Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Ältere deutsche Literaturwissenschaft

Christoph Hein

  • *08.04.1944 in Heinzendorf/Schlesien
  • 1958 und 1960 besuch eines westberliner Gymnasiums, da ihm als Pfarrersohn die DDR-Oberschule zeitweise versperrt blieb
  • nach dem Abitur arbeitete er als Montagearbeiter, Buchhändler, Kellner, Journalist, Schauspieler und Regieassistent
  • 1967-1971 Studium der Philosophie und Logik in Leipzig und Berlin
  • Dramaturg, später Hausautor der von Benno Besson geleiteten Volksbühne in Ost-Berlin
  • seit 1979 freischaffender Schriftsteller
  • 1980 gelang ihm mit seinem Prosadebüt Einladung zum Lever Bourgeoise der öffentliche Durchbruch sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland
  • zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR 1982, Erich-Fried-Preis 1990, Schiller-Gedächtnis-Preis 2004
  • lebt in Berlin

Christoph Hein - Werke (Auswahl)

  • 1980: Einladung zum Lever Bourgeois. Prosa. Berlin (Ost)/Weimar.
  • 1981: Cromwell und andere Stücke. Berlin (Ost)/Weimar.
  • 1982: Der fremde Freund. Novelle. Novelle. Berlin (Ost)/Weimar. (1985 Drachenblut)
  • 1984: Das Wildpferd unterm Kachelofen. Berlin (Ost)/Weimar.
  • 1985: Horns Ende.Roman. Berlin (Ost)/Weimar.
  • 1989: Der Tangospieler.
  • 1987: Öffentlich arbeiten. Essais und Gespräche. Berlin (Ost)/Weimar.
  • 1989: Die Ritter der Tafelrunde: Uraufführung 24.03.1989 in Dresden
  • 1990: Die Ritter der Tafelrunde und andere Stücke. Berlin/Weimar.
  • 1990: Als Kind habe ich stalin gesehen. Essais und Reden. Berlin/Weimar.
  • 1993: Das Napoleon-Spiel. Roman. Berlin.
  • 1994: Exekution eines Kalbes und andere Erzählungen. Berlin.
  • 1994: Nachtfahrt und früher Morgen. Prosa. Berlin.
  • 1994: Randow. Eine Komödie. Berlin.
  • 1996: Die Mauern von Jerichow. Essais und Reden. Berlin.
  • 1997: Von allem Anfang an. Roman. Berlin.
  • 1999: Bruch/In Acht und Bann/Zaungäste/Himmel auf Erden. Stücke. Berlin.
  • 2000: Willenbrock. Roman. Frankfurt/M.
  • 2004: Aber der Narr will nicht. Essais. Frankfurt/M.

Die Ritter der Tafelrunde

  • Uraufführung am Staatsschauspiel Dresden 24.03.1989

Das Stück ist um das Jahr 500 angesiedelt, dem Mythos näher als der realen Historie und erzählt von einer Umbruchsituation. Die "Welt", wie sie im Eingangsdialog zwischen Jeschute und Ginevra entfaltet wird und in der sie leben, ist geprägt vom Verfall, sowohl körperlich, als auch moralisch-sittlich. Bereits der erste Akt zeigt die Artuswelt und die Tafelrunde in ihrer ganzen Verrottetheit, deren Ideale und Symbole zerbrochen oder überhaupt nicht vorhanden sind (z. B. ist der runde Tisch nicht mehr intakt, ein Tischbein ist abgebrochen).
Parzival tritt zwar als Systemkritiker auf, der als einziger in der Lage zu sein scheint, die glorreiche Vergangenheit kritisch zu reflektieren. Doch auch bei ihm herrscht ein ambivalentes Verhältnis zur eigenen Geschichte (Mord an Ither), die er aber gerade nicht reflektiert. So kann zwar eine allgemeine Systemkritik, die das Versagen anderer angeprangert, stattfinden, doch hat dieses Sprechen auch gleichzeitig ausschließende Funktion, da es dem eigenen Versagen zu entkommen trachtet. Erst die Jugendgeneration scheint in der Lage zu sein, schmerzliche Erinnerungen reaktivieren zu können.
Als Lancelot von außen zur Artusburg kommt, hat er nichts zu sagen, keine Geschichte zu erzählen. Leere macht sich breit, auch die Gralssuche wird nicht mehr als ein mögliches Erreichen eines Ziels beschreibbar, sondern nur noch als Suche an sich, als reiner Selbstzweck. Folglich gibt es keine Legitimationsgrundlage für die Artuswelt; sie ist faktisch als utopisch-idealer Gesellschaftentwurf an ihr Ende gekommen. Gegen die anderen Ritter übergibt er seinem Sohn Mordret die Macht - und die Aufgabe, einen neuen Weg zum Gral suchen zu müssen.

vgl.: Schaffry, Andreas: Die Ritter der Tafelrunde oder der Weg ist das Ziel. Christoph Hein und die Rezeption des mittelalterlichen Artus-Stoff. In: Mittelalter-Rezeption V. Hg. von Ulrich Müller und Kathleen Verdui. Göppingen 1996, S. 493-510.

Bibliographie zu Die Ritter der Tafelrunde

  • Hammer, Klaus (Hg.): Chronist ohne Botschaft. Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch: Materialien, Auskünfte, Bibliographie. Berlin und Weimar 1992.
  • Hein, Christoph: Das Geld ist nicht der Gral. Interview mit den Machern der Fernsehadaption von Die Ritter der Tafelrunde (1990). In: Chronist ohne Botschaft. Hg. von Klaus Hammer. Berlin und Weimar 1992, S. 226-229.
  • Kochta, Karla: Austreibung des Grals? In: Chronist ohne Botschaft. Hg. von Klaus Hammer. Berlin und Weimar 1992, S. 223-225.
  • Krug, Hartmut: Ritter von der traurigen Gestalt. In Chronist ohne Botschaft. Hg. Klaus Hammer. Berlin und Weimar 1992, S. 258-259.
  • Müller, Ulrich: Gral ´89. Mittelalter, moderne Hermetik und die neue Politik der Perestroika. Zu den "Parzival/Gral-Dramen" von Peter Handke und Christoph Hein. In: Mittelalter-Rezeption IV. Medien, Politik, Ideologie, Ökomomie. Hg. von Irene von Burg u. a. Göppingen 1991, S. 495-518.
  • Onderdelinden, Siaak: Ritter von der traurigen Gestalt. Christoph Heins Tafelrunde. In: ABäG 48 (1997), S. 175-191.
  • Schaffry, Andreas:Die Ritter der Tafelrunde oder Der Weg ist das Ziel. Christoph Hein und die Rezeption des mittelalterlichen Artus-Stoff. In: Mittelalter-Rezeption V. Hg. von Ulrich Müller und Kathleen Verduin. Göppingen 1996, S. 493-510.
  • Seyfarth, Ingrid: Palaver am Runden Tisch. Zur Uraufführung von Die Ritter der Tafelrunde am Staatsschauspiel Dresden. In: Dramaturgie in der DDR (1945-1990) Bd. II. Hg. von Helmut Krezer und Karl-Wilhelm Schmidt. Heidelberg 1998, S.566-568.
  • http://www.ub.fu-berlin.de/internetquellen/fachinformation/germanistik/autoren/multi_fgh/hein.html(letzter Zugriff 04.06.2009)