Wirtschaftsprüfung

Die Wirtschaftsprüfung befasst sich mit der Kontrolle der (Finanz-)Berichterstattung von Unternehmen nach den jeweils geltenden Rechnungslegungsvorschriften. Für eine effektive Funktion von Kapitalmärkten ist die Verfügbarkeit von Unternehmensinformationen für Anleger, Investoren und andere Stakeholder eine entscheidende Voraussetzung. Insofern kommt der Wirtschaftsprüfung in diesem Prozess die verantwortungsvolle Aufgabe zu, durch eine unabhängige Prüfung das Vertrauen der Marktteilnehmer in diese Informationen sicherzustellen. Insbesondere in Folge verschiedener nationaler und internationaler Bilanzskandale zu Beginn des 21. Jahrhunderts sowie der Finanzkrise ist die Rolle und Effektivität der Wirtschaftsprüfung verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit und Forschung gerückt und somit für eine Vielzahl an Akteuren (Gesetzgeber, Unternehmen, Investoren) von hoher Relevanz. Wichtige Fragestellungen sind beispielsweise, ob die Wirtschaftsprüfung einen signifikanten Beitrag zur Funktion von Kapitalmärkten leistet und welche Faktoren den Umfang und die Qualität einer Prüfung determinieren.

Projektleitung:
Sven Hartlieb

Beteiligte:
Prof. Dr. Brigitte Eierle
Sven Hartlieb
Prof. Lasse Niemi (Aalto University Helsinki)
Prof. Hannu Ojala (Aalto University Helsinki)
Prof. David Hay (University of Auckland)

Laufzeit:
seit Februar 2017

Teilprojekt 1

Determinanten internationaler Unterschiede in der Bepreisung von Abschlussprüfungsleistungen


Inhalt und Ziele:

Die empirische Wirtschafsprüfungsforschung hat sich lange nur auf nationale Studien fokussiert. Mit der wachsenden Globalisierung der Finanzmärkte sowie der daraus folgenden Internationalisierung der Wirtschaftsprüfung (z.B. Harmonisierung von Prüfungstechniken durch Verbreitung der Big4, steigende Akzeptanz Internationaler Prüfungsstandards) hat jedoch auch der Umfang der internationalen Wirtschaftsprüfungsforschung zugenommen. Diese Studien konnten diverse länderspezifische Faktoren identifizieren, welche Unterschiede in der internationalen Prüfungspraxis bedingen. Diese Faktoren umfassen zum Beispiel den allgemeinen ökonomischen Entwicklungsgrad eines Landes, aber auch formelle (z. B. Strenge der nationalen Rechnungslegungsvorschriften) oder informelle (z. B. Kultur) institutionelle Aspekte. Ziel dieses Teilprojekts ist es zunächst einen umfassenden Überblick über die aktuelle Forschungsliteratur zu geben. Zum anderen soll empirisch untersucht werden welche der identifizierten Ländercharakteristika dominierend für internationale Unterschiede in der Bepreisung von Prüfungsleistungen und somit für die Bedeutung und den Umfang einer Abschlussprüfung in einer Jurisdiktion sind.

Methode:

Archivstudie basierend auf internationalen Daten kapitalmarktorientierter Unternehmen.

Erste Ergebnisse:

Der Literaturüberblick zeigt, dass die bestehende Forschungsliteratur eine Vielzahl verschiedener Länderfaktoren als mögliche Determinanten von Prüfungshonoraren identifiziert hat. Die empirischen Ergebnisse des Teilprojekts verdeutlichen jedoch, dass bereits eine Auswahl weniger einschlägiger Faktoren einen Großteil der internationalen Varianz von Prüfungshonoraren erklärt. Ökonomische und regulatorische Faktoren besitzen den stärksten Einfluss auf die Bepreisung von Abschlussprüfungsleistungen. Jedoch sollte die Wirtschaftprüfungsforschung auch stärker soziologische Aspekte wie zum Beispiel die Kultur oder das generelle Vertrauen innerhalb einer Gesellschaft berücksichtigen, welche bislang in der Abschlussprüfungsforschung weitgehend vernachlässigt wurden.

