Michelle Möhle: Conrad Wilhelm Hase und seine Rolle in der Denkmalpflege

Dipl.-Des. Michelle Möhle M. A.

Der Architekt Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) ist als einer der Begründer der "Hannoverschen Schule" und somit als eifriger Verfechter des neugotischen Bauens weit über die Grenzen seiner norddeutschen Heimat hinaus bekannt. Er plante mehr als 150 Objekte, von denen eine Vielzahl auch realisiert wurde. Außerdem prägte er Generationen von jungen Architekten durch seine Professur am Polytechnikum Hannover.
Doch neben seinem Schaffen als Architekt des Historismus bestimmte die Arbeit auf dem Gebiet der Denkmalpflege Hases berufliches Leben. Angefangen bei seinem restauratorischen Erstwerk, dem Kloster Loccum bei Hannover (1848-54), über die Maßnahmen an der romanischen St. Godehardi-Kirche in Hildesheim bis zur Rettung des Alten Rathauses zu Hannover in den 1870er Jahren war Hase an rund 130 Restaurierungsprojekten beteiligt. Des Weiteren befasste er sich intensiv mit der theoretischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung des baulichen Erbes. Er veröffentlichte zahlreiche Aufsätze und Artikel zu bedeutenden Bauwerken, wie beispielsweise zum Baseler Münster, zur Ruine des Klosters Walkenried und zur Albrechtsburg in Meißen. Dazu hielt er Vorlesungen auf dem Gebiet der Baugeschichte am Polytechnikum Hannover und führte mit seinen dortigen Studenten Aufmaßübungen an mittelalterlichen Kirchenbauten durch.

Ziele und Stand der Forschung

Als Ziel dieser Forschung steht eine intensive Untersuchung der Haseschen Restaurierungen sowie seiner Stellung und Bedeutung in der theoretischen und praktischen Denkmalpflege in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es soll beleuchtet werden, ob und gegebenenfalls welche theoretischen Ansätze Hases Arbeiten zu Grunde liegen. Weiterhin könnte er durch diese Untersuchungen in der Entwicklungsgeschichte der Denkmalpflege in Deutschland positioniert werden.

Bereits seit den 1960er Jahren wird Hases Œuvre intensiv durch Prof. Dr. Günther Kokkelink erforscht. In den vergangenen Jahrzehnten wurde er dabei tatkräftig von Wissenschaftlern und interessierten Laien unterstützt. Insbesondere Hases Rolle in der sogenannten "Hannoverschen Schule" und ein zusätzliches, online präsentiertes Werkverzeichnis werden auch aktuell noch bearbeitet. Allerdings existiert derzeit keine umfassende Untersuchung der denkmalpflegerischen Tätigkeiten des Architekten Hase. Es entstand eine Auflistung sämtlicher bisher bekannter Restaurierungsprojekte, die in ein Online-Verzeichnis integriert ist. Darauf stützt sich die 2003 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg entstandene Masterarbeit "Conrad Wilhelm Hase und seine Rolle in der Denkmalpflege sowie der heutige denkmalpflegerische Umgang mit seinen Projekten im Raum Hannover/ Hildesheim" von Michelle Möhle.  Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein kleiner Ausschnitt von vier Objekten aus Hases denkmalpflegerischem Schaffen beleuchtet und zudem eine erweiterbare Datenbank mit den bis 2003 etwa 120 bekannten Restaurierungsprojekten entwickelt. Weitere Informationen zu Haseschen Restaurierungsmaßnahmen finden sich lediglich in vereinzelten Monographien der entsprechenden Gebäude.
Bekannt sind auch die zahlreichen Veröffentlichungen Hases, die sich entweder speziell mit denkmalpflegerischen Themen befassen oder im weiteren Sinne sein ausgeprägtes Interesse an historischen Bauwerken bezeugen. Doch auch dieser theoretische Teil ist noch nicht weiter betrachtet und untersucht worden.

Methoden des Projekts

Zunächst wird die Datenbank der Masterarbeit von 2003 überprüft und ergänzt. Soweit möglich, werden die bereits vorhandenen Daten ergänzt und die Benutzeroberfläche überarbeitet. Begleitend dazu findet die Quellenrecherche zu den Haseschen Restaurierungsprojekten statt.
Dann wird eine stellvertretende und gleichzeitig repräsentative Anzahl von Objekten aus dem Werk ausgewählt, anhand derer Hases Vorgehensweise untersucht werden soll. Geplant ist eine Gliederung der einzelnen Bauten in Baubeschreibung, Baugeschichte, Restaurierungsgeschichte und die Darstellung der Haseschen Restaurierung. Weiterhin sollen Hases Schriften (Gutachten, Mitteilungen, Erläuterungen etc.) ausgewertet werden.
Dem folgt die Analyse der restauratorischen Maßnahmen unter besonderer Betrachtung der Denkmalpflege im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert sowie eine Einbettung  in die Debatten der theoretischen Denkmalpflege der Zeit.