Hochschultag Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit

2. Bamberger Hochschultag: Öffentliche Veranstaltung mit Experten, Studierenden & Gästen

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Ort und Zeit

Zeit: 14. Mai 2014, ab 12.30 Uhr

Ort: Feldkirchenstr. 21 - Raum F 137 (Anfahrt)

Programm

ZeitInhalt
12.30 Uhr

Begrüßung und Einführung in das Thema

Prof. Dr. Dr. habil. Godehard Ruppert (Präsident der Universität Bamberg)

Prof. Dr. Björn Ivens (Universität Bamberg, Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften)

13.00 Uhr

Warum Wachstumskritik? – Impulsreferate und Diskussion

Petra Pinzler (DIE ZEIT, Autorin "Immer mehr ist nicht genug. Vom Wachstumswahn zum Bruttosozialglück"): "Warum Wachstum als Leitgedanke der Politik keine Zukunft hat. Entwicklung neuer Wohlstandsindikatoren."

Prof. Dr. Werner Wild (Techn. Hochschule Nürnberg, Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement): "Ist "Green Economy" eine geeignete Lösung? Hilft nachhaltigeres Wirtschaften von Unternehmen?"

14.30 UhrKaffeepause – Markt der Möglichkeiten
15.00 UhrWie könnte eine Postwachstumsökonomie funktionieren? – Keynote-Speech

Prof. Dr. Niko Paech (Univ. Oldenburg, Autor "Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie"): Das derzeitige, auf maßloser Selbstverwirklichung beruhende Wohlstandsmodell ist nicht zu retten. Es erfordert eine Ablösung durch das Konzept der Postwachstumsökonomie.

Diskussion mit dem Referenten - Moderation: Thomas Viewegh, Bayerischer Rundfunk
16.45 UhrKaffeepause – Markt der Möglichkeiten
17.00 Uhr

Die Rolle des Geldes

Ralf Becker (Christen für eine gerechte Wirtschaftsordnung e. V.; Berater / Begleiter von Regio-Geldinitiativen): Haben wir die Wahl? Unser Geldsystem zwingt uns zum Wirtschaftswachstum.

Raphael Fellmer (Autor von "Glücklich ohne Geld. Wie ich ohne einen Cent besser und ökologischer lebe". Er lebt seit 2010 mit Frau und Kind als Lebenskünstler im Geldstreik, für seinen Traum von einer Welt ohne Geld):
Wie kann ich mich geldfrei entfalten?

18.15 Uhr

Abschließende Diskussion– Podium und Auditorium

N. Paech, R. Becker, R. Fellmer, W. Wild, R. Mergner (Landesbeauftragter Bund Naturschutz)

Moderation: Thomas Viewegh, Bayerischer Rundfunk

Ab 19.00 Uhr

Nachhaltig (diskutieren und) feiern

Imbiss und Getränke im Innenhof der Fakultät

Rahmenprogramm

Im Foyer findet ein Markt der Möglichkeiten mit diversen Informationsständen statt.

Veranstalter:

Praxisforum an der Universität Bamberg – Arbeitskreis für Wirtschaft und Wissenschaft – e.V. in Kooperation mit:

Zum Thema des Hochschultages

Was soll die Wirtschaft? Wachsen, schrumpfen oder grünen?

Die Wirtschaft muss wachsen! Wir brauchen (wieder mehr) Wirtschaftswachstum!

Unverändert halten Politik, Wirtschaft und oft auch Wissenschaft eine fortwährende Steigerung des Bruttosozialprodukts für unverzichtbar, um unseren Wohlstand zu mehren oder sichern. Auf Unternehmensebene gilt: Wir müssen wachsen, wenn wir am Markt bestehen wollen. Als Gradmesser für Erfolg gelten dabei vor allem steigende Gewinne, Umsätze und Beschäftigtenzahlen.

