Dr. Matthias Gries mit dem Schmalenbach-Preis 2019 ausgezeichnet!

Die in 2019 mit summa cum laude abgeschlossene Dissertation von Herrn Dr. Gries zum Thema „Umsatzsteuerliche und statistische Untersuchung der Meldeverpflichtungen im innergemeinschaftlichen Warenverkehr – Eine normative und quantitative Analyse zum Bürokratieabbau in den Unternehmungen am Beispiel der Siemens AG“ wurde mit dem Schmalenbach-Preis 2019 ausgezeichnet. Die Verleihung des durch die Schmalenbach Stiftung ausgelobten Preises erfolgte in Anerkennung der wissenschaftlichen Leistung von Herrn Gries im Rahmen des 73. Deutschen Betriebswirtschafter-Tages am 18.09.2019 in Düsseldorf.  Herr Gries ist seit Oktober 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Betriebliche Steuerlehre. Der Lehrstuhl gratuliert zu dieser besonderen Auszeichnung herzlichst!  

  

Nach den Ausschreibungsrichtlinien der Schmalenbach-Gesellschaft muss die Dissertation „neben wissenschaftlicher Exzellenz von hoher praktischer Relevanz sein.“ Dies ist Herrn Gries in hervorragender Art und Weise gelungen. Nach der Laudatio und der Preisverleihung durch den Vorsitzenden der Schmalenbach-Stiftung, Prof. Dr. Theo Siegert, konnte Herr Dr. Gries dem erlesenen Publikum die Inhalte seiner Arbeit präsentieren.

Die Dissertationsschrift greift ein komplexes Problem im Schnittbereich zwischen der amtlichen Statistik und der Besteuerung auf, das erhebliche praktische Probleme für international agierende Unternehmen mit sich bringt. Mit der Schaffung des Europäischen Binnenmarktes wurden die Grenzkontrollen für den Personen- und Warenverkehr abgeschafft. Um die (umsatz)steuerliche und statistische Erfassung des Warenverkehrs zu gewährleisten, wurden ersatzweise Meldeverpflichtungen der liefernden bzw. empfangenden Unternehmen geschaffen. Obwohl die Zielrichtungen der beiden Bereiche (Umsatzsteuer, Statistik) ähnlich sind, wurden zwei Verfahren etabliert, wobei zumindest ein partieller Abgleich erfolgt. Aktuell kann der Realsachverhalt einer grenzüberschreitenden Warenbewegung innerhalb Europas bis zu fünf verschiedene Meldeverpflichtungen auslösen, welche ohne die Nutzung von Synergieeffekten vermehrt kongruente Informationen über den Warenvorgang abfragen. Neben den Bürokratiekosten stellen aufgrund des Abgleichs gerade die Meldedifferenzen ein zentrales Problem dar, können sich durch diese für das Unternehmen doch erhebliche Sanktionsfolgen wegen vermeintlich unzutreffender Meldungen ergeben.

Dieser konfliktbeladene Überschneidungsbereich zwischen Statistik und Besteuerung wurde bisher weder von der wirtschaftswissenschaftlichen noch der rechtlichen oder der statistischen Forschung aufgegriffen. Herr Gries betritt insofern wissenschaftliches Neuland mit hochgradig relevanten praktischen Folgen, wie sich auch an der Beteiligung der Siemens AG am Forschungsprojekt zeigt.

    

In einer äußerst differenzierten Analyse zeigt Herr Gries die Ursachen für potentielle Meldedifferenzen zwischen amtlicher Statistik und Umsatzbesteuerung auf, systematisiert diese und entwickelt Lösungsansätze für ein integriertes Meldesystem. Die Lösungsansätze umfassen sowohl Anpassungen des gegenwärtigen Systems als auch grundlegende Ansätze eines digitalisierten, blockchain- bzw. cloudbasierten „Meldesystems“.

Das Einsparpotential, mit welchem bei einer Verknüpfung zwischen der steuerlichen und statistischen Meldesystematik für die nationale Volkswirtschaft gerechnet werden kann, wird hierbei im Rahmen einer ersten Abschätzung  (anhand der Daten der Siemens AG und dem Statistischen Bundesamt) auf jährlich rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Gleichzeitig gelingt es aber auch die Qualität der Daten der amtlichen Statistik nicht nur nicht zu senken, sondern sogar zu erhöhen.

   

Der Schmalenbach-Preis ist nach einem der Mitbegründer der modernen Betriebswirtschaftslehre in Deutschland, Professor Dr. Dr. h.c. mult. Eugen Schmalenbach, benannt. Der mit 10.000 € dotierte Schmalenbach-Preis gilt als einer der renommiertesten und höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreise in der BWL. Er widmete sich der Entwicklung einer anwendungsorientierten Betriebswirtschaftslehre und suchte die Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis herzustellen. Diese Zielsetzung aufgreifend fördert die Schmalenbach-Stiftung u.a. durch die Ausschreibung des Schmalenbach-Preises und die Vergabe von Stipendien die praxisorientierte betriebswirtschaftliche Forschung. Die Schmalenbach-Stiftung wurde 1978 von der Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft e.V. gegründet, die sich seit 85 Jahren dem Austausch von Forschung, Lehre und Praxis widmet.

Die Dissertation ist in der Reihe Unternehmen und Steuern (Band 85) im Shaker Verlag erschienen.

https://www.shaker.de/de/content/catalogue/index.asp?lang=de&ID=8&ISBN=978-3-8440-6648-7&search=yes

Links:

Schmalenbach-Gesellschaft:
https://www.schmalenbach.org/https://www.schmalenbach.org/index.php/careercenter/schmalenbach-preis/bisherige-preistraeger

Presseberichte:

Wie Unternehmen Geld sparen könnten, FAZ v. 01.10.2019, S.18
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/stabile-strukturen-helfen-unternehmen-bei-weiterentwicklung-16410958.html?GEPC=s53&GEPC=s5