Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte

Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit

Mittelalterliches und frühneuzeitliches Fährwesen an Main und Neckar

Projektleiter: Prof. Dr. Ingolf Ericsson

Projektmitarbeiter: Lars Kröger, MA

Wo Brücken und Furten fehlten stellten Fähren und Fährstationen spätestens seit dem Hochmittelalter eine Verbindung zwischen den Ufern eines Gewässers dar und ermöglichten so Verkehr und Kommunikation zwischen eigentlich getrennten Gebieten. Damit bildeten sie ein Kernstück der mittelalterlichen und neuzeitlichen Infrastruktur. Zudem waren sie ein wichtiges Kontrollwerkzeug der Eliten. Es ist bekannt, dass das Recht eine Fähre betreiben zu dürfen ursprünglich vom Königtum direkt verliehen wurde und bei Missachtung der Gesetzte entsprechende Strafen zu erwarten waren. 


Obwohl durch Untersuchungen an Fähren und deren Stationen viele Fragen unter anderem zu den Wegenetzen, der Rechtsstellung von Städten, zu Handel und Verkehr oder zur Konstruktion von Fähren geklärt werden könnten, wurden sie sowohl von der Geschichtsforschung, als auch besonders von den archäologischen Disziplinen bisher nur schwach und kaum zusammenfassend erforscht. 

Bereits am Lehrstuhl durchgeführte Untersuchungen haben gezeigt, dass wir am Main eine europaweit einzigartige Situation für die Erforschung von Fähren vorfinden. Mit einer Basis von über 94 Einbaumfunden, die Teile von mindestens drei unterschiedlichen Fährkonstruktionstypen bilden, besteht erstmals die Möglichkeit an einer klar umrissenen Region Fähren und ihre Nutzung zu untersuchen. Zusätzlich bietet sich die Chance, im Vergleich zu den Funden, Fährstationen am Main zu lokalisieren und ihre Organisation besser zu verstehen. Dazu werden die größtenteils in Ortschroniken publizierten Quellen zu lokalen Fähren und ihren Einrichtungen zusammengetragen und ausgewertet. Allein für den Main sind ca. 150 historisch überlieferte Fährstandorte bekannt.

Ebenso wie am Main konnten Fähreinbäume auch am Neckar beobachtet werden, allerdings in deutlich geringerer Zahl. Diese Region sollen die Untersuchungen vom Main ergänzen um einen möglichst großflächigen Eindruck über das Fährwesen in Süddeutschland zu erhalten.

Die Auswertung der Untersuchungen soll anschließend auf drei unterschiedlichen Ebenen erfolgen. Zum einen soll anhand von drei Fallbeispielen der Einfluss der Fähre auf die Entstehung und Entwicklung von Siedlungsstrukturen am Fluss beleuchtet werden. Dazu werden kleinräumige Umfeldanalysen durchgeführt. Auf einer höheren, großräumig angelegten Ebene soll ein Gesamtbild des Fährwesens an Main und Neckar entstehen. Dabei steht nicht nur die Entwicklung und regionale Verteilung der Fähren im Vordergrund, sondern auch die daraus abzuleitende Ausbildung eines Landwegesystems. Auf einer weiteren auf Mitteleuropa angelegten Ebene soll nach Vergleichen für archäologisch untersuchte Fährstandorte und Fährkonstruktionen gesucht werden, um so mehrere möglichst abgesicherte Rekonstruktionen von Fähren und ihren Einrichtungen erstellen zu können.

Um diese Ziele zu erreichen wurde eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven (www.dsm.museum) und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (www.blfd.bayern.de) vereinbart. Die Finanzierung des Projektes erfolgt über Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (www.dfg.de) für den Zeitraum von 2,5 Jahren, an deren Ende die Ergebnisse monografisch Publiziert werden sollen.

  • Lars Kröger: Anmerkungen zur Archäologie der Flussschifffahrt im Bamberger Raum, in: Regina Hanemann (Hrsg.) Im Fluss der Geschichte – Bambergs Lebensader Regnitz, Bamberg 2009, S. 173-178.

  • Lars Kröger: Die Einbäume des Maingebietes – Fährwesen im Mittelalter, Bamberg 2009 (Ungedruckte Magisterarbeit an der Universität Bamberg).

  • Lars Kröger: Schätze aus fränkischem Kies – Mittelalterliche Fähreinbäume aus dem Main, in: Das Archäologische Jahr in Bayern 2009, Stuttgart 2010, S. 156-158.

  • Lars Kröger: Untersuchungen zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Einbaumfähren am Main, in: Kommission für Unterwasserarchäologie im Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Nachrichtenblatt des Arbeitskreises für Unterwasserarchäologie – Band 16, Freiburg i. Br. 2010, S. 57-61.

  • Lars Kröger:Die Einbäume des Mains - Neue Forschungen zu alten Hölzern, in: DEGUWA e.V. (Hrsg.) Skyllis - 10. Jahrgang 2010, Heft 1, Pretzfeld 2010, S. 37-44.

  • Lars Kröger: Einbäume des Maingebietes – Fähren als verbindendes Element eines mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wegesystems, in: Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung (Hrsg.) Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet (SKN) 34, Rahden/Westf. 2011, S. 115-128.

  • Lars Kröger: „Wieder entdeckter“ Einbaum hilft die mittelalterliche Verkehrssituation der Region zu verstehen, in: Hallstadt Magazin Januar 2012, S. 7.


Text und Kontakt: Lars Kröger