5C – Cross-Cultural Collaboration on Contemporary Careers

Inhalt und Ziele

Die Cross-Cultural Collaboration on Contemporary Careers, kurz 5C Group, ist ein nicht-gewinnorientiertes Konsortium von Professoren- und Dozententeams aus Kulturregionen auf der ganzen Welt, das sich mit dem beruflichen Erfolg und dem Karrieremanagement beschäftigt und untersucht, wie diese sich unterscheiden. Neben den kulturellen Unterschieden werden auch Faktoren wie Alter (oder "Generation"), familiärer Hintergrund, Ethnie, Industrie usw. untersucht, um deren Auswirkungen auf die Unterschiede in der Karriere zu beurteilen. Der ultimative Zweck der Gruppe ist es, das Verständnis für moderne Karrieren zu verbessern, um die Wissenschaft zu fördern, Unterschiede zu schätzen und fortschrittliche Lösungen für das Management von Karrierethemen (z.B. Work-Life-Balance, Erfüllung) für Einzelpersonen, Berufspraktiker, Organisationen und sogar Gesellschaften zu finden.

Das 5C-Forschungskonsortium verfolgt zwei Forschungsschwerpunkte: die kontextuelle Einbettung von Karrieren und die vergleichende Karriereforschung.

Kontextuelle Einbettung von Karrieren – Jede Nation hat ihre eigenen spezifischen institutionellen Regelungen, tief verwurzelten Werte, Einstellungen und Überzeugungen. Sie informieren und spiegeln sich in der Art und Weise wider, wie die Gesellschaft und die Wirtschaft agieren, und in der Art und Weise, wie Menschen am Arbeitsplatz arbeiten und gelenkt werden. Karriereplanung, Beförderungsentscheidung, individuelle Karriereentscheidungen und Karrierepräferenzen unterscheiden sich nachweislich zwischen institutionellen Kontexten und kulturellen Werten wie Zukunftsorientierung, Machtdistanz und Individualismus. Der Großteil der Berufsforschung wurde jedoch innerhalb einzelner Länder durchgeführt, vor allem in den WEIRD-Ländern (Western, Educated, Industrialized, Rich und Democratic). Dies hat zu einem allgemeinen Unverständnis über die Feinheiten berufsbezogener Konzepte und die heterogenen Ansichten über Karrieren von Individuen auf der ganzen Welt beigetragen. Tatsächlich bleiben die institutionellen und kulturellen Perspektiven auf Karrieren in den meisten Karriereforschungen weitgehend unberücksichtigt.

Wichtige Forschungsfragen, um dies anzugehen, sind zum Beispiel:

  • Wie beeinflussen Kultur, institutioneller Kontext und andere Makrofaktoren die Konzeptionen von Karriere und Karriereerfolg? Inwieweit können sie kulturübergreifend sinnvoll verglichen werden?
  • Inwieweit existiert das Konzept von Karriere und Karriereerfolg in der "Natur"? Wenn ja, inwieweit wird dies durch individuelle Faktoren (z.B. selbstgesteuertes Karriereverhalten, Persönlichkeit) gegenüber übergeordneten Faktoren (z.B. Kulturen, Wirtschaftssysteme, Bildungsniveaus oder Generationen) definiert?
  • Welche kontextspezifischen Merkmale von Karrieren finden sich auf struktureller Ebene, z.B. in der Karriereplanung, den Karrierepfaden, der Karriereentscheidung und den Beförderungskriterien?
  • Welche kontextspezifischen Merkmale von Karrieren finden sich auf der Verhaltensebene in individuellem Karrieremanagement, Karrierewünschen, Karriere-Erfolg und Karrieremobilität?

Vergleichende Karriereforschung – Neben einem interkulturellen Ansatz, der sich auf kulturelle Unterschiede konzentriert, nimmt die Vergleichende Karriereforschung - ähnlich wie die vergleichende Personalforschung - eine breitere Sicht auf internationale Karrieren ein. Sie beinhaltet auch andere kontextuelle Faktoren wie institutionelle Regelungen oder nationale Grenzen und konzentriert sich explizit auf den Vergleich zwischen verschiedenen kontextuellen Rahmenbedingungen. Dies bedeutet unter anderem zwangsläufig eine stärkere Fokussierung auf Kontext und Struktur, die der bisherigen "reinen Akteure-Tendenz" in der Berufsforschung entgegenwirkt. Länder können klein oder groß sein, haben mehr oder weniger regionale Unterschiede, umfassen eine oder mehrere Sprachgruppen und sind mehr oder weniger wirtschaftlich entwickelt. Sie können unterschiedliche Arbeitsmärkte und Bildungssysteme, unterschiedliche Arbeitsgesetze und Gewerkschaften sowie unterschiedliche kulturelle Erwartungen haben. Die Forschung hat verschiedene Karrieremodelle identifiziert, die für bestimmte Länder relevant sind, z.B. in Bezug auf Berufseinstieg und -entwicklung, Karrierepfade, berufliche Erfolgsfaktoren und Karriereübergänge innerhalb und zwischen Unternehmen. Wichtige Forschungsfragen, um dies anzugehen, sind zum Beispiel:

