Homeoffice – The New Normal! Steuerliche Risiken durch „Heimarbeit“

Am Mittwoch den 09.12.2020 lud der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Betriebliche Steuerlehre zum Online-Vortrag Homeoffice – The New Normal! Steuerliche Risiken durch „Heimarbeit“ von Dr. Marco Ottenwälder, StB ein.

Eingangs stellte Prof. Dr. Egner den Referenten kurz vor. Herr Ottenwälder ist seit Juni 2017 für P+P Pöllath + Partners in Frankfurt tätig und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit internationalem Steuerrecht. Herr Ottenwälder ist u.a. auch Lehrbeauftragter an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Als Einstieg zeigte Herr Ottenwälder eine Übersichtskarte zu Grenzpendlern in den jeweiligen Bundesländern. Hierbei ließ sich festhalten, dass die Thematik Homeoffice insbesondere für Grenzpendler aus Westeuropa in Arbeitsstellen mit hohem/sehr hohem Anforderungsniveau relevant ist, da solche Tätigkeiten zumindest teilweise von zu Hause aus verrichtet werden können. Anschließend präsentierte Herr Ottenwälder eine Befragung zum Thema Homeoffice nach Corona. Als Quintessenz konnte festgehalten werden, dass die Befragten auch nach der Corona Pandemie eine steigende Bedeutung von Homeoffice erwarten.

Anschließend gab Herr Ottenwälder einen Überblick über die steuerlichen Problemfelder, die in diesem Zusammenhang existieren. Hierbei ergibt sich auf Unternehmensebene die Frage der ertragsteuerlichen und der lohnsteuerlichen Betriebsstätte, der Ansässigkeit des Unternehmens sowie die resultierenden Compliancepflichten. Auf Seite des Arbeitnehmers (Grenzpendlers) entstehen Problemfelder hinsichtlich des Tätigkeitsorts und der Zuweisung des Besteuerungsrechts. Auch für ihn gelten zudem erhöhte Compliancepflichten. Bei der Betrachtung der Problemfelder muss sowohl das nationale Recht als auch die Interpretation der DBA durch die beteiligten Staaten berücksichtigt werden. Im Folgenden stellte Herr Ottenwälder die Grundlagen der Betriebsstätte nach nationalem Recht (§ 12 AO) und nach dem OECD-Musterabkommen (Art. 5 OECD-MA) dar und verdeutlichte Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten der beiden Betriebsstättenbegriffe. Unterschiedlich ist beispielsweise die Auffassung bezüglich Hilfstätigkeiten und vorbereitenden Tätigkeiten.

Im Anschluss daran erläuterte der Referent das Beispiel eines Arbeitnehmers eines deutschen Unternehmens, der im Homeoffice in Österreich arbeitet. Hierbei stellt sich zunächst die Frage nach einer ertragsteuerlichen Betriebsstätte. Eine Geschäftseinrichtung liegt i.d.R. aufgrund eines Laptops, Telefon, etc. vor. Zudem handelt es sich auch um eine Tätigkeit des Unternehmens durch den Arbeitnehmer. Interessant ist hierbei das Kriterium der Verfügungsmacht über die Wohnung des Arbeitnehmers und der hiermit in Verbindung stehenden gewissen Dauerhaftigkeit. Nach Ansicht der Finanzverwaltung Österreichs stellt der Arbeitnehmer durch seine Tätigkeit und Nutzung der Wohnung diese dem Arbeitgeber im Prinzip zur Verfügung, sodass von einer ertragsteuerlichen Betriebsstätte auszugehen ist. Hieraus ergibt sich eine beschränkte Steuerpflicht des Unternehmens im Ausland, womit Fragen einhergehen, wie zum Beispiel, welche Wirtschaftsgüter der ausländischen Betriebsstätte zuzurechnen sind etc. Hierbei ist es von erheblicher Bedeutung, ob es eine übereinstimmende Sichtweise der beteiligten Staaten gibt. Falls ja, erfolgt eine Zuweisung des Besteuerungsrechts, wobei i.d.R. eine Freistellung der Einkünfte im Ansässigkeitsstaat des Unternehmens erfolgt. Ansonsten besteht die Gefahr einer möglichen Doppelbesteuerung und ggf. die Notwendigkeit eines Verständigungsverfahrens. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob im genannten Beispiel eine lohnsteuerliche Betriebsstätte durch Homeoffice entsteht. Hierbei kann der deutsche Arbeitgeber ausländischen Lohnsteuerabzugsverpflichtungen unterfallen. In Österreich galt bislang die Regel, dass der Lohnsteuerabzug bei in Österreich beschäftigten Mitarbeitern (z.B. im Homeoffice) nur dann verpflichtend ist, wenn die lohnsteuerliche Betriebsstätte ab dem 1. Monat bestand. Ab 2020 besteht die Pflicht zur Abfuhr der Lohnsteuer, wenn der Arbeitnehmer in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig ist. Dementsprechend sind Registrierungs-/ Deklarations- und Abführungspflichten zu beachten.

Anschließend stellte Herr Ottenwälder noch kurz den umgekehrten Fall dar, wenn das Homeoffice im Inland ausgeübt würde. Hierbei scheitert die Betriebsstätte i.d.R. an der Verfügungsmacht, da Deutschland nicht der Ansicht der österreichischen Finanzverwaltung folgt. Zudem ging der Referent auf die Geschäftsleitungsbetriebsstätte ein und verdeutlichte, dass diese in der aktuellen Situation besonders problematisch sei. Beispielsweise bestünde bei einem angestellten Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft die Gefahr einer Doppelansässigkeit, weshalb der Dokumentation der genauen Vorgänge enorme Wichtigkeit zukommt. Als letzten inhaltlichen Punkt griff Herr Ottenwälder noch kurz das häusliche Arbeitszimmer auf und wies auf die aktuell diskutierten Themen wie die 5 Euro-Pauschale oder die Höherbesteuerung des Homeoffice hin. Abschließend wurde noch zusammen mit den Studierenden diskutiert, wie der Büro-Arbeitsplatz in 10 Jahren aussehen könnte und wie die Pandemie unser Arbeitsverhalten beeinflusst.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Vortrag den Zuhörern einen sehr interessanten Einblick zu einer aktuellen Thematik gegeben hat. Insbesondere die eigenen Einschätzungen sowie die eigenen Erfahrungsberichte des Referenten sind hierbei hervorzuheben, die den Studierenden sowohl für das Studium als auch für die Berufspraxis gewinnbringende Informationen vermittelt haben.