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Lehren lernen: Die Wissenschaft der Erwachsenen- und Weiterbildung studieren

Entsprechend unserem Selbstverständnis von Subjektorientierung in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung verstehen wir auch die universitäre Lehre nicht als Vermittlung von erziehungswissenschaftlichem Wissen an Studierende, sondern als Vermittlung zwischen lernendem Subjekt und theoretischen sowie didaktischen Ansätzen der Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Unsere Lehre, Lernbegleitung und Beratung ist also ein Angebot von Lernmöglichkeiten als Hilfe zur Aneignung von wissenschaftlichem Wissen durch die Studierenden selbst: Die gemeinsame Arbeit in Seminaren, das Lesen, Schreiben und das Sprechen, kurz die Beiträge zum Erkennen sind weder „passive Kontemplation, noch Erwerb einzig möglicher Einsicht im fertig Gegebenen. Es ist ein tätiges, lebendiges Beziehungseingehen, ein Umformen und Umgeformtwerden, kurz ein Schaffen“ (Fleck 1929, S. 48). Studierende werden deshalb im Studium der Erwachsenenbildung von Anfang an als pädagogisch ‚Schaffende’ gefordert:

Im Lern- und Forschungsprozess in Seminaren sowie in Kolloquien und schriftlichen Arbeiten lehnen wir uns eher an das erwachsenengerechte Prinzip der Arbeitsgemeinschaft als an ein Lehrer-Schüler- oder Meister-Lehrling-Verhältnis an. Unsere kontinuierliche Studienbegleitung soll den Lernenden auf der Suche nach seinem andragogischen Selbst- und Weltverständnis unterstützen. Der Forschungsprozess des Einzelnen oder einer Arbeitsgemeinschaft (Hausarbeiten, Abschlussarbeiten) wird von uns begleitet, indem wir kontinuierlich die Möglichkeit bieten, Themen, erkenntnisleitende Interessen, Thesen, Methoden, Zwischenschritte und Ergebnisse in Beratung und Kolloquien zur Diskussion zu stellen.

Die Entwicklung expliziten Wissens zur Erwachsenenbildung/Weiterbildung unterstützen wir

  • durch Hilfen zur Aneignung von wissenschaftlichen Theorien und Ansätzen in Vorlesungen und Seminaren,
  • durch die Anregung zur Reflexion und Erkenntnisgewinnung in Auseinandersetzung mit Kommilitoninnen,
  • durch die Reflexion von eigenen Lehr- und Lernerfahrungen (-> Probelehren)  bei eigenen Seminarbeiträgen und der methodischen Gestaltung von Lernsettings in den Seminaren und
  • durch die Identifizierung/Explizierung implizit vorhandenem Wissen zu pädagogischen Fragen.

Auch informelle Lern- und Erfahrungsprozesse können sich in der andragogischen ‚Community of practice’ (Wenger) des Lehrstuhls entwickeln, wenn im ständigen Training von eigenem pädagogischen Handeln explizites didaktisches Wissen routinisiert wird und dadurch auch den impliziten pädagogischen Wissensschatz und das Handlungsrepertoire der Studierenden erweitern kann.

 

Literatur:

  • Fleck, L. (1929): Zur Krise der „Wirklichkeit“. In: Fleck, L. (1983): Erfahrung und Tatsache. Frankfurt am Main: Suhrkamp, hrsg. von L. Schäfer und Th. Schnelle, S. 46-58.

  • Wenger, E. (1998): Communities of practice: Learning, Meaning, and Identity (Learning in Doing). Cambridge: University Press.