Tax Complexity and Multinational Corporations - A Survey-Based Study

Am 28.06.2018 lud der Lehrstuhl für Betriebliche Steuerlehre veranstaltungsübergreifend zum Vortrag „Tax Complexity and Multinational Corporations – A Survey-Based Study“ von Frau Prof. Dr. Caren Sureth-Sloane ein.

Zur Einführung stellte Prof. Dr. Egner kurz den Werdegang der Referentin vor: nachdem Frau Prof. Dr. Sureth-Sloane ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften, Englisch, Französisch und Chinesisch an der Universität Passau abgeschlossen hatte, war sie ab 1994 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld tätig, wo sie 1999 promovierte und 2003 habilitierte. Seit 2004 hat Frau Prof. Dr. Sureth-Sloane die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensrechnung/-besteuerung an der Universität Paderborn inne. Sie erhielt Rufe an die Karl-Franzens-Universität Graz, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Goethe-Universität Frankfurt und die Universität zu Köln. Neben ihrer Tätigkeit als Professorin ist sie unter anderem Autorin zahlreicher Publikationen, Gastprofessorin an verschiedenen Hochschulen, Mitglied mehrerer angesehener Arbeitskreise und Teil des Vorstands der Schmalenbach-Gesellschaft. Sie ist zudem Preisträgerin sowohl in Bereichen der Lehre, als auch der Forschung, wo sie unter anderem den „Best Conference Paper Award der 80. VHB Jahrestagung“ für das Paper erhielt, das dem Vortrag am 28.06.2018 zugrunde lag.

Zu Beginn ihres Vortrags erläuterte Frau Prof. Dr. Sureth-Sloane kurz den Ausgangspunkt für ihre Forschung zum Thema „(ertrags-)steuerliche Komplexität“. Auf Basis der Beobachtung, dass in den vergangenen Jahren die (Ertrags-)steuersätze, international betrachtet, länderübergreifend, kontinuierlich gesunken und zueinander konvergiert sind, suchte sie zusammen mit ihrem Team nach Komplexitätstreibern im Steuerrecht, die für Wohlfahrtsverluste verantwortlich sind, welche z.B. durch zunehmende Tax-Compliance-Kosten bei Unternehmen ausgelöst werden. Hierbei wurde schnell offensichtlich, dass eine einzige Kennzahl in diesem sehr heterogenen Themengebiet zu keinen gewinnbringenden Erkenntnissen führen kann und sie entwickelte deshalb den „Tax Complexity Index“. Dieser betrachtet in einer Vielzahl von Ländern mehrere Dimensionen der steuerlichen Komplexität und hinterfragt dabei auch die Wahrnehmung der jeweiligen Experten, da diese gemäß der Einschätzung von Prof. Dr. Sureth-Sloane maßgeblich die Entscheidungsfindung determiniert.

Die Referentin legte zunächst die angewandte Befragungssystematik dar. Diesbezüglich beschrieb sie, wie der verwendete Fragebogen entwickelt wurde und aufgebaut war. Sie führte aus, dass für die Entwicklung der Befragung mit zwei „Big-Four-Gesellschaften“ kooperiert wurde, um im ersten Schritt maßgebliche Komplexitätstreiber zu identifizieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde schließlich der „Tax Complexity Index“ entwickelt, der sich in die zwei großen Teilbereiche „Tax Code Complexity“ und „Tax Framework Complexity“ untergliedert. Die beiden Kategorien beinhalten wiederum jeweils fünf Kernfelder, die sie betrachten. So werden innerhalb der „Tax Code Complexity“ bspw. Kriterien, wie Eindeutigkeit, Schwierigkeiten bei Berechnungen und Detaillierungsgrad abgefragt, wohingegen die „Tax Framework Complexity“ z.B. das Gesetzgebungsverfahren, die Rechtssprechungs- und Gerichtsverfahren und die Qualität des Steuererklärungsprozesses enthält. Allen dieser zehn Kernfelder wurden jeweils eine Vielzahl an Kriterien zugeordnet, die im Fragebogen abgefragt wurden, um die teilweise abstrakten Fragestellungen messbar zu machen.

Der Hauptfragebogen wurde schließlich online innerhalb von 19 international agierenden Unternehmensnetzwerken versendet, sodass final 933 Fragebögen aus 100 Ländern ausgewertet werden konnten.

Hinsichtlich der Ergebnisse der Befragung kann festgehalten werden, dass sich Deutschland innerhalb der drei Indizes „Tax Complexity Index“, „Tax Code Complexity Index“ und „Tax Framework Complexity Index“ jeweils nahe dem Durchschnitt befindet, was die Komplexität des deutschen Steuerrechts anbelangt. Erstaunlich hierbei war allerdings, dass bei einigen Ländern große Unterschiede hinsichtlich der „Tax Code Complexity“ und der „Tax Framework Complexity“ festgestellt werden konnten. [Für eine detaillierte Darstellung der Ergebnisse wird auf die Publikationen von Frau Prof. Dr. Sureth-Sloane verwiesen].

Im Zuge des Vortrags ging Frau Prof. Dr. Sureth-Sloane nun detailliert auf die Erkenntnisse hinsichtlich des deutschen Steuerrechts ein und erläuterte, dass der Vergleich der einzelnen Kriterien, die in den Indizes enthalten sind, mit der durchschnittlichen Ausprägung dieser Kennzeichen ein Indiz für möglicherweise notwendige Reformen sein könnte. Anschließend beschrieb die Referentin ihre Untersuchungen bezüglich der „Verteidigung“ der Indizes. Hierfür nahm sie einen Abgleich mit anderen Steuermaßen und vor allem auch Nicht-Steuermaßen vor, die Rückschlüsse über die steuerliche Komplexität zulassen könnten.

Frau Prof. Dr. Sureth-Sloane schloss ihren Vortrag mit dem Fazit ihrer Publikation. Sie legte dar, dass der Grad der Steuerkomplexität international betrachtet sehr unterschiedlich ist und ein eigenständiges Ländercharakteristikum darstellt. Sie erachtet zudem die Trennung zwischen Tax Code und Framework Complexity als sehr sinnvoll und sieht die Indizes als geeignetes Instrument für die Identifikation von Verbesserungspotentialen. Ihre künftigen Bestrebungen sind, die Indizes online über eine eigens programmierte Homepage zur Verfügung zu stellen, einen Paneldatensatz zu entwickeln und kontinuierlich fortzuführen sowie die Analyse der Entscheidungswirkung von steuerlicher Komplexität weiter zu intensivieren.

Abschließend kann festgehalten werden, dass es der Referentin gelang, durch ihren sehr informativen Vortrag das Interesse der Zuhörerschaft zu gewinnen und durchwegs aufrechtzuerhalten. Dies zeigte sich vor allem auch in der anschließenden intensiv wahrgenommenen Fragerunde.

 

Die Unterlagen zum Vortrag stehen im VC („Schwarzes Brett“) zum Download zur Verfügung.