei spielen politische, religiös-islamische und sozialwissenschaftliche Sichtweisen auf die Person Gülen und die Gülen-Bewegung eine wichtige Rolle; auch Berichte ehemaliger Sympathisanten sollen Beachtung finden.
Durch das Auswerten der Literatur bezüglich Innen- und Außerperspektive werden thematische Schwerpunkte und grundlegende Begrifflichkeiten, die der Gülen-Bewegung zugrunde liegen, herausgearbeitet, um die Intentionen und Wirkungsweisen der Bewegung sukzessiv deutlicher und transparenter zu machen.
In einem zweiten Schritt werden die Ergebnisse – sowohl im türkischen als auch deutschen Kontext – auf die zukünftige Entwicklung der Gülen-Bewegung hin ausgewertet. Es gilt zu klären, welche etwaigen Transformations- und Anpassungsprozesse der Bewegung im transnationalen Kontext zu prognostizieren sind. Fragen nach dem Demokratieverständnis in Auseinan-dersetzung mit einer islamischen Deutungshoheit, das Themenfeld interreligiöser Dialog, aber auch eventuelle Widersprüche der inneren Haltung gegenüber der äußeren Darstellung sind beispielhaft zu nennen.