Wie beeinflussen verschiedene institutionelle Faktoren Karrieresysteme?

  • Wie unterscheiden sich in diesem Zusammenhang die tatsächlichen Karrieren und Karrierepraktiken von Land zu Land?
  • Was sind die vergleichenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Ländern und zwischen den Regionen?
  • Beobachten wir im Laufe der Zeit Muster von Stillstand, Konvergenz und/oder Divergenz zwischen den Ländern in Bezug auf die Karrieresysteme und -praktiken?
  • Wer oder was sind die Schlüsselakteure bei der Veränderung (oder Starrheit) von Karrieresystemen und -praktiken und durch welche Art von Prozessen geschieht dies?

Methode

Eine erste qualitative Befragungswelle diente der induktiven Erhebung von Karriereerfolgsfaktoren. Befragt wurden Erwerbstätige in Ländern aller Kontinente.
Die zweite quantitative Befragungswelle diente der Validierung der 5C Skala zur Messung des subjektiven Karriereerfolgs. Darüber hinaus wurden umfangreiche Angaben zu Karriereerwartungen, -einstellungen und -verhalten erhoben. Befragt wurden Personen aus verschiedenen Berufsgruppen in mehr als 30 Ländern auf allen Kontinenten.
Eine dritte Befragungswelle ist in Vorbereitung.
Die zur Anwendung kommenden Forschungsmethoden umfassen unter andrem multi-level SEM, fsQCA, qualitative Inhaltsanalyse

Gesellschaftliche Relevanz und Nutzung der Ergebnisse

An dem 5C Projekt sind interdisziplinäre Forscherinnen und Forscher aus mehr als 30 Ländern beteiligt. Dies zeigt nicht nur die nationale, sondern vor allem die globale gesellschaftliche Relevanz des Themas Karriere und Karriereerfolg über Ländergrenzen und Disziplinen hinweg auf.

Die Ergebnisse können auf politischer Ebene zur Einschätzung potentieller Effekte bei Einführung neuer Praktiken verwendet werden. Auf organisationaler Ebene helfen die Ergebnisse insbesondere multinationalen Unternehmen, die Effektivität verschiedener Personalmanagementinstrumente in unterschiedlichen Ländern abzuschätzen und die Entscheidung zur Lokalisierung versus Standardisierung zu treffen. Auf individueller Ebene unterstützen die Ergebnisse die Selbstreflektion.

Die Ergebnisse der zweiten Befragungswelle sind graphisch aufbereitet und online abrufbar: www.5c.careers

Bamberger Kompetenzen

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie sich individuelle Karrierekonzeptualisierungen, Karriereerfolg und Karriereübergänge in verschiedenen Kulturen, Generationen oder Berufsgruppen unterscheiden. Von Bamberger Seite wird umfangreiche Expertise in der (qualitativen und quantitativen) empirischen Erforschung von Karrieren, Karriereerwartungen und Karrierepfaden in verschiedenen Ländern eingebracht samt der in den letzten Jahren gewonnenen inhaltlichen Erkenntnisse. Ein weiterer Beitrag besteht in der Konzeptualisierung und theoretischen Fundierung der Studien (inklusive Theorientriangulation, auch auf interdisziplinärer Ebene).

Aktuelle Publikationen

Gubler, M., Eggenhofer-Rehart, P., Andresen, M., Mandel, D., Mayrhofer, W., Lehmann, P., Schleicher, N. E., & Schramm, F. (2019). Are teachers “same same but different”? The meaning of career success across occupations. Teacher Development, , forthcoming.

