Auswertung der archäologischen Ausgrabungen im Bamberger Dom 1969-72

Projektleiter:

Prof. Dr. Rainer Schreg, Dr. Nelo Lohwasser

Projektmitarbeiter/-innen:

Dr. Nelo Lohwasser; Stella Ott, Iris Madlener, Sophie Däuber, Alexander Pelz, Valentina Tonino BA

Finanzierung:

Erzbistum Bamberg, Oberfrankenstiftung

Kooperationspartner:

  • Diözesanmuseum Bamberg (Dr. Norbert Jung, Dr. Holger Kempkens)
  • Historischer Verein Bamberg (Dr. Marina Scheinost)
  • Historisches Museum Bamberg (Dr. Regina Hanemann,
    Restaurator Jörg Schabesberger)
  • Stadtarchäologie Bamberg (Stefan Pfaffenberger M.A.)
  • ArchäoCentrum Bayern-Böhmen (Geschichtspark Bärnau, Stefan Wolters M.A.)
  • Professur für Ur-und Frühgeschichte (Prof. Dr. Andreas Schäfer, 3D-Scanner)
  • Archäologische Staatssammlung München
  • Anthropologische Staatssammlung München
  • Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
    (Dienststelle Seehof, Dr. Andreas Büttner)
  • Professur für digitale Denkmaltechnologien (Prof. Dr. Mona Hess)
  • Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien
    (Prof. Dr. Rainer Drewello)                                      

Der Bamberger Dom, das bedeutendste Bauwerk der Stadt, besteht seit gut 1000 Jahren. Der heutige Baukörper, geweiht 1236, ist die dritte Version nach zwei durch Brand untergegangenen Vorgängern. Vor dem Dom befanden sich an dieser höchsten Stelle des Dombergs die Pfalz bzw. die von einem Friedhof umgebene Pfalzkapelle der Babenburger. Inklusive dieser Schicht ist nach archäologischem Verständnis mit drei "Hauptstraten" unter und zwischen den Grundmauern des jetzigen Doms zu rechnen, dazu mit noch älteren, vorgeschichtlichen Befunden.

Prof. Dr. Walter Sage, der erste Inhaber des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Uni Bamberg, betrieb von 1969-71 großangelegte Ausgrabungen im Dominneren. Er ließ nahezu das gesamte Hauptschiff öffnen, dazu große Bereiche der Seitenschiffe. Man traf Fundamente aller Bauphasen an, dazu eine Menge Bestattungen von der Neuzeit bis ins frühe Mittelalter. Bei den jüngeren handelte es sich um Grablegen von Bischöfen und hochgestellten Klerikern, bei den ältesten um noch zu Zeiten der Babenberger Verstorbene aus dem 9./10. Jahrhundert. Walter Sage fand aufgrund der Fülle seiner akademischen Verpflichtungen nie die rechte Zeit für eine Auswertung seiner so umfangreichen Grabungsarbeiten.

In der ersten Phase des auf mehrere Jahre ausgelegten, gegenwärtigen Projekts erfolgen nun Aufnahme und wissenschaftliche Bearbeitung aller damals sichergestellten Funde. Auch die Gebeine der zahlreichen Bestattungen werden erstmals untersucht. Die Funde lagern in verschiedenen Bamberger Museumsdepots und an mehreren Stellen in der Landeshauptstadt. In einer zweiten Projektphase werden Objekte und Grabungspläne gegeneinander abgeglichen. Solcherart können Aussehen und Ausstattung der Vorgängerbauten optimal rekonstruiert werden.

Eine Kooperation aus Erzbistum Bamberg, Oberfrankenstiftung und Uni Bamberg trägt diesen ersten, nun am 15. August 2018 gestarteten Projektteil. Mit der Durchführung wurden Dr. Nelo Lohwasser und mehrere Studierende am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit betraut.

Eine erste Initiative für das Vorhaben ging von Domkapitular Dr. Norbert Jung anlässlich der Jubiläumsausstellung „1000 Jahre Kaiserdom Bamberg“ im Diözesanmuseum 2012 aus. Schon damals bedauerte man einhellig, dass eine wissenschaftliche Bearbeitung der reichlich vorhandenen Grabungsfunde bislang unterblieben war. Deshalb konnten die Objekte nur katalogartig in allgemeiner Interpretation dargestellt werden – wobei sich bereits erstaunliche Einzelergebnisse zeigten (siehe Abbildung). Eine wichtige Vorarbeit für nachfolgende Unternehmungen leistete Dr. Eike Michl, der alle verfügbaren Unterlagen zu den Grabungen zusammenstellte und dem es in genialer Weise gelang, das Messnetz der Grabung Walter Sages zu rekonstruieren.