Für etwa vierzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Kapitalismus eine durch Staat und Sozialpartnerschaft organisierte Form angenommen. Er ist dadurch stabil, berechenbar und sozial geworden. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich jedoch ein tiefgreifender Wandel des Kapitalismus vollzogen, der mit den Stichworten „Deregulierung“, „Liberalisierung“, „Desorganisation“ und „Flexibilisierung“ umschrieben wird. Damit einher gehen Veränderungen der Sozialstruktur und der Kultur. Nicht nur betriebliche Organisationen und die Arbeitsverhältnisse werden flexibilisiert, sondern die ganze Lebensweise. Es entsteht eine neue Subjektkultur, es werden neue Freiheitsräume geschaffen, gleichzeitig entstehen neue Formen der Kontrolle. Im Seminar sollen einige markante Texte zu den neuen Kulturen des Kapitalismus, der Subjektivität und der Kontrolle gelesen und diskutiert werden, um ein Verständnis dieses gesellschaftlichen Wandels in der Gegenwart zu gewinnen.
Die jeweils unter a) angegebenen Texte werden durch einen Reader zugänglich gemacht. Sie sind Pflichtlektüre. Die Bücher stehen im Semesterapparat. Je nach Teilnehmerzahl werden pro Sitzung 1 bis 3 Referate jeweils zu den unter a), b) bzw. c) angegebenen Texten vergeben. Zu den Referaten soll in der Sitzung ein Handout von ca. zwei Seiten an die Teilnehmer verteilt werden. Die Referate sollen zusammen ca. 30 Minuten dauern.
20.04.09
Einführung
27.04.09
G. Günter Voß und Hans J. Pongratz. Der Arbeitskraftunternehmer.
a) Voß, G. Günter und Hans. J. Pongratz. „Der Arbeitskraftunternehmer. Eine neue Grundform der Ware Arbeitskraft.“ Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 50(1), 1998, S. 131-158
Referent: Gregor Scheibach
Kommentare: Destler Andrea, Folkers Jan, Silberschmidt René, Racké Lena
b) Pongratz, Hans-J. und G. Günter Voß. Arbeitskraftunternehmer: Erwerbsorientierungen in entgrenzten Arbeitsformen. Berlin: edition sigma, 2003, S. 191-226.
c) Pongratz, Hans-J. „Eine Gesellschaft von Unternehmern. Expansion und Profanierung schöpferischer Zerstörung in kapitalistischen Ökonomien.“ Berliner Journal für Soziologie 18 (3), 2008, S. 457-475
d) Jürgens, Kerstin. „Kein Seiltanz ohne Netz. Zur Funktionalität individueller und betrieblicher Grenzziehungen.“ In: H.J. Pongratz und G. Günter Voß (Hg.). Typisch Arbeitskraftunternehmer: Befunde der empirischen Arbeitsforschung. Berlin: edition sigma, 2004, S. 163-186
04.05.09
Cornelia Koppetsch. Das Ethos der Kreativen. Eine Studie zum Wandel von Arbeit und Identität am Beispiel der Werbeberufe. Konstanz: UVK, 2006
a) Kreativität als Arbeit und Lebensentwurf. Eine Fallstudie zum Berufsfeld Werbung, S. 137-181
Referentin: Irinkova Sanka
Kommentare: Benjamin Scharkow, Franke Sebastian, Racké Pia, Ploner Matthias, Blumenstiel Jan, Hümpfler Mark, Klenk Andreas, Müller Nora
b) Wiederkehr des Marktes – Ende der europäischen Nachkriegsprosperität?, S. 17-66
Referent: Pottler Maximilian
c) Das Paradoxon der modernen Arbeitswelt. Sozialtheoretische Annäherungen an die Ethik der flexiblen Ökonomie, S. 67-136
11.05.09
Richard Sennett. Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin: Berliner Taschenbuchverlag, 1998/2006.
