Ankunft und Orientierung in der Jerusalemer Altstadt

Gruppenfoto auf dem Weg zum Ölberg

Der Ort des Jüngsten Gerichts: Das Kidrontal

Auf dem Weg durch’s Wadi Qelt nach Jericho

Wiederholung der Geschichte der südlichen Levante in Hazor

Gruppenfoto vor dem Felsendom

Blockseminar »Das Land der Bibel« Teil II

Der zweite Teil des Blockseminars fand in Israel / Palästina statt. Ein Bericht.

Das von Prof. Dr. Sabine Bieberstein (Universität Eichstätt) und Prof. Dr. Klaus Bieberstein (Universität Bamberg) verantwortete Blockseminar »Das Land der Bibel« fand vom 1.–16. September in Israel/Palästina statt. Die Reise führte die 22 Studierenden zunächst für eine Woche nach Jerusalem, bevor in einer weiteren Woche das Land erkundet wurde, das Schauplatz und Entstehungsort zahlreicher biblischer Texte ist.

Nachdem im ersten Teil des Seminars an zwei Wochenenden in Bamberg / Eichstättein historischer Durchgang durch Archäologie, Theologie und Politik des Landes die Reise vorbereitet hatte, wurde bedingt durch den Nachtflug nach der Ankunft die Altstadt Jerusalems in den frühen Morgenstunden erkundet: Ein Spaziergang durch den erwachenden, unter Kaiser Hadrian angelegten Kern der heutigen Stadt verschaffte Orientierung und weckte die Faszination für die Stadt, die nun für eine Woche ganz im Fokus stehen sollte.

Allen Stationen des Seminars war das Interesse vorgeschaltet, eine Ortslage vor dem Hintergrund ihrer Genese zu verstehen und ein Verständnis dafür zu gewinnen, vor welchen Hintergründen und in welcher Zeit eine Stätte mit welcher Bedeutung codiert wurde. So führte uns die Spurensuche im »Zentrum« der Welt – wenn man antiken und mittelalterlichen Karten glauben darf – an verschiedene Orte, an denen (abstrakter) Sinn im sinnlichen Erleben anschaulich wird. 

Hervorgehoben seien an dieser Stelle die bau- und theologiegeschichtlichen Führungen auf dem haram al-sharif (der Plattform, auf der der Felsendom als ein Nachfolgebau des antiken jüdischen Tempels steht) und durch die Grabeskirche. Wie sich im Wechsel der politischen Rahmenbedingungen Theologie, Architektur und Erinnerungsstätten wandelten, wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars eindrucksvoll vor Augen geführt. 

Von explizit biblischem Interesse waren neben der Theologie des Jerusalemer Tempels auch die Ausgrabungsstätte in der Davidstadt, wo die Baugeschichte der Stadt im Spiegel archäologischer Zeugnisse nachvollzogen wurde. Bei einer anderen Einheit an den Bethesda-Teichen erschien die Topographie der Heilungsgeschichte aus Joh 5 nicht mehr als befremdliche Nebeninformation, sondern als Schlüssel zum theologischen Programm der johannäischen Perikope. 

Weitere Programmpunkte haben die Gruppe durch das Wadi Qelt nach Jericho, zum Herodion, nach Betlehem, zum Sommerpalast des Herodes, nach Yad Vashem, auf den Ölberg, durch die Grabanlagen im Hinom- und Kidrontal geführt. In Jerusalem selbst wurde weiterhin die Entstehung der via dolorosa von einer Prozessionsliturgie der Spätantike bis zur heutigen Kreuzwegstraße thematisiert. Außerdem wurde im Israel-Museum, das zahlreiche Realia aus der Vorlesung »Geschichte Israels und seiner Literatur« beheimatet, diese Vorlesung in Form von Beiträgen der Studierenden wiederholt.

Im zweiten Teil des Seminars wurde Alina Rölver (Pfarrerin der LKD in Bamberg) als Begleiterin der Gruppe von Dr. Salah Adameh, Dozent für islamische Philosophie an der al-Quds University in Jerusalem, abgelöst, der als Guide die Rundreise durch das Land begleitete und seine großes historisches wie politisches Wissen in das Seminar einbrachte. Über die Stationen Samaria, Caesarea Maritima und Akko erreichten wir den Norden des Landes, wo Kibbuzim in Galiläa die Quartiere der Gruppe waren.

Von dort aus wurden mit Hazor, Dan, Beth Sean, Arad und Lachisch einige im Alten Testament bezeugte Städte besucht, anhand derer die Stadtanlage, Tempelarchitekturen und damit die Gesellschaften der Bronze- und Eisenzeiten anschaulich wurden. Im Bereich des Neuen Testaments wurden in Tiberias, Nazarth, Betsaida (Lokalisierung umstritten), el-Kursi und Tabgha Orte besichtigt, die für das Verständnis der neutestamentlichen Erzählungen von großer Bedeutung sind. Die spezifische Topographie des Markusevangelium wurde in situ erläutert und diskutiert: Die markinische Frohbotschaft vom Gottessohn (vgl. Mk 1,1), der von Caesarea Philippi nach Jerusalem zieht, erschließt sich als Erzählung eines alter Vespasian, der in Worten, Werken und Auferstehung eine echte (politische) Alternative zur römischen Herrscherpropaganda darstellt, vor den Eindrücken im diachron betrachteten Galiläa.

Abstecher nach Qumran, Massada, En Gedi und ans Tote Meer rundeten die Reise ab. Mit der abendlichen Landung in Nürnberg endete mit dem Blockseminar ein echtes Highlight im Theologiestudium der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine manifeste Erinnerung wird dabei der Reader bilden, der – von den Spuren eifrigen Gebrauchs gezeichnet – alle für das Reiseprogramm relevanten Handouts, Texte und Karten beherbergt. Gesund, aber erschöpft, mit einer Fülle an Eindrücken und Erlebnissen ging es nun ins Wintersemester 2019 nach Eichstätt bzw. Bamberg.

(Bericht: Simon Steinberger)