Verwaltungswissenschaft befasst sich mit der öffentlichen Verwaltung und damit einem der zentralen Akteure in politischen Entscheidungsprozessen. Aufgrund ihres überlegenen Fachwissens und ihrer personellen Kapazität sind insbesondere die Ministerialverwaltungen für die inhaltliche Ausgestaltung von Politik unverzichtbar. Zum Beispiel werden ca. 75 Prozent aller erfolgreich verabschiedeten Gesetze auf Bundesebene von Ministerialbeamten entworfen. Hinzu kommt, dass die getroffenen politischen Entscheidungen erst dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie von Behörden der öffentlichen Verwaltung vollzogen werden. In der Phase des Vollzugs rücken insbesondere die Verwaltungen der Bundesländer und der Kommunen in den Mittelpunkt der Betrachtung. „Erfolgreiches“ Regieren ist den Politikern in Parlamenten, Regierungen und Parteien daher nur im Zusammenspiel mit der öffentlichen Verwaltung möglich.
Die Verwaltungswissenschaft untersucht in diesem Zusammenhang einerseits den organisatorischen Aufbau und die personelle Zusammensetzung der öffentlichen Verwaltung auf allen Ebenen des Staates sowie andererseits die Beziehungen der Verwaltung zu ihrer Umwelt, zu der neben der Politik auch die Bürgerinnen und Bürger, Interessengruppen und Verbände sowie die Wissenschaft gehören. Sowohl in der Binnenperspektive als auch in der Außenperspektive beschäftigt sich die Verwaltungswissenschaft mit Fragen der horizontalen Koordination (z.B. Abstimmungsprozesse zwischen verschiedenen Ministerien, Interaktionen zwischen Ministerien und Interessengruppen) und der vertikalen Koordination (z.B. Koordination in Mehrebenensystemen).
Indem die öffentliche Verwaltung der Politik hilfreiche und unverzichtbare Unterstützung bei der Formulierung und beim Vollzug politischer Entscheidungen liefert, ist sie in der politischen Auseinandersetzung – etwa mittels gezielter Personalpolitik und Ämterbesetzung – stets ein wichtiges Machtinstrument in den Händen der Politik. Aus diesem Grund stellt die Verwaltungswissenschaft beispielsweise Fragen nach Ausmaß und Formen der Neutralität bzw. Parteipolitisierung öffentlicher Verwaltungen oder nach der Bedeutung struktureller Merkmale staatlicher Organisationen. Auch das Spannungsfeld zwischen politischer Steuerung und autonomen Handlungsspielräumen der öffentlichen Verwaltung sowie die Institutionalisierung verwaltungspolitischer Entscheidungen sind wichtige Gegenstände der verwaltungswissenschaftlichen Forschung.
Wichtig bei der Untersuchung verwaltungswissenschaftlicher Fragestellungen ist zudem die international vergleichende Perspektive. Zwischen den Staaten bestehen mitunter große Unterschiede hinsichtlich Größe, Organisation und Bedeutung ihrer öffentlichen Verwaltungen. Aussagen über das Machtpotential, die Leistungsfähigkeit oder die Effizienz einer Verwaltung lassen sich oftmals erst im Vergleich mit anderen Staaten treffen.
Aufgrund ihres Gegenstandes besitzt die Verwaltungswissenschaft einen hohen Praxisbezug. In den verwaltungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen wird Studierenden der Politikwissenschaft und anderer Fächer auf diese Weise ein breiter Einblick in mögliche berufliche Tätigkeitsfelder gegeben.