Promotionsthema: Die Paradiesjungfrau im Koran. Historischer Kontext und Exegese

Die Dissertation beschäftigt sich mit dem islamischen Konzept der „Paradiesjungfrauen“ (Ḥūr ʻῑn Sg. Ḥaurāʼ, auch Ḥūrīya) und untersucht die Entwicklung des islamischen Verständnisses der Ḥūr von der Anfangszeit der Exegese bis in die Moderne durch die Analyse dieser Vorstellung in exegetischen Werken. Es wird erforscht, welches Verständnis die ersten Muslime von der Paradiesjungfrau hatten, wie diese Vorstellung den Interessen verschiedener Gruppen angepasst wurde und inwieweit und warum sie über Jahrhunderte eine Veränderung erfuhr. Weiterhin werden ideen- und begriffsgeschichtliche Untersuchungen im Christentum und im Zoroastrismus angestellt und nach ähnlichen Vorstellungen in beiden Religionen gesucht. Dies ermöglicht ein besseres Verständnis des Begriffs, der im Westen häufig diskutiert und als Beweis für die Primitivität des Islam angesehen wird, über den jedoch noch keine umfangreiche Abhandlung erstellt wurde.
Die Paradiesjungfrau trägt erotische Züge und ist nach der verbreiteten Vorstellung dem männlichen Gläubigen im Paradies als Belohnung versprochen. Sie stellt in den Augen der Gläubigen einen Ersatz für die irdische Frau dar. Durch die Analyse der Beziehung zwischen den Ḥūr und irdischen Frauen leistet diese Arbeit auch einen Beitrag zum Verständnis des Frauenbilds im Islam.
Zwei Untersuchungen über die Jenseitsvorstellung im Islam und den Ğihād zeigen, dass die Paradiesjungfrau in sunnitischen religiösen Quellen (vom 9. ins 12. Jh.) und bei den Asketen des 8.-15. Jh., die Werke über den „heiligen Krieg“ verfassten und Ḥūr zur Motivation der freiwilligen Kämpfer benutzten, immer mehr Popularität gewann. Es wird jedoch nicht erklärt, warum die Familie des Gläubigen ihren Platz im Paradies zugunsten der einzigen Begleiterinnen Ḥūr verliert. So bleiben nicht nur die Gründe dieser Entwicklung unverständlich, sondern auch die Ansichten und die Entwicklungen dieser Vorstellung bei anderen Strömungen des Islams aus der gleichen und späteren Zeit unerforscht.
Aus diesem Grund untersucht die geplante Arbeit zum ersten Mal nicht nur die gesamte Entwicklung des islamischen Verständnisses der Ḥūr, sondern zeigt auch, wie verschiedene islamische Strömungen diese Vorstellung aktiv mitgestaltet und verändert haben.
Die beabsichtigte Arbeit wird in zweierlei Hinsicht begrenzt, einmal durch die beschränkte Anzahl der einschlägigen Koranverse (19) und zum zweiten durch die Anzahl der exegetischen Werke (37).