Dissertationsvorhaben „Das Ostkastell III in Straubing/Sorviodurum“

(Die Dissertation wird von Prof. Dr. A. Heising begutachtet und wurde im März 2018 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg eingereicht.)

 

Straubing/Sorviodurum liegt an der Donau zwischen Regensburg und Künzing im Ostteil der Provinz Raetien. Als erstes, sicheres Kastell auf der Donauniederterrasse, die den römischen Siedlungskern der mittleren Kaiserzeit bildetet, gilt das sog. Westkastell IV, welches in flavischer Zeit gegründet und in den Markomannenkriegen zerstört wurde. Nur wenig östlich davon entstanden die sog. Ostkastelle. Die Ausmaße und die Besatzung dieser östlichen Holz-Erde-Kastelle I und II sind unbekannt. Gegenstand des Dissertationsvorhabens ist ihr Nachfolgekastell, das Ostkastell III.

Das Dissertationsvorhaben berücksichtigt die Kastellgrabungen von 1913, 1976-78 und 2004-2007 sowie geophysikalische Prospektionen von 2011 und 2013. Die Geophysik ermöglicht eine nahezu vollständige Rekonstruktion der Innenbebauung der Steinbauphase (III b), die Grabungen liefern Hinweise zur Datierung der Kastellphasen und zur Bauweise der Baracken und der Umwehrung. Damit ist der Plan von Ostkastell III b der am vollständigsten rekonstruierbare Kastellgrundriss eines Kastells einer teilberittenen, milliaren Kohorte.

Die Holzbauphase (III a), von welcher vor allem Teile der Umwehrung bekannt sind, entstand um die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr., der Steinausbau (III b) erfolgte kurz darauf noch vor den Markomannenkriegen. Obwohl die vici beider Kastelle und das Westkastell IV durch die Einfälle im Rahmen dieser Auseinandersetzung zerstört wurden, ist eine Zerstörung des Ostkastells III b nicht gesichert. Nachweisbar ist hier nur eine Vorverlegung der beiden Kastellgräben, die eine strategische Anpassung als Reaktion auf die Einfälle gewesen sein mag.

Auch die Einheit des Kastells, die cohors I Flavia Canathenorum milliaria saggitariorum, wirft Fragen auf, die im Rahmen der Arbeit diskutierte werden: gibt es Hinweise auf Nachrekrutierung aus dem Herkunftsgebiet dieser ursprünglich in Syrien ausgehobenen Bogenschützeneinheit, sind Besonderheiten der Ausrüstung zu erkennen und wie lässt sich nachweisen, dass die Einheit teilberitten war, auch wenn ihr Name in den schriftlichen Nachweisen nicht mit dem Zusatz equitata endet?

Für eine bessere Einordnung in den größeren Kontext Ostraetiens wurden nahezu sämtliche in Straubing aufgefundene Ziegelstempel aller Einheiten in einem seperaten Katalog aufgenommen und ausgewertet.