a) Das Arbeitsethos. Wie sich das Arbeitsethos gewandelt hat, S. 131-158
Referent: Folkers Jan
Kommentare: Scheibach Gregor, Silberschmidt René, Franke Sebastian, Blumenstiel Jan, Hümpfler Mark, Pottler Maximilian, Sander Annette, Destler Andrea, Müller Markus, Müller Nora, Adam Ursula
b) Drift. Wie persönliche Erfahrung in der modernen Arbeitswelt zerfällt, S. 15-38
Flexibilität, S. 57-80
Referentin: Eva Maria Pusch
c) Scheitern, S. 159-186
Gemeinschaft als Mittel gegen Drift, S. 187-204
d) Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin: Berliner Taschenbuchverlag, 2007.
18.05.09
Andreas Reckwitz. Das hybride Subjekt. Eine Theorie der Subjektkulturen von der bürgerlichen Moderne zur Postmoderne. Weilerswist: Velbrück, 2006.
a) Kapitel 4.2: Das Subjekt der Postmoderne als ästhetisch-ökonomische Doublette (seit 1980), S. 500-554
Referent: Hümpfler Mark
Kommentare: Folkers Jan, Racké Lena, Irinkova Sanka, Benjamin Scharkow, Franke Sebastian, Racké Pia, Klenk Andreas, Pottler Maximilian, Destler Andrea, Müller Markus, Freismidl Andrea
b) Kapitel 3.2: Die organisierte Moderne und das Angestelltensubjekt (1920-1970), S. …
c) Kapitel 2.1: Die Subjektkultur der Bürgerlichkeit: Moralität und Selbstregulierung (18. Jahrhundert), S. …
25.05.09
Hartmut Rosa. Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2005
a) Ursachen, S. 243-310
Referentin: Schmidt Sarah
Kommentare: Folkers Jan, Racké Lena, Benjamin Scharkow, Franke Sebastian, Racké Pia, Blumenstiel Jan, Sander Annette, Müller Markus, Pusch Eva Maria, Pink Sebastian, Adam Ursula, Freismidl Andrea
b) Konsequenzen, S. 333-390
Referent: Andreas Klenk
c) Zygmunt Bauman. Leben in der flüchtigen Moderne. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2007, S. 145-208
08.06.09
Karl Friedrich Bohler und Hansfried Kellner. Auf der Suche nach Effizienz. Die Arbeitsweisen von Beratern in der modernen Wirtschaft. Frankfurt/New York: Campus, 2004
a) Professionalisierungsansätze der Unternehmensberatung, S. 47-74
Referent: Silberschmidt René
Kommentare: Scheibach Gregor, Irinkova Sanka, Benjamin Scharkow, Racké Pia, Ploner Matthias, Blumenstiel Jan, Hümpfler Mark, Pottler Maximilian, Pusch Eva Maria, Pink Sebastian, Schmidt Sarah, Müller Nora, Adam Ursula
b) Stufen und Segmente der Unternehmensberatung (Organisationsentwicklung, Personalentwicklung), S. 103-135
Referentin: Racké Lena
c) Werner Rügemer. „Der Mythos der ökonomischen Effizienz. Berater als Akteure in der neoliberalen Globalisierung.“ In: W. Rügemer (Hg.). Die Berater. Ihr Wirken in Staat und Gesellschaft. Bielefeld: Transcript, 2004, S. 68-110.
15.06.09
Stefan Kühl. Das Regenmacher-Phänomen. Widersprüche und Aberglaube im Konzept der lernenden Organisation. Frankfurt/New York: Campus, 2000.
