Ein Beitrag zum Verständnis der ḥūr ʿīn im Frühislam

Im Mittelpunkt der Dissertation steht das islamische Konzept der „Paradiesjungfrau“ (ḥūr ʻῑn; ḥūr) mit dem Ziel, das frühislamische Verständnis und die Entwicklung bestimmter mit diesem Konzept verbundener Vorstellungen bis ins 10. Jh. zu analysieren. Dies geschieht anhand einer Analyse der Beschreibungen der ḥūr ʿīn im Koran und Korankommentaren, in Sammlungen außerkoranischer Prophetensprüche (dem sogenannten Hadith) und einschlägiger zeitgenössischer, in ihrem Charakter zwischen Literatur und Theologie changierender Paradiesschilderungen.  
Durch einen genauen Vergleich der herangezogenen Werke lässt sich feststellen, ob einzelne Korankommentatoren und Traditionarier gleiche Quellen und möglicherweise auch Ansichten in Bezug auf die ḥūr ʻῑn geteilt haben und inwieweit ältere Überlieferungen über die ḥūr rekonstruiert werden können. Des Weiteren bemühe ich mich, die zu untersuchenden Texte in ihrem historischen Kontext zu verorten und auf die Intentionen ihrer Verfasser hin zu befragen.
Der Umfang der Arbeit wird dabei in dreierlei Hinsicht begrenzt: zum einen durch die beschränkte Anzahl der einschlägigen Koranverse (19), zum anderen durch die Anzahl der islamischen Werke (57). Zum Dritten werden speziell in den frühislamischen außerhalb des Koran gelegenen Werken nur Kommentare und Interpretationen bestimmter Verse betrachtet. Beispielsweise werden koranische Aussagen zu den Begriffen „den Blick Niederschlagenden“ (qāṣirāt aṭ-ṭarf), „abgesondert in Zelten“ (maqṣūrāt fī l-ḫiyām) und „mit schwellenden Brüsten“ (kawāʿib) nicht weiter analysiert. Vielmehr gilt das Augenmerk der Dissertation der Beantwortung der Fragen, welche Wesen die ḥūr ʿīn sind, in welchem Zusammenhang sie zu irdischen Frauen stehen und was es mit „gereinigten bzw. reinen Gattinnen“ (Q 2:25, 3:15, 4:57) auf sich hat.  Die vorliegende Untersuchung leistet außerdem einen Beitrag zur besseren Durchdringung des koranischen Phänomens der Wiederholung der im ganzen Koran verstreuten Themen sowie eine Neuinterpretation derselben in ihrer innerkoranischen Entwicklung. Zudem beteiligt sich die Untersuchung an der grundsätzlichen Diskussion darüber, inwiefern zuverlässig festgestellt werden kann, wann und welche Tradenten eine bestimmte Überlieferung in Umlauf gebracht haben.

Working title: Towards an Understanding of the ḥūr ʿīn in Early Islam

My PhD thesis explores some aspects of the Islamic concept of the ḥūr ʿīn (virgins of paradise) in the Qurʾān and early Islamic sources. It traces the evolution of certain ideas of the ḥūr ʿīn from the beginning of Islam until the tenth century. In order to gain a better understanding of the concept within the early stages of Islamic thought this study examines pre-Qurʾānic Arabic poetry, the relevant Qurʾānic verses, early commentaries of the Qurʾān, ḥadīth compilations and more specialized books, like those describing heaven and asceticism. The study focuses on the following questions: Who are the ḥūr ʿīn in the Qurʾān and what kind of relation do they have with azwāj muṭahharah (pure or purified spouses in Q 2:25, 3:15, 4:57) and earthly wives? How do pre-Islamic Arabic poetry and its depiction of a beautiful woman contribute to a clearer understanding of the attributes of the ḥūr ʿīn? Are the ḥūr ʿīn earthly women as they are sometimes quoted in early Islamic traditions? Who are azwāj muṭahharah according the traditions and how is the pureness/purity or the purification of the spouses explained by early Muslim scholars? To provide insight into the evolution of these ideas I intend to analyze texts (matn) and isnāds of the traditions and to examine regional and religious affiliation of its transmitters. The study seeks to clarify, when, where and by whom the relevant traditions were put into circulation. In doing so, my research is going to contribute to the discussion about the authenticity of Islamic traditions and reliability of their transmitters as well.