Smale, A., Bagdadli, S., Cotton, R., Dello Russo, S., Dickmann, M., Dysvik, A., Gianecchini, M., Kaše, R., Lazarova, M., Reichel, A., Rozo, P., Verbruggen, M. & the Cross‐Cultural Collaboration on Contemporary Careers (5C) research collaborative (2019). Proactive career behaviors and subjective career success: The moderating role of national culture. Journal of Organizational Behavior, 40(1), 105-122. doi: 10.1002/job.2316

Andresen, M. (2018). When at home, do as they do at home? Valuation of self-initiated repatriates’ competences in French and German management career structures. International Journal of Human Resource Management, forthcoming. doi: 10.1080/09585192.2018.1511612. 

Andresen, M., & Adam, L. (2015). Erwartungen an Arbeit, Freizeit und Karriere der Generation Y. In: H. Fechtrup, W. Hoye, & T. Sternberg (Eds.), Arbeit – Freizeit – Muße – Über eine labil gewordene Balance (pp. 149-180). Berlin: Lit. 

Andresen, M., Apospori, E., & Briscoe, J. (2019). Comparing careers across countries: New scholarship and directions (Symposium). In: Proceedings of the Academy of Management 2019 Annual Meeting, Boston/USA, August 9 - 13, 2019.

International Theme Committee’s (ITC’s) Emerald Best International Symposium Award Finalist

Lazarova, M., Bosak, J., & Andresen, M. (2018). Symposium titled "Careers and Career Success Across National Contexts". In: Academy of Management Proceedings, 2018(1), July 1, 2018, Academy of Management 2018 Annual Meeting, Chicago, IL/USA, August 10 - 14, 2018. http://journals.aom.org/toc/amproc/2018/1?ai=sc&ui=3rnd&af=H

Carolyn Dexter Award 2018 /International Theme Committee’s (ITC’s) Emerald Best International Symposium Award Finalist

Careers Division 2018 Best Symposium Award Finalist, nominated by the Careers Division of the Academy of Management

Eggenhofer-Rehart, P., Andresen, M., Gubler, M., & Mayrhofer, W. (2018). Doing good what money can’t buy? Exploring teachers’ career success preferences in DACH-countries. In: Proceedings of the 34th EGOS Colloquium ‘Surprise in and around Organizations: Journeys to the Unexpected', Tallinn/Estonia, July 5-7, 2018.

Briscoe, J., Kaše, R., Dries, N., Dysvik, A., Unite, J., Adelye, I., Andresen, M. et al. (2017). Minding the gap(s): Development and validation of a cross-cultural measure of subjective career success. In: Proceedings of the 3rd Global Conference on International Human Resource Management, New York/USA, May 18-20, 2017.

Andresen, M., Lehmann, P., Schramm, F., & Schleicher, N. (2016). Forschungsprojekt „5C“ Cross-Cultural Collaboration on Contemporary Careers. Ein internationales Forschungsprojekt zu Karrierezielen und Karrierezufriedenheit von Berufstätigen. Zusammenfassung der deutschen Resultate für Teilnehmende der Umfrage 2014/15. Forschungsprojektbericht, Februar 2016 (22 Seiten)(539.6 KB)

Gubler, M., Mandel, D., Andresen, M., & Lehmann, P. (2016). Aspirations, engagement and enablers of success in teachers' careers - A cross-cultural, cross-occupational comparison. In: Proceedings of the EARLI Conference 2016 'Diversity and Inclusion as a Challenge for Teacher Education', Special Interest Group "Teaching and Teacher Education", Zurich/Switzerland, June 20-22, 2016.

Briscoe, J., Andresen, M., Apospori, E., Gunz, H., Lysova, E., Lehmann, P., ... Khapova, S. (2016). Exploring subjective career success around the world: Accounting for agency and structure. Symposium. In: Proceedings of the 76th Academy of Management 2016 Annual Meeting, Anaheim/USA, August 5-9, 2016.

Mandel, D., Andresen, M., & Lehmann, P. (2016). Are teachers different? Teachers' careers vs. careers of other occupational groups. In: Proceedings of the EARLI Conference 2016 'Diversity and Inclusion as a Challenge for Teacher Education', Special Interest Group "Teaching and Teacher Education", Zurich/Switzerland, June 20-22, 2016.

Schleicher, N., Eggenhofer-Rehart, P., Andresen, M., Dickmann, M., Gubler, M., Lehmann, ... Schramm, F. (2015). Subjective career success in the D-A-CH-region - First results of the 5 C survey. In: Proceedings des Herbstworkshops der Kommission Personalwesen des VHB, Graz/Österreich, 24.-25. September 2015.

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