a) Die Grenzen der lernenden Organisation. Das Ende des Traums von der optimalen Organisationsstruktur, S. 17-57
Referentin: Sander Annette
Kommentare: Scheibach Gregor, Folkers Jan, Silberschmidt René, Racké Lena, Irinkova Sanka, Franke Sebastian, Ploner Matthias, Blumenstiel Jan, Hümpfler Mark, Pink Sebastian, Schmidt Sarah, Freismidl Andrea
b) Die blinden Flecken der lernenden Organisation, S. 83-156
Referentin: Andrea Destler
c) Vom Nutzen und der Gefahr der Irrationalität, Ignoranz und Vergesslichkeit lernender Organisationen, S. 157-187
22.06.09
Christine Resch. Berater-Kapitalismus oder Wissensgesellschaft? Zur Kritik der neoliberalen Produktionsweise. Münster: Westfälisches Dampfboot, 2005.
a) Die Unternehmensberater: Analyse einer Branche, S. 108-172
Referent: Ploner Matthias,
Kommentare: Scheibach Gregor, Silberschmidt René, Racké Lena, Benjamin Scharkow, Blumenstiel Jan, Klenk Andreas, Pottler Maximilian, Destler Andrea, Pusch Eva Maria, Schmidt Sarah, Adam Ursula, Freismidl Andrea
b) Vom Eigentümer – über den Manager – zum Berater-Kapitalismus, S. 62-107
Referent: Markus Müller
c) Wie Berater-Kapitalismus politisch abgesichert und im Alltag verankert wird, S. 208-253
29.06.09
Uwe Bittlingmayer. Wissensgesellschaft als Wille und Vorstellung. Konstanz: UVK, 2005
a) „Wissensgesellschaft“ als Struktur oder Semantik: Die Makroebene, S. 81-136
Referentin: Racké Pia,
Kommentare: Racké Lena, Irinkova Sanka, Ploner Matthias, Hümpfler Mark, Klenk Andreas, Pottler Maximilian, Sander Annette, Destler Andrea, Müller Markus, Müller Nora, Adam Ursula, Freismidl Andrea
b) Flache Hierarchien und universitäre Dienstleistungsunternehmen als Motoren der „Wissensgesellschaft“: Die Mesoebene, S. 137-198
Referent: Sebastian Pink
c) Das Selbst der „Wissensgesellschaft“: Die Mikroebene, S. 199-256
06.07.09
Luc Boltanski und Eve Chiapello. Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz: UVK, 2006
a) Boltanski/Chiapello. „Die Rolle der Kritik in der Dynamik des Kapitalismus und des normativen Wandels.“ Berliner Journal für Soziologie 11 (4), 2001, S. 459-477
Referent: Franke Sebastian
Kommentare: Scheibach Gregor, Folkers Jan, Silberschmidt René, Irinkova Sanka, Racké Pia, Ploner Matthias, Sander Annette, Müller Markus, Pusch Eva Maria, Pink Sebastian, Schmidt Sarah, Freismidl Andrea
b) Boltanski/Chiapello. Der neue Geist des Kapitalismus, S. 89-146
Referentin: Müller Nora
c) Boltanski/Chiapello. Der neue Geist des Kapitalismus, S. 21-88
13.07.09
Ulrich Bröckling. Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2007
Stefan Kühl. „Paradoxe Effekte und ungewollte Nebenfolgen des Qualitätsmanagements.“ In:: H. Wächter und G. Fedder (Hg.). Qualitätsmanagement in Organisationen. Wiesbaden: Gabler, S. 75-114
a) Bröckling: Kreativität, Empowerment, S. 152-214
Referent: Benjamin Scharkow
Kommentare: Scheibach Gregor, Ploner Matthias, Hümpfler Mark, Klenk Andreas, Pottler Maximilian, Sander Annette, Destler Andrea, Müller Markus, Pusch Eva Maria, Pink Sebastian, Schmidt Sarah
b) Bröckling: Qualität, Projekte, S. 215-282
Referentin: Freismidl Andrea
c) Kühl: Paradoxe Effekte, S. 75-144
22.07.09
Michael Power. The Audit Society. Oxford: Oxford University Press, 1997
Manfred Moldaschl. „Qualität als Spielfeld und Arena: Das mikropolitische Verständnis von Qualitätsmanagement und seine Grenzen.“ In: H. Wächter und G. Vedder (Hg.). Qualitätsmanagement in Organisationen. Wiesbaden: Gabler, S. 115-138.