An diesem Credo entzündet sich in letzter Zeit eine immer lauter artikulierte Wachstumskritik, eine immer intensiver geführte Postwachstumsdebatte. Denn eigentlich überfordern wir mit unserer Wachstumseuphorie unseren Planeten schon längst. Zudem wird der Spielraum für stetiges Wachstum wohl immer kleiner. Immer mehr Menschen, vor allem jüngere, haben genug von unserer materiell orientierten Überflussgesellschaft und fühlen sich überfordert von der hektischen Arbeitswelt. Der Anspruch der Wirtschaft auf Wachstum trifft auf den zunehmenden Widerstand einer umweltbewegten und an einem einfacheren Lebensstil interessierten Bevölkerung.

Ausgerechnet Ludwig Ehrhard, der Vater des deutschen Wirtschaftswunder, hatte  vorhergesagt, dass sich dereinst „die Woge bricht, wo der Aufwand an materiellen Mitteln, an Fleiß, an körperlicher und geistiger Kraft, sich nicht mehr lohnt“. Drei Jahre später, als Bundeskanzler, kündigte er an: „Wir werden sogar mit Sicherheit dahin gelangen, dass zu Recht die Frage gestellt wird, ob es noch immer richtig und nützlich ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen oder es nicht sinnvoller ist, unter Verzichtsleistungen auf diesen ‚Fortschritt’ mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen.“

In der Debatte um die Zukunft des Wirtschaftswachstums beweisen bisher nur wenige den Mut, ihre Meinung zu ändern. Der Satz »Die Wirtschaft kann nicht ewig weiter wachsen« löst reflexhafte Abwehrreaktionen aus. In der Wirtschaft, aber auch unter Politikern jeglicher Couleur und unter Wirtschaftswissenschaftlern. Die meisten Ökonomen ignorieren das Thema und weigern sich bislang, über die Folgen geringer Wachstumsraten nachzudenken. Getreu dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Doch das ändert sich. An Universitäten und in Denkfabriken ist eine Abwendung vom Wachstumsparadigma das Thema. Eine Flut von Fachbüchern begründet, „Warum wir Wirtschaft neu denken müssen“ (P. Sukhdev), verkündet "Wohlstand ohne Wachstum" (Tim Jackson) oder die "Befreiung vom Überfluss" (Niko Paech) oder fragt „Wieviel ist genug?“ (Skidelsky./Skidelsky). Der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel hat nicht nur ein Buch über das Ende des Wachstums geschrieben ("Exit"), sondern organisiert mit seiner Stiftung "Denkwerk Zukunft" regelmäßig prominent besetzte Seminare, auf denen Alternativen zur tradierten Wachstumspolitik angedacht werden. Nachdenkliche Journalisten befassen sich ebenfalls längst mit dem Thema, so etwa Petra Pinzler von der ZEIT, Autorin von „Immer mehr ist nicht genug. Vom Wachstumswahn zum Bruttosozialglück“.

Unternehmen, die langfristig weiter wachsen wollen, müssen diesen Anspruch nicht nur gegen die zunehmende Knappheit von Ressourcen abwägen, sondern auch gegenüber einer ökologisch denkenden Gesellschaft rechtfertigen. Die Wirtschaft einfach ein bisschen „grüner“ zu verpacken, wird dabei auf Dauer nicht überzeugen. Die negativen Folgen des Wachstums, Umweltzerstörung und als ungerecht empfundene Einkommensunterschiede, dürften dazu zu stark ins Gewicht fallen.

Brauchen und wollen wir also nach wie vor immer weiteres Wachstum? Können wir so weitermachen mit der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Belastung der Umwelt? Hilft es, stärker auf „grünes Wachstum“ zu setzen? Oder müssen wir uns in unserem Lebensstil einschränken, vom Überfluss befreien?

Solchen Fragen geht, mit Unterstützung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), der zweite öffentliche Hochschultag „Ökosoziale Marktwirtschaft und Nachhaltigkeit“ der Universität Bamberg am 14. Mai 2014 nach. Renommierte Experten aus Wissenschaft, Praxis und Medien werden darüber referieren und mit den Studierenden, aber auch mit interessierten Gästen aus der Wirtschaft und Öffentlichkeit, diskutieren.