Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte

Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit

Forchheim in der Karolingerzeit

Projektleiter: Prof. Dr. Ingolf Ericsson

Projektmitarbeiter: Benedikt Schlee M.A.

Projektfinanzierung: Oberfrankenstiftung, Stadt Forchheim, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, S&P Stadtbau GmbH

Kooperationspartner: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Pfalzmuseum Forchheim

Laufzeit: 2015-2018

Bei einer baubegleitenden Ausgrabung auf dem Gelände des ehemaligen Klosters St. Anton in Forchheim konnte die Besiedlung des Altstadtgebiets von der Mittelsteinzeit bis in die Neuzeit belegt werden. Entlang des östlichen Ufers der Wiesent wurden bei diesen Untersuchungen erstmals frühmittelalterliche Baustrukturen der Karolingerzeit (8./9. Jahrhundert) in Forchheim nachgewiesen – eine Epoche, die archäologisch in Forchheim zuvor ausschließlich durch vereinzelte Funde bekannt war. In der vorläufigen Interpretation des Grabungsberichts werden die Gebäude als eine Aneinanderreihung von einzelnen Lagerhäusern beschrieben, die vermutlich zu einem größeren Handelsplatz gehört haben. Besonders interessant ist eine solche Deutung vor allem vor dem Hintergrund, dass in den Schriftquellen aus dem Jahre 805 von einer Kontrollstation (vermutlich mit Königshof) Karls des Großen für den Osthandel in Forchheim gesprochen wird. Ab 858 ist dort erstmals schrifthistorisch sicher eine Königspfalz durch die Nutzung Ludwigs II. der Deutsche belegt. Darauf folgten bis 918 mindestens 18 weitere Königsaufenthalte. Die genaue Lage dieser herrschaftlichen Strukturen konnte, obwohl schon des Öfteren gezielt danach gesucht wurde, nie festgestellt werden. Bis auf vereinzelte Gefäßfragmente gab es dabei keine wirklichen archäologischen Hinweise auf eine karolingische Besiedlung Forchheims.

Demnach wurden mit der Ausgrabung erstmals Baustrukturen dieser Zeit aufgedeckt, die aus dem Umfeld der Kontrollstation bzw. der Königspfalz stammen. Aus diesem Grund werden die frühmittelalterlichen Siedlungsreste einer fundierten wissenschaftlichen Analyse unterzogen. Zusätzlich werden noch einige kleinere Untersuchungen durchgeführt und die Resultate älterer Geländearbeiten im Forchheimer Stadtgebiet herangezogen, um ein möglichst genaues Bild der Situation während der Karolingerzeit vor Ort zu zeichnen. Auch die genaue Beziehung der Siedlungsreste zu Königshof bzw. Pfalz soll – soweit es die Quellen zulassen – weiter geklärt werden. Abschließend werden die Funde und Ergebnisse in einer Ausstellung im Forchheimer Pfalzmuseum der Öffentlichkeit präsentiert.