Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte

Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit

"Rückspiegel". Archäologie des Alltags in Mittelalter und früher Neuzeit

Eine Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Bamberg zum 25jährigen Bestehen des Bamberger Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit.

29. April bis 5. November 2006

Im Jahr 2006 konnte der Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit sein 25jähriges Jubiläum begehen. Damit ist das Fach in Bamberg deutschlandweit am längsten an einer Universität vertreten.
Dieses Ereignis bildete den Anlass die Arbeit des Lehrstuhls einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dazu stellte das Historische Museum Bamberg Räumlichkeiten von mehr als 600 m2 Fläche in prominenter Lage auf dem Domberg zur Verfügung. Eine großzügige Förderung erfuhr das Projekt durch die Oberfrankenstiftung.

Bereits im Jahr 1998 hatte der Bamberger Lehrstuhl eine Ausstellung mit dem Titel „AusGrabungen“ gezeigt. Damals wurden Ablauf und Ergebnisse archäologischer Forschungen am Lehrstuhl nach den Themengebieten Dorf, Burg, Stadt und Archäologie in Bamberg gegliedert präsentiert.
In Abgrenzung zu diesem Konzept wurde nach einer anderen Ausstellungsstruktur gesucht, die dennoch die ganze Breite der universitären Forschung abdeckt. Hierfür stand eine Ringvorlesung Pate, die im Sommersemester 2004 unter ungeahntem öffentlichen Interesse stattfand. Referenten verschiedener Disziplinen berichteten unter dem Oberthema „Alltag im Mittelalter“ zu aktuellen Forschungsproblemen.
Diesem Themenbereich, erweitert um die frühe Neuzeit, widmete sich nun auch die Ausstellung unter dem Titel „Rückspiegel“. Der eingängige Titel soll den aus der Gegenwart in die Vergangenheit zurückgeführten Blick des Faches symbolisieren. Zugleich geht die Fahrt nach vorne: Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit ist eine in ihren Methoden moderne, zukunftsorientierte Disziplin. Die Gegenwart wird erst aus der Kenntnis der Vergangenheit heraus erklärbar. Vergleichbar einem Film, den man nicht versteht, wenn man nur die letzten fünf Minuten gesehen hat. Das Motiv des Spiegels weist aber auch auf Ähnlichkeiten unseres modernen Alltags zu dem früherer Zeit. Nicht zuletzt sollen auch Assoziationen zu dem „Sachsenspiegel“, dem bedeutendsten Rechtsbuch des Mittelalters, mit detaillierten Regelungen des Alltagslebens geknüpft werden.

Entsprechend der Themenstellung wurden beim Ausstellungskonzept neue Wege beschritten. Die Präsentation wurde nicht zeitlich (etwa in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter) oder „konservativ“ nach Fundorten (etwa Dorf, Burg, Stadt) gegliedert. Gezeigt wurden verschiedene Bereiche vergangener Lebenswirklichkeit: z.B. Krieg und Fehde, Geschlechterrollen, Krankheit und Tod, Ver- und Entsorgung, Bauen und Wohnen, Spiel und Freizeit, usw.

Die Umsetzung der Themen in die museale Präsentation wurde von Studierenden im Rahmen eines Seminars bearbeitet. Schon in der Planung wurde eng mit dem Historischen Museum zusammengearbeitet, um die Ideen in einem schlüssigen Gesamtkonzept zu verwirklichen. Auf diese Weise erwarben sich die Studierenden wichtige Einblicke in die Tätigkeitsfelder Museum und Öffentlichkeitsarbeit, die sie im späteren Berufsleben anwenden können.

Entsprechend den Abschlussarbeiten des Bamberger Lehrstuhls wurden Funde und Ergebnisse aus ganz Deutschland präsentiert. Das Spektrum reichte von der Stecknadel bis zum Holzkastenbrunnen und umfasste den Zeitraum vom 6. bis zum 19. Jahrhundert. Insgesamt beteiligten sich rund 40 Leihgeber mit z.T. einmaligen, noch nie gezeigten Objekten an der Ausstellung. Ein Schwerpunkt lag, dem Bamberger Publikum, der Verfügbarkeit des Fundmaterials und der regionalen Verflechtung des Lehrstuhls Rechnung tragend, auf Franken. Im Zentrum der Schau stand immer der originale Bodenfund, doch wurde der mittelalterliche und neuzeitliche Alltag durch didaktisch eingebundene Installationen und Repliken veranschaulicht und zum Leben erweckt. Immer wieder kam auch die interdisziplinäre Verflechtung des Faches mit der Historischen Forschung, der Bauforschung, der Europäischen Ethnologie oder auch der Anthropologie und Botanik zum Tragen. Knappe, prägnante Texte und Grafiken dienten den Besuchern als Einführung in die Themen.

Die hohen Besucherzahlen über die gesamte Ausstellungssaison hinweg waren der Lohn für die investierten Mühen. Die Glückwünsche im Besucherbuch belegen die Akzeptanz des Konzeptes beim Publikum. Zum Gelingen der Ausstellung trug auch ein Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen sowie experimenteller Archäologie bei.

Zu der Ausstellung ist eine von den Beteiligten verfasste Begleitpublikation erschienen, in der alle Themenbereiche der Präsentation aufgegriffen und vertiefend behandelt werden. So ist ein kompaktes, leicht verständliches Überblickswerk zum mittelalterlichen und neuzeitlichen Alltagsleben aus Sicht der Archäologie entstanden. Die Publikation bleibt auch nach Ende der Ausstellung als Ertrag bestehen.

Hauke Kenzler


Begleitheft:
H. Kenzler und I. Ericsson (Hrsg.): Rückspiegel. Archäologie des Alltags in Mittelalter und früher Neuzeit. Bamberg 2006. 164 S., zahlreiche, überwiegend farbige Abb., 10,00 EUR.
zu beziehen über: Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Tel. 0049-(0)951-863-2387.