a) Power: Auditing and the Reinvention of Governance, S. 41-68
Referent: Blumenstiel Jan
Kommentare: Folkers Jan, Silberschmidt René, Irinkova Sanka, Benjamin Scharkow, Franke Sebastian, Racké Pia, Klenk Andreas, Sander Annette, Pusch Eva Maria, Pink Sebastian, Schmidt Sarah, Müller Nora
b) Power: Making Audits Work: Samples, Specialists, and Systems, S. 69-90
Referentin: Adam Ursula
c) Power: Making Audits Work: Auditees and the Auditable Performance. Audit, Trust and Risk, S. 91-147
Moldaschl: Qualität als Spielfeld, S.115-138.
Im Seminar können alternativ folgende Leistungen erbracht werden:
1. Hauptseminarschein
1 Referat + 1 Hausarbeit (12 Seiten)
6 Kommentare/Erkundungen
2. Schriftliche Prüfungsersatzleistung (12 KP)
1 Referat + 1 Hausarbeit (20 Seiten)
6 Kommentare/Erkundungen
3. Mündliche Prüfungsersatzleistung (18 KP)
1 Referat + 1 Hausarbeit (25 Seiten)
6 Kommentare/Erkundungen
Das Referat besteht in der 15-minütigen Präsentation der Pflichtlektüre. Dazu kommt die aktive Gestaltung der Diskussion. Die Hausarbeit soll das Referatsthema anhand der Primärliteratur und Sekundärliteratur bearbeiten. Abgabefrist ist der 19. Oktober 2009. Zwecks Gestaltung der Seminarsitzungen müssen alle Referenten zusätzlich zu sechs anderen Referatsthemen einen mündlichen Beitrag zur Seminarsitzung leisten, der in die Diskussion eingebracht wird. Dieser Beitrag kann wie folgt aussehen:
1. Präzisierung einer unklaren Argumentation im Text;
2. kritische Auseinandersetzung mit der Argumentation eines Autors;
3. beispielhafte Erläuterung einer Argumentation (theoriegeleitete Erkundungen in die soziale Realität)
4. Interpretation vorgefundener Fakten durch Theoriebausteine.
Diese Beiträge sind Voraussetzung für den Erwerb eines Leistungsnachweises. Sie werden nicht benotet. Die Note für den Leistungsnachweis ergibt sich nur aus der Hausarbeit.
1. Informationsgehalt (Wie breit und tiefgehend wird das Thema behandelt)
2. Darstellung (Klarheit, Genauigkeit, logischer Aufbau, sprachliche Qualität)
3. Literaturverarbeitung (Wieviel Literatur wird herangezogen; wie genau wird sie in den Text einbezogen; Genauigkeit der Quellenverweise)
4. Soziologische Reflexion (Heranziehen allgemeiner soziologischer Theorien, allgemeiner Gesellschaftsanalysen
zur Erklärung eines Sachverhalts, Genauigkeit der Verknüpfung von Theorie und Empirie, Überschreiten der reinen Darstellung durch Einbettung eines Sachverhalts in den weiteren kulturellen und gesellschaftlichen Kontext. Reflexion über Reichweite und Grenzen der behandelten Theorien).
Für das Qualitätsmerkmal 1 werden 0-10 Punkte vergeben, für die Qualitätsmerkmale 2 bis 4 jeweils 0-5 Punkte. Die Noten errechnen sich wie folgt aus der erreichten Punktzahl:
25 = sehr gut (1)
24-23 = noch sehr gut (1,3)
22-21 = gut + (1,7)
20 = gut (2)
19-18 = noch gut (2,3)
17-16 = befriedigend + (2,7)
15 = befriedigend (3)
14-13 = noch befriedigend (3,3)
12-11 = voll ausreichend (3,7)
10 = ausreichend (4)
9-0 = nicht ausreichend (5)