Praxisrelevanz:

Zunächst trägt das Teilprojekt zum wissenschaftlichen Diskurs bei, indem die bestehende Forschungsliteratur zu internationalen Unterschieden in der Wirtschaftsprüfung systematisch zusammengefasst wird und daraus Forschungslücken abgeleitet werden. Ferner sind die gewonnenen Erkenntnisse aber auch für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und deren Mandanten relevant, da sie zeigen, welche makroökonomischen Faktoren Prüfungshonorare beeinflussen. Insbesondere für Gesetzgeber und Regulatoren lassen die Ergebnisse zudem Rückschlüsse darüber zu, welche formellen (und informellen) Institutionen am effektivsten für die Regulierung der Wirtschaftsprüfung sind.

Working Paper:

  • What drives differences in audit pricing across the globe?

 

 

Projektleitung:
Sven Hartlieb

Laufzeit:
seit Oktober 2018

Teilprojekt 2

Ergebniskosmetik und die Rolle der Abschlussprüferwahl – Eine empirische Untersuchung nicht kapitalmarktorientierter Unternehmen in Deutschland

 

Inhalt und Ziele:

In diesem Teilprojekt wird zunächst anhand des Benfordschen Gesetzes zur Verhältnismäßigkeit von Ziffern in empirischen Datensätzen untersucht, ob nicht kapitalmarktorientierte, deutsche Unternehmen Ergebniskosmetik betreiben. Ergebniskosmetik beschreibt das vorsätzliche Auf- oder Abrunden des Jahresergebnisses, um die Wahrnehmung dieser Ergebnisgröße beim Jahresabschlussadressaten zu beeinflussen. Darüber hinaus wird untersucht, ob die Wahl des Abschlussprüfers (Big4 vs. non-Big4 Gesellschaft) einen Einfluss auf die Ausübung derartiger Maßnahmen hat.

Methode:

Archivstudie basierend auf Daten deutscher nicht kapitalmarktorientierter Unternehmen.

Erste Ergebnisse:

Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass auch nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen in Deutschland Ergebniskosmetik betreiben und dass Big4 Prüfungsgesellschaften dieses Verhalten stärker einschränken als kleinere, häufig unabhängige Wirtschaftsprüfer.

Relevanz:

Die Ergebnisse der Studie sind insbesondere für Jahresabschlussadressaten von Relevanz, die mögliche ergebniskosmetische Maßnahmen durch die Unternehmen bei der Analyse der Jahresabschlussdaten berücksichtigen sollten. Zudem sind die Ergebnisse für diese Adressaten sowie Unternehmen von Interesse, indem die zentrale Bedeutung des Abschlussprüfers für derartiges Verhalten herausgestellt wird.

Working Paper:         

  • Ergebniskosmetik und die Rolle der Abschlussprüferwahl – Eine empirische Untersuchung nicht kapitalmarktorientierter Unternehmen in Deutschland.      

 

 

Weitere bereits abgeschlossene, veröffentlichte Teilprojekte

  • Hartlieb, S./Eierle, B. (im Erscheinen): Prüfung von Einzelabschlüssen nicht kapitalmarktorientierter Kapitalgesellschaften, in: Die Wirtschaftsprüfung (Wpg).
  • Eierle, B./Weik, A./Ojala, H. (2018): What drives voluntary audit adoption in small German companies?, in: International Journal of Auditing, 22. Jg., S. 503 – 521.
  • Eierle, B./Weik, A./Ketterer, S. (2017): Häufigkeit und Determinanten einer freiwilligen Abschlussprüfung in Deutschland Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, in: Der Betrieb, 70. Jg., Heft 42, S. 2429-2435.
  • Hartlieb, S./Loy, T. (2016): Geschäftsstrategie des Mandanten und Prüfungsanstrengung: Normenbasierte und empirische Evidenz, in: Der Betrieb, 69. Jg., Heft 25, S. 1449-1454.

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