RÖMISCHE WURZELN FRÜHMITTELALTERLICHER DÖRFER?

Archäologie der Römischen Provinzen untersucht das Schicksal römischer villae rusticae am Ende der Antike

Wie hat man sich den Übergang von der Spätantike in das Frühmittelalter auf dem flachen Land, außerhalb der Städte in den römischen Provinzen an Rhein und Donau vorzustellen? Gab es eine Kontinuität der klassisch römischen ländlichen Siedlungs- und Wirtschaftsform, der villa rustica und ihrer Ländereien? Oder suchten die ehemals jenseits der römischen Grenzen lebenden Bevölkerungsgruppen, welche seit dem späten 3. Jahrhundert n. Chr. das römische Territorium aufzusiedeln begannen, nur günstige Anknüpfungsmöglichkeiten an die wohlbestellten römischen Strukturen? Dieser Frage widmet sich eine von Michaela Konrad durchgeführte Studie mit dem Titel "RÖMISCHE VILLAE RUSTICAE ALS ORTE DER KONTINUITÄT? BEISPIELE SPÄT- UND NACHRÖMISCHER NUTZUNGSFORMEN RÖMISCHER GUTSHÖFE". Der Aufsatz ist zusammen mit mehr als 25 weiteren Beiträgen Teil eines Sammelbandes, der aus interdisziplinärer Perspektive die frühmittelalterliche Dorfgenese untersucht. "GRÜNDERZEIT. SIEDLUNGEN IN BAYERN ZWISCHEN SPÄTANTIKE UND FRÜHMITTELALTER", herausgegeben von Jochen Haberstroh und Irmtraut Heitmeier, präsentiert damit die Ergebnisse eines in Benediktbeuern veranstalteten Kolloquiums, an dem Archäologie, Geschichte, Sprachforschung und Naturwissenschaften sich dem Thema Kontinuität im ländlichen Raum zwischen dem 3. und 11. Jahrhundert n. Chr. von Oberitalien über das Voralpenland bis nach Gallien widmeten. Kontinuität und Neubeginn aus multidisziplinärer Perspektive geben das Bild einer komplexen Dynamik mit Kontinuitäten, Brüchen und hybriden Siedlungs- und Wirtschaftsformen wieder, als deren Ergebnis das Ende der römischen Einzelhofsiedlung und die Genese des frühmittelalterlichen Dorfes steht. Auch Martin Ott, Leiter des Instituts für Fränkische Landesgeschichte Thurnau, hat sich mit einem Beitrag über "SIEDLUNGSGESCHICHTE IN DER LANDESHISTORISCHEN FRÜHMITTELALTERFORSCHUNG" am Sammelband beteiligt.

Der 952 Seiten fassende Band wurde am 22. Juli 2019 von Wissenschaftsminister Bernd Sibler im Institut für Bayerische Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München der Öffentlichkeit vorgestellt. Sibler betonte: "Dieses Buch liefert spannende Erkenntnisse über die bayerische Siedlungsgeschichte, zur Entstehung unserer typischen Dörfer, Einzelhöfe und Weiler sowie zu den Hintergründen ihrer Namen. Es bringt uns die Geschichte unserer Heimat, unsere Ursprünge und Identität noch näher."