Gutes Leben für alle!

Die Schöpfungsgeschichte Gen 1,1–2,4a

Schöpfungserzählungen? Sind sie nicht peinlich? Sind sie neben modernen naturwissenschaftlichen Theorien nicht unhaltbar geworden?

Nein! Schöpfungsmythen entstanden und stehen nicht in Konkurrenz zu naturwissenschaftlichen Theorien. Sie waren nie als solche konzipiert, und wer meint, sie mit naturwissenschaftlichen Theorien vergleichen, sie in ihrer vermeintlichen Rückständigkeit entweder kritisieren oder verteidigen zu müssen, hat sie nicht verstanden. Denn das Problem liegt nicht in ihrer vermeintlichen Rückständigkeit oder einem naivem Weltbild, sondern in der Unfähigkeit moderner Leserinnen und Leser, sich auf sie einzulassen.

Dabei haben wir mit moderner Lyrik keine Probleme. Wenn Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht „Anrufung des Großen Bären“ von 1956 das Sternbild des Großen Bären als Schicksalmacht und uns als dieser ausgeliefert beschreibt, wird ihr niemand ernsthaft unterstellen, sie habe im Zeitalter der Weltraumfahrt noch nicht gewusst, dass der Große Bär kein Wesen an sich, sondern nur eine Konstellation von Sternen ist, die nur aus einer ganz bestimmten, nämlich irdischen Perspektive als ein Sternbild erscheinen. Vielmehr sind wir sofort bereit, einem solchen modernen Text von vornherein einzuräumen, dass er grundlegende Aspekte des Menschseins beschreibt und nur verstanden werden kann, wenn man sich auf seine immanente Logik einlässt, und ihn grundlegend missversteht, wenn man meint, ihn auf das Feld naturwissenschaftlicher Weltdeutung zerren und im Vergleich mit astronomischen Theorien analysieren zu müssen.

Das neu erschienene Büchlein befasst sich in allgemeinverständlicher Form mit der Frage, wie antike Schöpfungserzählungen zu interpretieren sind, und bietet eine Analyse der biblischen Schöpfungserzählung Gen 1,1–2,4a, der wir nicht zuletzt die Erfindung der Sieben-Tage-Woche verdanken.

Bieberstein, Klaus / Bieberstein, Sabine
Gutes Leben für alle! Die Schöpfungsgeschichte Gen 1,1–2,4a
Stuttgart: Katholisches Bibelwerk e. V. 2017
ISBN 978-3-944766-74-4
7,90 €