Tradierung – Vergewisserung – Doing Identity (TraVI). Eine empirische Analyse kultureller Bildungs- und Handlungspraxen in sehr peripheren Räumen Teilprojekt „Intergenerationelle Tradierungsprozesse von Formen kultureller Bildung“ (ITkuBi)

Laufzeit des Projekts

12/2019-11/2022

Drittmittel

Bundesministerium für Bildung und Forschung; Förderrichtlinie „Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“

Beteiligte

Prof. Dr. Julia Franz, Prof. Dr. Annette Scheunpflug & Claudia Kühn

Inhalt und Ziele

Stark ländlich gelegene Ortschaften werden oft aus einer verkürzten und defizitär geprägten Sichtweise betrachtet. Bezogen auf die Auswirkungen des demographischen Wandels spricht man nicht selten von „verlorenen Räumen“, in welchen kulturelle Bildungspraxen auf Grund der voranschreitenden Alterung und Schrumpfung wenig Leben entfalten zu scheinen. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob und inwiefern Formen des Kulturellen weiterhin gepflegt und weitergegeben werden. Im Forschungsprojekt sollen deshalb lokale Bildungsprozesse in den Blick genommen werden und danach gefragt werden, ob und inwiefern diese (neue) Wege der Identitätsfindung in Gemeinschaften anstoßen bzw. anstoßen könnten. Zusammenfassend stehen also die empirischen Fragen im Mittelpunkt, wie in peripheren Räumen informelle, nonformale und formelle Praxen kultureller Bildung gestaltet werden und wie diese zur Weiterentwicklung und Tradierung der lokalen Identität beitragen.

Das Forschungsprojekt basiert auf der interdisziplinären Verknüpfung von zwei Teilprojekten, mit denen zwei oberfränkische Gemeinden multiperspektivisch qualitativ betrachtet werden.

Das erste Teilprojekt „Lokale Kultur und reflexive Identität“ (Prof. Dr. Marc Redepenning, Prof. Dr. Heidrun Alzheimer & Vincent Keldenich) bietet eine kulturgeographische und ethnologische Perspektive auf Inhalte und Bedingungen kultureller Bildungspraxis unter Nutzung alltagsweltlichen Wissens, Routinen und Kulturen. Die empirische Forschung dieses Teilprojekts basiert auf der Erhebung leitfadengestützter Interviews mit lokalen Akteurinnen und Akteuren formaler und non-formaler Bildung. Durch deren inhaltsanalytische Auswertung soll die Bedeutung einer reflexiv ausgerichteten lokalen Identitä und der eigentypischen Potenziale und „Schätze“ der Gemeinden herausgearbeitet werden.

Im zweiten Teilprojekt „Intergenerationelle Tradierungsprozesse von Formen kultureller Bildung“ (Prof. Dr. Julia Franz, Prof. Dr. Anette Scheunpflug & Claudia Kühn) werden aus bildungswissenschaftlicher Perspektive kulturelle Bildungs- und Tradierungsprozesse zwischen verschiedenen Generationen untersucht. Es wird die Frage verfolgt, wie kulturelle Bildungs- und Tradierungsprozesse zwischen verschiedenen Generationen in peripheren Räumen ausgestaltet werden, welche Bedeutung dabei dem nonformalen und informellen Lebenswelten (Verein, Kirchengemeinde, Familie) zukommt und welche Aspekte des Kulturellen bearbeitet werden. Vor diesem Hintergrund werden im Teilprojekt Gruppendiskussionen mit intergenerationellen Gruppen geführt, um die Bedeutung und Tradierung ortsspezifischer Aspekte lokaler kulturellen Bildungs- und Handlungspraxen zu rekonstruieren.

Die Projekte eint neben dem qualitativen Forschungszugang auch die gemeinsame Entwicklung einer Kartografie der kulturellen Bildungspraxen der untersuchten Gemeinden, durch die wiederum nachhaltige und selbstorganisierte regionale Entwicklungsmöglichkeiten angeregt werden sollen.